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Handwerkskammer schlägt Alarm

Handwerkskammer schlägt Alarm

Die Einführung des Rating, ein standardisiertes Bewertungssystem der Banken zur Beurteilung der Bonität des Unternehmens, hat offenkundig dramatische Auswirkungen für Kleinunternehmer. 57 Prozent aller Kleinbetriebe haben Probleme, überhaupt einen Kredit zu erhalten. 1000 Betriebe haben nach Schätzungen der HWK Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Die Handwerkskammer fordert Politik, Handwerker und Banken zu einem offensiveren Umgang mit dem Rating auf.

Trier. (gsb) "Handwerker müssen sich mehr um das Rating und die Finanzierung ihrer Betriebe kümmern, sonst riskieren sie eine finanzielle Schieflage. Banken müssen offensiver mit dem Rating umgehen. Und die Politik ist gefordert, wenigstens befristete Übergangslösungen zu bieten": Die Forderungen, die der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Trier in wenigen Worten nach einer Pressekonferenz zusammenfasste, bündeln ein komplexes Thema, das insbesondere für Kleinbetriebe existenzielle Folgen haben kann.

Am 1. Januar 2007 wurde in Deutschland das Rating eingeführt, eine Maßnahme der Banken zur Prüfung der Kreditwürdigkeit von Betrieben. Das aus Amerika stammende, auf mathematischen Berechnungsmodellen basierende Verfahren ersetzt die bislang üblichen persönlichen Gespräche zwischen Unternehmer und Sachbearbeiter, die früher für eine positive Kreditentscheidung oft ausreichten.

Auf schlechtes Rating folgen ungünstige Konditionen



Das Problem: Die Antworten, die Handwerker auf den komplexen Ratingkatalog bei ihrer Bank geben müssen, genügen oft nicht für eine Kreditvergabe. Dr. Josef Adams, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, wendet ein: "Das sind keine Büromenschen!" Unternehmen mit gutem Rating erhalten deutlich günstigere Kreditkonditionen als Betriebe mit schlechtem Rating. Und zwar, weil die Eigenkapitalquote ein zentrales Bewertungskriterium ist.

In Trier ist das Handwerk kleinbetrieblich strukturiert. "63 Prozent aller Betriebe verfügen über weniger als 30 Prozent Eigenkapital", sagt Adams. 88 Prozent der Kleinbetriebe seien fremdfinanziert. Somit konzentrierten sich die Banken auf umsatzstärkere und vermeintlich rentablere Unternehmen. Daher würde ein Investitionsvolumen von 40 Millionen Euro geblockt. Allerdings: Nur jeder vierte Kleinunternehmer kennt seine Ratingnote, und nur 43 Prozent der Kleinbetriebe wissen, dass sie geratet werden. Zudem kommen bestimmte "K.O.-Kriterien", wie die HWK-Beratungspraxis zeigt: dauerhafte Überziehungen der Betriebs-Budgets, zu spät eingereichte Jahresabschlüsse oder Investitionen, die über die zu teure Kontokorrent-Finanzierung laufen.

Fast 70 Prozent der analysierten Betriebe hatten fehlerhafte Finanzierungen. Die HWK fordert Handwerker auf, sich besser auf das Rating vorzubereiten und Weiterbildungs- sowie Beratungsangebote der Banken und Kammern zu nutzen.

Auch HWK will Firmen Bonität attestieren



Zudem sollten Eigenkapitalbildungspläne erstellt und verstärkt öffentliche Förderprogramme genutzt werden. Geplant ist das Kooperationsabkommen "Schneller Kredit" der HWK mit Sparkassen und Volksbanken, wobei die HWK die Kreditwürdigkeit der Betriebe bereits prüft. Damit soll erreicht werden, dass die Bank einen Kredit garantiert, wenn die HWK nach Beratung dem Betrieb Bonität attestiert.

Weitere Informationen gibt es unter www.hwk-trier.de. Ansprechpartner ist Herbert Tschepe, Telefon 0651/207131, E-Mail: htschepe@hwk-trier.de.