Heilung, aber Schaden bleibt

Heilung, aber Schaden bleibt

LUXEMBURG. Rein rechnerisch kann die Luxair mit den Zahlen des vergangenen Jahres zufrieden sein. Wäre da nicht der tragische Absturz einer Maschine Anfang November gewesen, die größte Katastrophe in der Geschichte der luxemburgischen Fluggesellschaft.

Zahlen sollen ja Bände sprechen. Doch im Fall der Luxair ist das nicht ganz so. Zwar hat die Fluggesellschaft das Geschäftsjahr 2002 mit einem Rekordgewinn von 29,6 Millionen Euro abgeschlossen. Und das war im Vergleich zum Jahr 2001 eine Steigerung um 46 Prozent. Die Ursachen dafür lagen im größeren Frachtvolumen, das im Fracht-Zentrum abgewickelt wurde, im Einstieg des neuen Aktionärs Panalpina und im guten Abschneiden des Reise-Anbieters Luxair Tours. Doch im Herzen blutet die Airline auch ein halbes Jahr nach dem Absturz einer ihrer Fokker 50-Maschinen noch, bei der 20 Menschen das Leben verloren haben. "Wir haben den Unfall heute noch nicht verdaut. Unser Image ist angeschlagen", sagte Luxair-Generaldirektor Christian Heinzmann bei der Vorstellung des Jahresberichts. "Das vergangene Jahr lief sehr gut - bis auf die letzten zwei Monate." So seien für einige Wochen nach dem Absturz die Passagierzahlen eingeknickt. Doch die Luxair habe sich davon wieder erholen können und für das Gesamtjahr 2002 die Zahl noch um 1,2 Prozent auf gut 1,2 Millionen Passagiere steigern können. Schwere Einbrüche auf dem deutschen Markt

Schwerwiegende Einbrüche gab es allerdings auf dem deutschen Markt. Nur dank der deutlichen Zuwächse in Frankreich wurde der Rückgang der Buchungen um 27 Prozent in Deutschland noch leicht gesteigert. Im ersten Quartal dieses Jahres dagegen sind die Passagierzahlen allerdings wieder rückläufig - ein Minus von etwa 14 Prozent. Als Gründe gab Heinzmann den Irak-Krieg, die Wirtschaftsflaute und die Sars-Krankheit an. Billigflieger wie Ryanair schadeten der Luxair dagegen wenig. Ein Abbau bei den rund 2200 Beschäftigten sei deshalb auch nicht geplant. "Ryanair hat Bewegung im Passagierverkehr geschafft. Aber die Deutschen fliegen gar nicht so viel. Und: Unsere Klientel ist anders als die von Ryanair", sagte Heinzmann. Als wichtigstes Standbein neben dem Passagierverkehr kristallisiert sich zunehmend das Frachtgeschäft heraus, das inzwischen etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes von rund 318 Millionen Euro ausmacht. Insgesamt wurden knapp 600 000 Tonnen Fracht abgewickelt - ein Plus von 11,5 Prozent. Für den Ausbau des Frachtgeschäfts öffnet die Luxair im Juli auf dem Frankfurter Flughafen eine "Luxair Cargo Deutschland GmbH". In diesem Jahr sollen dort 30 000 Tonnen umgeschlagen werden, danach soll das Aufkommen auf 130 000 Tonnen jährlich steigen. "In fünf bis sechs Jahren wird unsere Kapazität ausgereizt sein", sagte Fernand Brisbois, Luxair-Chef für den Bereich Bodendienste. Künftig setzt die Luxair neben der Fracht auf die Investition in eine veränderte Flotte. So sollen die derzeit fünf Boeing 737-400 durch die weiter reichende 737-700 ersetzt werden. Und auch für die Fokker 50 sucht man einen Ersatz mit mehr Sitzplätzen. "Wir sind derzeit noch in der Flotte beschränkt, möchten aber den Markt ausweiten", legte Heinzmann als Marschrichtung fest.