Handwerk: Viele offene Rechnungen

Trier · Die Wirtschaft in Deutschland boomt, doch trotz des Aufschwungs hat sich das Zahlungsverhalten der Kunden im Handwerk noch nicht gebessert. Immer noch zahlen Kommunen und Gewerbe ihre Rechnungen stark verspätet, private Auftraggeber sind nur wenig besser.

Die Handwerkskammer Trier (HWK) läutet die Alarmglocken. Die rund 7000 regionalen Handwerksbetriebe müssen ihrer Ansicht nach zu lange auf ihr Geld warten oder bleiben sogar ganz auf unbezahlten Rechnungen sitzen. Rund 22 Millionen Euro Verlust hätten die Betriebe im vergangenen Jahr nur allein durch Rechnungsausfälle zu verkraften gehabt.

Vermeintliche Mängel als Ausrede der Kunden

Mit Zinsverlusten beträgt laut HWK damit der Schaden für die Betriebe mindestens 35 Millionen Euro im Jahr 2010. Für HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach ist dieser Zustand nicht haltbar: "Häufig gehen die Zahlungen verspätet ein. Während der Handwerksmeister auf die Bezahlung der Rechnung wartet, muss er selbst aufgrund der ständig abnehmenden Eigenkapitalausstattung teure Kontokorrentkredite in Anspruch nehmen."

Oft würden die Rechnungen gekürzt, im schlimmsten Fall gar nicht bezahlt. Meistens rede sich der Kunde mit vermeintlichen Mängeln heraus. Zudem seien gewerbliche und private Kunden häufiger überschuldet und könnten ihre Rechnungen nicht bezahlen.

Diese Tendenz bestätigt auch die Trierer Wirtschaftsauskunftei Creditreform. "Das Zahlungsverhalten der Kunden ist nach wie vor verbesserungsfähig", sagt der Pressesprecher von Creditreform, Guido Joswig. Mit schlechten Noten bewerten 7,3 Prozent der Betriebe die Zahlungsweise ihrer Auftraggeber. 2009 waren es bundesweit mit sechs Prozent noch deutlich weniger.

Doch der Experte nimmt auch die Betriebe in die Pflicht (Tipps, siehe Extra). "Die Unternehmen müssen ihr Rechnungswesen optimieren. Bei einigen Firmen liegt dort auch einiges im Argen", sagt Guido Joswig.

Bei der bundesweiten Untersuchung haben die Experten allerdings auch einen deutlichen Unterschied zwischen den Kundengruppen festgestellt. "Während rund 83 Prozent der privaten Kunden ihre Rechnung pünktlich innerhalb von 30 Tagen begleichen, sind es im öffentlichen Bereich lediglich 70 Prozent", sagt der Experte von der Creditreform. Und jede vierte Kommune zahle seine Handwerkerschulden gar erst nach 90 Tagen.

EXTRA Expertentipps gegen schlechte Zahlungsmoral: Rechnungen müssen nach Fertigstellung schnell an den Kunden geschickt werden. Firmen sollten Kunden ansprechen, ob sie mit der Ausführung der Arbeit zufrieden sind. Angesprochene Mängel sollten dann schnell behoben werden. Wird eine Rechnung nicht innerhalb der Frist bezahlt, sollte zunächst ein Erinnerungsschreiben herausgehen, danach auch eine Mahnung. Firmen müssen ihr Forderungsmanagement optimieren. Dazu gehört die regelmäßige Überwachung der Zahlungseingänge. (hw)