Gestutzte Flügel

Die luxemburgische Fluggesellschaft Luxair leidet wie andere Gesellschaften auch unter den hohen Kerosinpreisen. Daher ist die Finanzsituation bei Luxair derzeit ziemlich angespannt. Bis Ende des Jahres wird ein deutlicher Gewinneinbruch erwartet.

Luxemburg. Nach außen hin demonstrieren die Luxair-Verantwortlichen Gelassenheit. Doch hinter den Kulissen herrscht Nervosität. Hatte man bei der Fluggesellschaft im Frühjahr noch optimistisch mit einer "schwarzen Null" bis Ende des Jahres gerechnet, gehen Insider mittlerweile von einem deutlichen Minus aus. Grund sind die hohen Kerosinpreise, die auch anderen Gesellschaften in diesem Jahr das Geschäft verderben. Innerhalb eines Jahres haben sich die Preise für den Flugsprit fast verdoppelt. Das reißt auch bei Luxair tiefe Löcher ins Budget, die Haushaltsplanung für das laufende Jahr ist damit Makulatur.

Wie angespannt die Finanzsituation bei Luxair ist, zeigt sich auch darin, dass der Kauf eines neuen Ferienfliegers vom Typ Boeing 737-800 mit 180 Plätzen (Listenpreis rund 40 Millionen Euro) erst Mal auf Eis gelegt wurde. Zunächst will man abwarten, wie sich das Wintergeschäft des hauseigenen Reiseveranstalters Luxair-Tours entwickelt. Die Sommerbuchungen waren wohl durchweg zufriedenstellend, Grund dafür dürfte sein, dass die Reisen oft bereits zu Jahresbeginn, als die Angst vor hohen Energiepreisen die Reiselust noch nicht bremste, gebucht werden. Bei den Urlaubsflügen im Winter rechnet man aber mit einem Einbruch. 4,5 Millionen Euro brachte Luxair-Tours im vergangenen Jahr der luxemburgischen Fluggesellschaft, dieser Umsatz sollte in diesem Jahr gesteigert werden.

Was den Luxair-Verantwortlichen aber noch mehr Sorge macht als das Reisegeschäft, ist das stagnierende Frachtaufkommen. Luxair ist für den Frachtumschlag am Luxemburger Flughafen zuständig. Mit 14 Millionen Euro brachte das Frachtgeschäft der Gesellschaft den größten Ertrag im vergangenen Jahr. Doch erstmals scheint es in diesem Jahr keine Steigerung bei der Fracht zu geben. Der Umsatz im Frachtgeschäft liegt laut Luxair-Insidern derzeit deutlich unter dem veranschlagten Budget.

Daher muss bei Investitionen gespart werden. Neben dem aufgeschobenen Kauf einer Boeing, ist derzeit wohl noch völlig unklar, ob und wann drei weitere Propeller-Maschinen des Typs Bombardier Q 400 (Listenpreis; zwölf Millionen Euro) gekauft werden. Im Herbst sollte die Entscheidung für den Kauf der vierten im kanadischen Toronto gebauten Maschine fallen. Bis Ende des Jahres muss sich Luxair entscheiden, ob sie die Option für zwei weitere Maschinen dieses Typs einlöst. Die modernen Propeller-Maschinen stehen für den Umbau der Fluggesellschaft zu einer regionalen Airline. Bewusst setzt Luxair seit einem Jahr auf die 70-sitzigen Flugzeuge, weil sie bis zu 30 Prozent weniger Sprit verbrauchen. Ohne die Anschaffung und die vor zwei Jahren eingeleitete Umstrukturierung mit radikalem Sparkurs hätte Luxair heute nach Experten-Einschätzung ein Minus von 30 Millionen Euro und müsste ums Überleben kämpfen.

Ob nach der Erhöhung der Ticketpreise im Juli um 3,5 Prozent erneut an der Preisschraube gedreht wird, ist unklar. Unwahrscheinlich ist, dass das Streckennetz weiter ausgedünnt wird. Vielmehr wird Luxair weitere Strecken ins Programm nehmen, die sich vor allem an der Entwicklung der luxemburgischen Wirtschaft Richtung Polen orientieren werden. Angeblich bastelt man derzeit an entsprechenden Angeboten nach Osteuropa.

Ausgebaut werden sollen wohl auch die Verbindungen von Saarbrücken aus. Ab September fliegt Luxair von der saarländischen Landeshauptstadt aus regelmäßig nach London, und am Wochenende wird es Flüge nach Rom geben. Bislang fliegen die Luxemburger vom Saarland aus nach Berlin, Hamburg und München, wobei vor allem Hamburg und München sehr gut laufen sollen. Auch die saarländische Landesregierung, als Flughafeneigner, dürfte mit Luxair ganz zufrieden sein, kann sie doch mit dem Kunden aus Luxemburg dem ungeliebten Konkurrenten, dem Flughafen Zweibrücken, Paroli bieten.