1. Region
  2. Wirtschaft

Großer Erfindergeist in Rheinland-Pfalz

Großer Erfindergeist in Rheinland-Pfalz

Es kommt selten vor, dass Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen von etwas begeistert sind. Beim Nachwuchswettbewerb "Jugend forscht", der für Jüngere "Schüler experimentieren" heißt, ist das unbestritten so.

Bitburg/Mainz. In Peter Pinski steckt Erfindergeist. 2009, er war 19 Jahre alt und Schüler des Trierer Max-Planck-Gymnasiums, bekam er den Beweis dafür - als Bundessieger des Wettbewerbs Jugend forscht in der Kategorie Chemie. Heute ist der Konzer 25 und erfindet noch immer. Eine Etage höher, am Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion in Mülheim. Dort erforscht Pinski als Doktorand etwas, das uns alle angeht: erneuerbare Energien in chemischen Verbindungen zu speichern. Rückblickend sagt er: "Das Gute ist, dass man sich bei Jugend forscht intensiv mit einem Projekt befassen kann."
Pinski ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie erfolgreich der Talentwettbewerb ist. Jahr für Jahr melden sich mehr als 1000 Schüler aus Rheinland-Pfalz (bundesweit 11 000) zu den Ausscheidungen an, die zunächst auf regionaler, dann auf landes- und bundesweiter Ebene laufen. Gestern kam es zum Landesentscheid in Bitburg (siehe Extra). Mit dieser Beteiligung liegt das Land auf Platz vier hinter den deutlich bevölkerungsreicheren Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
Der Anteil der Mädchen liegt bei 39,3 Prozent, 2,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Das ist vor allem deshalb erstaunlich wie erfreulich, da Jugend forscht in sieben vorwiegend naturwissenschaftlichen Fachgebieten ausgetragen wird: Biologie, Chemie, Mathematik, Physik, Technik, Geo- und Raumwissenschaften, Arbeitswelt. Für die Jüngeren heißt der Wettbewerb Schüler experimentieren.
Als der damalige Stern-Chefredakteur Henri Nannen 1965 Jugend forscht ins Leben rief, hieß das Motto: "Wir suchen die Forscher von morgen." Ist das Ziel erreicht worden? "Wir sind der Überzeugung, das ist uns gelungen", sagt Daniel Giese von der Stiftung Jugend forscht in Hamburg. Neun von zehn Wettbewerbsteilnehmern studierten ein naturwissenschaftliches Fach. Später sei die Hälfte im Bereich von Forschung und Entwicklung an Hochschulen, in außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder Unternehmen tätig.
Seit 1972 ist auch die Bitburger Braugruppe so sehr von diesem Wettkampf überzeugt, dass sie als Patenunternehmen fungiert und gestern den Landesentscheid durchgeführt hat. Warum, erklärt Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer Technik, so: "Jugend forscht schafft es, Kinder und Jugendliche für technische Fragestellungen zu begeistern. Das macht es wahrscheinlicher, dass sie sich später für einen Beruf in diesem Bereich entscheiden." Schüler, die eine Teilnahme an Jugend forscht im Lebenslauf stehen haben, könnten davon beruflich profitieren. Für die Bitburger als einem der größten regionalen Arbeitgeber sei dies "ein Indiz für besonderes Engagement", sagt Jan Niewodniczanski. Umgekehrt haben drei Auszubildende der Braugruppe 1993 sogar einen Bundessieg errungen.
Für Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ist Jugend forscht "ein äußerst wirksames Instrument zur Talentförderung". Der Wettbewerb sei für viele wissenschaftliche Karrieren Ausgangspunkt gewesen. Landesbildungsministerin Vera Reiß (SPD) hält Jugend forscht "für eine lupenreine Erfolgsgeschichte, auch und gerade in Rheinland-Pfalz".
Das zeigten nicht nur die seit Jahren hohen Anmeldezahlen. "Ich fände es prima, wenn die geweckte Faszination bei möglichst vielen Teilnehmern in ein Studium oder in eine Ausbildung im mathematisch-naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich mündet, denn hier brauchen wir dringend mehr qualifizierten akademischen Nachwuchs", sagt Reiß.
Dass Anreize für Nachwuchswissenschaftler nottun, unterstreicht Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Deutschland biete ihnen noch keine optimalen Bedingungen, sagte Wanka diese Woche in Mainz beim Kongress des Deutschen Hochschulverbandes. Als Problem nannte sie befristete Stellen an den Universitäten.Extra

 Sarah Schmitt vom Eifel-Gymnasium in Neuerburg.
Sarah Schmitt vom Eifel-Gymnasium in Neuerburg. Foto: klaus kimmling (g_wirt )
 Daniela Lengwin vom Humboldt-Gymnasium in Trier.
Daniela Lengwin vom Humboldt-Gymnasium in Trier. Foto: (g_wirt )
 Paul Mattes vom Max-Planck-Gymnasium in Trier.
Paul Mattes vom Max-Planck-Gymnasium in Trier. Foto: (g_wirt )
 Landeswettbewerb Jugend Forscht Christoph Schuste, Lukas Schmitt und Leon Trampert. TV-Foto: Klaus Kimmling
Landeswettbewerb Jugend Forscht Christoph Schuste, Lukas Schmitt und Leon Trampert. TV-Foto: Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling (g_wirt )
 Auch Elias Lenz vom Gymnasium Traben-Trarbach hat am Landeswettbewerb Jugend forscht teilgenommen.
Auch Elias Lenz vom Gymnasium Traben-Trarbach hat am Landeswettbewerb Jugend forscht teilgenommen. Foto: (g_wirt )

Die besten Jungforscher des Landes Rheinland-Pfalz wurden gestern in der Bitburger Stadthalle unter anderem von Ministerpräsidentin Malu Dreyer geehrt. Als Überraschungsgast führte Moderator Günther Jauch durch die Feierstunde. Ausrichter des diesjährigen Jugend-forscht-Landeswettbewerbs war die Bitburger Brauerei, seit 1972 Patenunternehmen von Jugend forscht. An drei Tagen hatten die insgesamt 65 Jugendlichen ihre 46 Projekte sowohl der Jury als auch der Öffentlichkeit präsentiert. Aus der Region Trier gibt es gleich drei Landessieger. Sie dürfen im Mai zum Bundeswettbewerb nach Ludwigshafen fahren: In Physik erhielt Winfried Karpen vom Eifel-Gymnasium in Neuerburg die Auszeichnung für den Bau eines Windkanals und experimentelle Untersuchungen. Die weiteren Landessieger kommen aus dem Fachbereich Technik. Moritz Leg und Patrick Schuster vom Gymnasium Saarburg haben sich mit einer möglichen Alternative zur Biotonne beschäftigt und dabei eine dezentralisierte mobile Biogasanlage untersucht. red