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Hart für den eigenen Traum gearbeitet

Hart für den eigenen Traum gearbeitet

950 Mitarbeiter, eine Bilanzsumme von vier Milliarden Euro: Das Haus, das Triers Sparkassenchef Remigius Kühnen über viele Jahre gelenkt hat, ist eines der wichtigsten Unternehmen in der gesamten Region. Nach 50 Jahren bei der Sparkasse geht der Chef nun in den Ruhestand.

Trier. Vor ziemlich genau 50 Jahren stand ein 16-jähriger junger Mann aus Trier vor der Entscheidung seines Lebens. Sein Vater hatte für ihn eine Lehrstelle gefunden. Bei einem Staatsunternehmen. Mitte der 60er Jahre war das in Deutschland so etwas wie das großes Los. Doch der Junge hatte einen anderen Traum. Er wollte zu einem Geldinstitut.
Und so stand Remigius Kühnen vor der schweren Entscheidung. Seine Mutter unterstützte ihren Sohn: Post oder Bank? Die Antwort: Es wurde die Sparkasse Trier, für 50 Jahre. Der junge Mann ging mit ungebremstem Ehrgeiz ans Werk, die Ausbildung mit Bravour bestanden, der Beste unter allen. Danach ging es für ihn in die Revisionsabteilung. Bereits 1972, gerade 23 Jahre alt, schloss er die Qualifikation zum Sparkassenwirt an.
"Ich habe damals mit meinem Freund Bernd Gilga, der mit mir den siebenmonatigen Lehrgang besucht hat, gewettet, wenn wir die Prüfung mit der Note zwei abschließen, wandern wir von Trier nach Mainz", erinnert sich der heutige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Trier. Kühnen und sein Freund bestanden als Prüfungsbeste.
Von Trier nach Mainz



"Wenn ich nun im Ruhestand bin, wird die Wette endlich eingelöst", erzählt Kühnen. Mit Bernd Gilga wird er dieses Jahr zur Mainzwanderung antreten, in mehren Tagesetappen. Zudem bekommt das Duo Verstärkung von Kühnens Vorgänger Dieter Mühlenhoff, den er 2007 ablöste. Kühnens Karriere lässt sich leicht von seinem Lebensmotto ableiten: "Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte." (Curt Goetz)
Remigius Kühnen hat viel dafür getan, dass die Dinge sich in seinem Sinne entwickelt haben. Ein Selbstläufer war das nie. "Ein Zehn-, Zwölf-Stunden-Tag bedeutet für mich keinen Stress." Parallel zum Lehrgang in Mainz begann er nebenberuflich mit einem dreieinhalbjährigen betriebswirtschaftlichen Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Trier. Und bei der Sparkasse betreute er ab 1973 in einer sehr schwierigen Zeit, während der ersten Ölkrise, mehrere große Firmenkunden.
Seine Familie brachte ihm den notwendigen Rückhalt. Mit 26 Jahren, gerade drei Tag verheiratet und 14 Tage nach seinem Examen als Diplom-Betriebswirt (VWA), verabschiedete sich Kühnen nach Bonn, um sein Studium an der Deutschen Sparkassenakademie fortzusetzen. Als jüngster unter seinen Kollegen machte Kühnen erneut auf sich aufmerksam, seinen Diplom-Sparkassenbetriebswirt bestand er mit Prädikat und wurde mit einem Stipendium ausgezeichnet. Auf den jungen, erfolgreichen Mann wurde damit auch die Sparkassenorganisation aufmerksam. Er durfte 1977/78 für ein halbes Jahr in die Bankenmetropole London. "Es war eine ganz andere Welt und sehr faszinierend", erinnert sich der Trie-rer. "Es folgten weitere Angebote. Ich sollte zunächst nach Zürich, dann wieder London und New York." Welch eine Verlockung für einen jungen Mann.
"Ich habe mir das sehr lange und gründlich überlegt. Und ich habe meine Entscheidung niemals bereut", sagt Remigius Kühnen im Rückblick, der der Region die Treue hielt. "Ich bin ein waschechter Trierer, ich liebe diese Region."
Die Familie ist sein wichtigster Mittelpunkt, der Anker die Stadt Trier und die Region. Aber Remigius Kühnen wurde es auch bei der Sparkasse Trier keinesfalls langweilig. Bereits 1977 rückte er in die Schaltzentrale der Sparkasse vor. "Ich wurde Vorstandsassistent bei dem Sparkassenvorsitzenden Josef Marquenie." Nach zwei Jahren aber drängte es den jungen Mann nach neuen Aufgaben. Ein Angebot lockte ihn gerade aus Trier weg, als sein Chef ihm überraschend eine neue Stelle anbot. "Marquenie bot mir die Position als Abteilungsdirektor der Hauptabeilung ,Innenbetrieb\' mit etwa 200 Mitarbeitern an." Mit 30 Jahren Abteilungsdirektor, eine großartige Chance für ihn, die er nicht ablehnen konnte.
Das Team ist wichtig



Für Remigius Kühnen ein ganz wichtiger Schritt, denn damit hatte er Personalverantwortung. Die Entwicklung der Mitarbeiter, die Personalführung, das Teamgefühl sind bis heute für den Sparkassenchef wichtigste Aufgaben. "Diese Verantwortung habe ich nie abgegeben. Ich halte sie für sehr zentral", sagt Kühnen.
Vor allem ist ihm dabei die Balance zwischen Anforderungen und Wohlfühlfaktor wichtig. Seit 35 Jahren begleitet, verfolgt und fördert Remigius Kühnen die heute rund 1000 Mitarbeiter.
Seit 1991 im Vorstand



Als er 1991 in den Vorstand der damaligen Stadtsparkasse berufen wurde, führte er ein vollkommen neues Personalentwicklungskonzept bei der Sparkasse ein. "Ein solches Instrument gab es zu dieser Zeit kaum, weder in der Sparkassenorganisation noch in anderen Unternehmen." Mit dem speziellen Auswahlverfahren wurden und werden die Potenziale der Mitarbeiter analysiert und individuelle Aus- und Weiterbildungsangebote entwickelt. Sehr konsequent führt die Sparkasse Feedback-Gespräche zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. "Unsere Mitarbeiter sollen sich weiterentwickeln, dafür bieten wir viele Chancen", sagt Kühnen. Schließlich sei die Branche in den vergangenen Jahren vor viele neue Herausforderungen gestellt worden: Risikomanagement, Steuerungsmaßnahmen, Kreditrichtlinien, und und, und.
Natürlich muss sich ein Sparkassenvorstand auch an den Zahlen messen lassen. Seit Remigius Kühnen den Vorsitz übernommen hat, hat sich die Sparkasse gut entwickelt (siehe Extra).
Soziales Engagement



Mit einer Bilanzsumme von über vier Milliarden Euro ist die Sparkasse Trier eine der Größten in Rheinland-Pfalz. An dem Erfolg haben auch jene Anteil, die nicht immer im Mittelpunkt stehen. Die Sparkasse Trier mit ihren Stiftungen "Jugend und Sport", "Kultur" und "Partner für Schulen" hat im vergangenen Jahr Projekte mit 3,9 Millionen Euro unterstützt. Ein soziales Engagement, das Kühnen seit Jahrzehnten am Herzen liegt und, wenn auch etwa bei der Gründung der Stiftung "Partner für Schulen" so manche Hürde zu überspringen war, doch die Verbundenheit des Instituts mit der Region spiegelt.
Remigius Kühnen musste aber auch Niederlagen verkraften. Dazu gehört sicher die gescheiterte Fusion mit der Kreissparkasse Bitburg-Prüm. Was ihn auch ein wenig wurmt ist der Bau der Sparkasse am Viehmarkt. "Ich hätte dort lieber die Umsetzung des ersten Plans gesehen, der einen zweiten kleineren Platz mit stationären Ständen für den Wochenmarkt vorsah", resümiert Kühnen etwas melancholisch. Doch sei dieser damals nicht umzusetzen gewesen.
Nun geht sein Blick nach vorne. Die Wanderung nach Mainz ist allenfalls eine kleine Episode in seinem neuen Leben. Einige seiner ehrenamtlichen Ämter wird er abgeben. Doch den Vorsitz im Förderkreis Rheinisches Landesmuseum wird Kühnen mit Enthusiasmus weiterführen. "Trier hat hier einen so großen wertvollen Schatz, ich weiß gar nicht, ob das die Trierer so wissen." Als Weinfreund ist der Wanderer Kühnen in Mosel und Eifel schon auf viele Touren eingestellt. Doch im Mittelpunkt steht die Familie. "Ich bin ein begeisterter Handwerker und will das in Zukunft ausleben." Im eigenen Haus gibt es immer etwas zu tun. Die nächste Aufgabe ist für ihn aber eine besondere Herausforderung und Freude: "Als nächstes baue ich meinem zehn Monate alten Enkel eine Schaukel. Darauf freue ich mich jetzt schon!"Extra

Am 1. Januar 2007 hat Remigius Kühnen die Verantwortung als Vorstandsvorsitzender bei der Sparkasse Trier übernommen. Von da an bis zum 31. Dezember 2014 hat sich das Kreditvolumen von 2,2 Milliarden Euro auf 3,4 Milliarden Euro erhöht, die Kundeneinlagen sind von 2,4 Milliarden Euro auf 2,9 Milliarden Euro gestiegen, die Bilanzsumme von 3,3 auf 4,1 Milliarden Euro und das wirtschaftliches Eigenkapital von 255 Millionen auf 422 Millionen Euro. hw