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Hahn wird 122 Millionen Euro Schulden los

Hahn wird 122 Millionen Euro Schulden los

Weniger Schulden, weniger Mitarbeiter, weniger Jahresverlust: Das Land stellt entscheidende Weichen für die Zukunft des Flughafens Hahn. Innenminister Roger Lewentz ist optimistisch, dass bis 2024 die von der EU-Kommission verlangte schwarze Null steht.

Mainz. Wer Schulden hat, muss diese tilgen und Zinsen zahlen - eine Belastung für das monatliche Budget. Der Flughafen Hahn ist bald auf einen Schlag 121,9 Millionen Euro Schulden los. Da dann Zins und Tilgung entfallen, verringert sich sein Jahresminus um vier bis fünf Millionen Euro.
Das Land wandelt die Schulden des Flughafens mit Geld aus dem Nachtragshaushalt 2013 in Eigenkapital um. Die EU-Kommission hatte kürzlich die Umwandlung genehmigt. Nach dieser Aktion hat der Flughafen nur noch 11,9 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Diese werden 2015/16 aus den Mitteln der Hahn-Gesellschaft beglichen oder ebenfalls in Eigenkapital umgewandelt.
Außerdem werden 1,2 Millionen Quadratmeter Grundstücksflächen und Gebäude im Besitz des Hahn, die nicht zum Fliegen benötigt werden, laut Beschluss der Landesregierung an den Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) übertragen. Der Kaufpreis, den ein Gutachterausschuss ermittelt hat, beträgt 18,1 Millionen Euro. Einhergehend damit sollen 30 Mitarbeiter vom Hahn zum LBB wechseln, wo sie - öffentlicher Dienst - schlechter bezahlt werden. Der LBB vermarktet die Liegenschaften, was ohnehin seine Kernaufgabe ist. Ferner ist eine Sonderabschreibung in Höhe von 20 bis 30 Millionen Euro vorgesehen.
Der Hahn ist einer von vielen Regionalflughäfen in Europa, die laut Beschluss der EU-Kommission um ihr Überleben kämpfen müssen. Denn ab 2024 dürfen keine Steuermittel mehr fließen. Sprich, dann muss der Flughafen schwarze Zahlen schreiben.
Bislang besteht ein strukturelles Defizit im Jahr von rund 20 Millionen Euro. Es verringert sich dieses Jahr durch das Sparkonzept des im Mai ausgeschiedenen Ex-Geschäftsführers Heinz Rethage um 3,8 Millionen Euro. Weitere vier bis fünf Millionen Euro Minus weniger fallen durch die beschriebene Entschuldung an. Bis 2016 sollen ferner insgesamt 100 von 360 Stellen bei der Flughafen-Gesellschaft abgebaut werden. Weitere Sparmaßnahmen wie die Neuausschreibung der Passagierabfertigung sind in Vorbereitung.
Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) resümiert zufrieden, dass 40 Prozent des notwendigen Sparvolumens binnen eines Jahres realisiert würden. Für die restlichen 60 Prozent habe man dann noch neun Jahre Zeit. Und wie soll das übrig bleibende Jahresminus von fünf Millionen Euro verschwinden? Das müsse sich der gutbezahlte Geschäftsführer überlegen, sagt Barbaro.
Unabhängig davon will Innenminister Roger Lewentz (SPD) die Suche nach Privatinvestoren vorantreiben. 2012/13 gab es eine Markterkundung durch die Wirtschaftsprüfer der KPMG. Das Interesse war mäßig, weil damals noch zwei EU-Beihilfeverfahren anhängig waren und Brüssel seine neuen Flughafenleitlinien noch nicht verabschiedet hatte.
Das ist mittlerweile geschehen, so dass Lewentz zuversichtlich die europapaweite Ausschreibung des Flughafens und den Verkauf der Anteile des Landes für das zweite Quartal 2015 anpeilt. Derzeit hält Rheinland-Pfalz 82,5 Prozent am Hahn, die restlichen 17,5 Prozent hält Hessen. Auch der Nachbar will seine Anteile verkaufen.
Der von der CDU-Opposition oft der Erfolglosigkeit bezichtigte Minister wähnt den Flughafen auf einem guten Weg. "Der Monat Dezember ist ein guter Monat für den Hahn", sagt Lewentz.