Handwerk entdeckt das duale Studium

Handwerk entdeckt das duale Studium

Einen Beruf erlernen und gleichzeitig ein Studium absolvieren - kein Problem beim dualen Studium. Seit mehr als zehn Jahren gibt es diese Möglichkeit, die zunehmend genutzt wird. Den Anfang haben Großbetriebe gemacht, doch das Handwerk hat ebenfalls rasch die Möglichkeiten erkannt, die sich hier bieten.

Trier/Konz. Wenn Geschäftsführer Günther Behr von der Handwerkskammer (HwK) Trier über das Thema "Duales Studium" spricht, ist er in seiner Begeisterung kaum zu stoppen. Als einer der Ersten entdeckte er die Chancen, die in der verkürzten Berufsausbildung plus Studium stecken. "Diese Kombination macht die Ausbildung in Handwerksbetrieben noch attraktiver, was uns neuen Nachwuchs erschließt. Das ist das ideale Angebot für junge Leute, die als Ingenieur arbeiten und sich auf die spätere Leitung eines Betriebes vorbereiten wollen", sagt er und weist darauf hin, dass viele der Teilnehmer Kinder von Firmeninhabern sind. Doch auch für Nicht-Unternehmerkinder sei dieser Studiengang reizvoll, hätten sie doch nach Abschluss des Studiums bei den Firmen als Praktiker mit akademischem Hintergrund beste Karten.
Schwieriger Start


Dabei war der Anfang im Handwerk schwieriger als in der Industrie. "Dass beispielsweise RWE schon 2003 das duale Studium als Chance für den eigenen Führungsnachwuchs entdeckt und daraufhin eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Trier im Elektrobereich begründet hat, wundert nicht. Solche Großunternehmen können für die gesamte Dauer - also für Studium und Berufsausbildung - eine Ausbildungsvergütung zahlen. Kleine Handwerksbetriebe können das so nicht leisten", sagt Behr. Also mussten für die einzelnen Innungsbereiche individuelle Lösungen gefunden werden.
Als erste Gruppe im Trierer Kammerbezirk bot die "Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik" (SHK) 2004 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Trier und der Berufsbildenden Schule für Gewerbe und Technik den dualen Studiengang "Technische Gebäudeausrüstung und Versorgungstechnik" an. Mit Erfolg. Vier Jahre später wurde das Studienmodell der Versorgungstechnik auch auf das Elektro-Handwerk übertragen, 2013 folgte das Bauingenieurwesen. In den vergangenen elf Jahren bildeten 70 Mitgliedsbetriebe der HWK Trier 111 Teilnehmer aus.
"Innerhalb von fünf Jahren werden in dieser Ausbildung erst der Gesellenbrief und dann der Bachelor of Engineering" erworben", so Behr. Voraussetzung für die Bewerber ist die Hochschul- oder Fachhochschulreife. Letztere kann auch mit einem Meisterbrief nachgewiesen werden.
Stephen Billing hatte bereits einen Meisterbrief, als er bei der SHK-Firma Wolfgang Fisch in Konz mit dem dualen Studium einen neuen Ausbildungsgang startete. Später schrieb er am Fraunhofer-Institut seine Masterarbeit. Reichte der erworbene Bachelor-Abschluss nicht aus? Das sei eine Frage, die immer individuell betrachtet werden müsse und davon abhängig sei, wo man später arbeiten wolle, sagt er. "In einem kleinen oder mittelständischen Betrieb ist der Master nicht zwingend notwendig, da dort mehr die Berufserfahrung zählt als der Abschluss. Geht man in einen Konzern, zählt schon wieder beides, und wenn man die Karriereleiter hoch hinauf möchte, erleichtert der Master dies. Für den öffentlichen Dienst macht der Unterschied Bachelor/ Master vom Einstiegsgehalt drei Lohnstufen aus, ist jedoch auch nicht zwingend notwendig. Ich würde den Master wieder machen, da ich hierdurch alle Möglichkeiten habe."
Die Erfahrungen der Hochschule Trier mit dem dualen Studium sind positiv. "Studierende in dualen Studiengängen sind sehr leistungsstark und zielstrebig; es gibt praktisch keine Studienabbrecher", sagt Andreas Künkler, Vizepräsident der Hochschule Trier.
Gewinn für alle


Er sieht in den dualen Studiengängen einen Gewinn für die Studierenden und die Ausbildungsbetriebe: "Sehr gute Auszubildende verlassen nach dem Abschluss der Ausbildung recht häufig die Ausbildungsbetriebe, um ein Studium aufzunehmen. Die Ausbildungsbetriebe, die ihren Auszubildenden zusätzlich zur Berufsausbildung auch die Möglichkeit eines dualen Studium bieten, können auf diese Weise gerade sehr gute Auszubildende langfristig an sich binden." Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Luxemburg. Am Standort Birkenfeld der Hochschule Trier befinden sich zwei weibliche Studierende und zwei Auszubildende, für die im Rahmen des dualen Studiums eine grenzüberschreitende Vereinbarung mit dem Luxemburger Unternehmen SISTO Armaturen S. A. Echternach, dem Ministère de l\'Éducation Nationale et de la Formation Professionnelle sowie der Luxembourg School for Commerce getroffen wurde.
Andreas Künkler ist zufrieden: "Die Hochschule plant, zusammen mit den Kammern und regionalen Firmen weitere duale Studiengänge zu entwickeln. Damit reagieren wir auf die steigende Nachfrage nach Studienplätzen in dualen Studiengängen."
Extra

Das duale Studium erfreut sich eines starken Interesses. Mittlerweile gibt es zahllose Studienangebote in den unterschiedlichsten Fachrichtungen. Weitergehende Informationen zu dem Thema sind bei der Handwerkskammer Trier (Günther Behr; gbehr@hwk-trier.de ) oder der Hochschule Trier ( <%LINK auto="true" href="http://www.fh-trier.de" class="more" text="www.fh-trier.de"%> ) erhältlich. flo

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