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Handwerker verzweifelt gesucht

Wirtschaft : Handwerker verzweifelt gesucht

Wegen voller Auftragsbücher und fehlenden Personals können viele Firmen Arbeiten nicht rechtzeitig erledigen. Betroffen davon sind Privatleute genauso wie Städte und Gemeinden.

Wer einen Handwerker sucht, braucht derzeit in vielen Fällen Geduld. Weil die Auftragsbücher gut gefüllt sind, aber gleichzeitig Personal fehlt, können viele Betriebe Aufträge erst nach einigen Wochen annehmen. „Im Durchschnitt müssen die Kunden etwa neun Wochen warten, bis ein Auftrag ausgeführt wird“, sagt Matthias Schwalbach von der Trierer Handwerkskammer (HWK). Notfälle würden meistens direkt bearbeitet. „So muss zum Beispiel niemand zu Hause wegen einer kaputten Heizung im Kalten sitzen“, sagt Schwalbach.

Diese Erfahrung haben auch TV-Leser gemacht, die über das soziale Netzwerk Facebook aufgerufen haben, ihre Erfahrungen mit Handwerkern zu schildern. Die Wartezeiten seien unterschiedlich, abhängig von der Firma, „von 30 Minuten bis zu vier Monaten“, berichtet ein Leser. Es sind aber nicht nur die Privatleute, die zum Teil Monate auf einen Handwerker warten müssen.

Auch öffentliche Aufträge können oft nicht mehr zeitnah erledigt werden, wie eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung bei Verbandsgemeinden und Kreisen ergab. Probleme gebe es vor allem bei kurzfristigen Reparaturfällen etwa bei Heizungen, heißt es aus der Verbandsgemeinde-Verwaltung Wittlich-Land. Viele Handwerksbetriebe, zum Beispiel Dachdecker, hätten volle Auftragsbücher und seien nicht unbedingt an solchen Aufträgen interessiert. Die Wartezeiten betrügen oft mehrere Monate.

Ähnliche Erfahrungen gibt es auch bei der Verbandsgemeinde Hermeskeil. Bei öffentlichen Ausschreibungen gebe es immer weniger Angebote. Und die Firmen, die Angebote abgeben würden, wiesen darauf hin, dass sie die Arbeiten nicht im vorgegebenen Zeitraum erledigen könnten, sagt Harald Haubricht vom Bauamt der Verbandsgemeinde. Eine weitere Folge der zurzeit guten Konjunktur im Bauwesen seien zudem stetig steigende Preise. Laut Schwalbach ist vor allem der Fachkräftemangel schuld an den langen Wartezeiten. „Die Unternehmen würden gerne viel mehr Lehrlinge, Gesellen und Meister einstellen. Aber der Arbeitsmarkt ist leer gefegt.“ Mit ein Grund dafür ist nach Ansicht von Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region, die Nähe zu Luxemburg. Viele gut ausgebildete Handwerker würden täglich über die Grenze fahren, um dort zu arbeiten.

Ein weiterer Grund sei der Trend zur Akademisierung, dass also immer mehr Kinder aufs Gymnasium gingen, um danach zu studieren, statt eine Ausbildung zu machen. Man müsse die Attraktivität des Handwerks stärker herausstellen, fordert Schwalbach. Die Botschaft müsse sein: „In einem Alter, in dem andere erst aus der Uni kommen, verdienen viele selbstständige Handwerksmeister schon gutes Geld.“ Kleis schätzt, dass derzeit im Handwerk in der Region etwa 1500 Stellen unbesetzt sind. Laut HWK gibt es noch über 800 freie Lehrstellen bei Handwerksbetrieben in der Region.

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