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Gutachten: Ring-Region entwickelt sich positiv

Gutachten: Ring-Region entwickelt sich positiv

Die rot-grüne Landesregierung stellt sich kurz vor der Wahl im März 2016 ein positives Zeugnis in Sachen Nürburgring aus. Eine Untersuchung der strukturpolitischen Entwicklung dreier Landkreise rund um Deutschlands berühmteste Rennstrecke hat einen positiven Trend dokumentiert.

Mainz/Daun. Die Gästezahlen steigen, die wirtschaftliche Entwicklung ist stabil, der Rennkalender an der Rennstrecke ist voll, und auch bei den Touristenfahrten hat es keine Abstriche gegeben. Formaler Anlass für die 16-seitige Bestandsaufnahme ist das Nürburgring-Schutzgesetz, in Langfassung: Landesgesetz zur Erhaltung der Zweckbestimmung des Nürburgrings. Es wurde im Sommer 2013 mit rot-grüner Mehrheit im Landtag verabschiedet und sollte dafür sorgen, dass ein reicher Investor die Rennstrecke nicht zu seinem Privatvergnügen machen kann. Nun gab es zwar mit dem russischen Pharmamagnaten Viktor Kharitonin einen Multimillionär als Käufer, sogar einen Oligarchen. Aber dieser ist weit davon entfernt, den Eifelkurs zu Privatzwecken abzuschließen. Der Rennkalender ist - abgesehen von der Formel 1 - voll wie eh und je.
Die Touristenfahrten brummen. Preisexplosionen, so die Expertise, blieben aus, obwohl das neue Eigentümer-Konsortium natürlich Geld verdienen will. Das Ring-Gesetz spielte bei dieser Entwicklung nicht einmal eine Nebenrolle. Seine Kritiker sind - anders als die Regierung - ohnehin der Meinung, dass es löchrig wie ein Schweizer Käse ist.
Glaubt man dem Gutachten, das viele Statistiken ausweist, geht es der Region rund um den Ring gut.
Die Kreise Ahrweiler, Mayen-Koblenz und Vulkaneifel haben sich von 2012 bis 2014, für diese Phase existiert eine Zahlenbasis, stabil entwickelt. 2014 gab es beispielsweise in den drei Kreisen zusammen 115 475 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das ist gegenüber dem Jahr 2012 eine Zunahme von 9,5 Prozent, also von 10 022 Beschäftigten.
Ähnlich günstig sieht es bei der Zahl der Arbeitslosen aus. In den betroffenen Kreisen lag die Quote 2014 bei 4,0 beziehungsweise 4,4 Prozent. Das ist deutlich unter dem Landesschnitt von 5,1 Prozent.
Im Zeitraum von Dezember 2012 bis Dezember 2014 sank die Zahl der Arbeitslosen um 417. In den drei Kreisen waren 9062 Menschen gemeldet, die keinen Job hatten.
Auch im Bereich Tourismus meldet die Landesexpertise - bezogen auf die drei Kreise rund um den Ring - Vorzeigbares: Die Übernachtungszahlen gingen nach oben. 2014 wurden 3,6 Millionen registriert. Im Zeitraum von 2012 bis 2014 wurde ein Plus von 3,2 Prozent erzielt. Das sind 115 000 zusätzliche Übernachtungen. Besonders gravierend war die Zunahme in der Verbandsgemeinde Vordereifel und der Stadt Adenau.
2014 wurden 1,25 Millionen neu angekommene Gäste gezählt. Zwischen 2012 und 2014 kamen 75 000 Gäste hinzu (ein Plus von 6,4 Prozent). Die Topquoten erreichen wiederum die Stadt Adenau und die Ortsgemeinde Kelberg. Betrachtet man nur die Touristen aus dem Ausland, wird ein ähnlich positiver Trend sichtbar. Immerhin taucht hier auch die Ortsgemeinde Nürburg als Positivbeispiel auf. Laut Gutachten verzeichnete sie zwischen 2012 und 2014 bei den Auslandstouristen einen Zuwachs um 12,1 Prozent. Lediglich die Zahl der Gästebetten ging in den drei Kreisen leicht zurück. In der Ortsgemeinde Nürburgring indes wurde ein Anstieg vermeldet.
Fazit der Gutachter: Der Nürburgring gehört zu den 100 Top-reisezielen in Deutschland. Er steht auf Rang sieben der rheinland-pfälzischen Ziele. Und er ist die Nummer eins bei allen deutschen Automobil-Destinationen.
Die Subbotschaft: All diejenigen, die die Ring-Region am Ende sahen, werden eines Besseren belehrt. Der Nürburgring lebt, und die Kreise um ihn herum sind offenbar quicklebendig.
Derweil bleibt weiter ungewiss, ob der Verkauf des Nürburgrings an den Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn und in der Folge an die russisch geführte NR Holding vor der EU-Gerichtsbarkeit Bestand haben wird. Dagegen klagen bekanntlich der ehrenamtliche Verein "Ja zum Nürburgring" und das amerikanische Technikunternehmen Nexovation. Die EU-Kommission will laut Wirtschaftswoche mehr Zeit für die Klagebeantwortung, da sie nun auch den Weiterverkauf an einen russischen Investor untersuchen möchte.