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Helenenberg: So werden junge Menschen für die Arbeitswelt

Ausbildung : Roboter programmieren, virtuell schweißen

In der Jugendeinrichtung auf dem Helenenberg werden junge Erwerbslose mit High-Tech fit für die digitale Arbeitswelt gemacht.

Robin sitzt konzentriert an seinem Computer und programmiert einen Roboterarm. Und siehe da - der Roboter greift die kleinen Container und stapelt sie nach Farben sortiert auf der anderen Seite des Tisches wieder auf. Diese kleinen, bunten Container waren vorher im gleichen Raum geplant und mittels 3D-Druck hergestellt worden.

An einem anderen Schreibtisch schneidet Kevin gerade Videosequenzen zusammen, die sein Kurskollege Johannes mit einer Drohne gedreht hat – sein Auftrag ist ein Werbevideo. Im Nachbarraum tragen Vladislav und Tobias so genannte Augmented-Reality-Brillen und üben an einem virtuellen Schweißgerät, auf dem Bildschirm ist die „Schweißnaht“ zu sehen, das System gibt zudem sofort Rückmeldung, ob diese korrekt ist und ob das Bauteil stabil geschweißt ist. Ein anderer Jugendlicher hat ein Robotik-Fahrzeug so konstruiert und programmiert, dass es – wie ein Saugroboter – Gegenständen oder Personen ausweicht, wenn diese in seinen Weg kommen. Am 3D-Drucker werden derweil Holzbrettchen gelasert und beschriftet, ein Jugendlicher gestaltet eine neue Homepage, eine andere hat sich mit einer digitalen Bewerbung beschäftigt.

Diese High-Tech-Arbeitsplätze aus der sogenannten Arbeitswelt 4.0 befinden sich nicht etwa in einem „Science-Lab“ einer Hochschule oder im Innovationszentrum eines großen Industriekonzerns, sondern in Welschbillig, in der Jugendhilfeeinrichtung Don Bosco auf dem Helenenberg. Seit Juli 2021 wird dort – in der Region einmalig – das Projekt „MoVe in Arbeit 4.0.“ angeboten. Zielgruppe sind erwerbslose Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren, die dort in einem mehrmonatigen Kurs (300 Schulstunden) auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet werden und mit den Grundkenntnissen der Digitalisierung ausgestattet werden.

Dank der finanziellen Unterstützung durch den Europäischen Sozialfonds konnten auf dem Helenenberg zwei Lehrräume mit modernster Technologie ausgestattet werden, Carsten Rausch leitet das Projekt – und bringt seine Erfahrungen als Ausbilder in der Automatisierungstechnik ein: „Was die einzelnen Stationen betrifft, haben uns an den aktuellen Technologien orientiert, die bei Unternehmen zum Einsatz kommen. Mit den unterschiedlichen Bereichen wollen wir Lust und Begeisterung an Digitalisierung wecken und die Teilnehmer für neue Berufe fit machen.“

Das Konzept beruht auf Freiwilligkeit, Jugendliche und junge Erwachsene können sich selbst anmelden, aktuell läuft der dritte von vier Kursen, der letzte startet im August. „Wir haben allerdings schon alle Unterlagen für eine Fortsetzung der Förderung zusammengestellt. Unser Ziel ist es, mit dem Projekt künftig Jugendliche aus der ganzen Region anzusprechen“, sagt Wolfgang Marx, der Ausbildungsleiter vom Helenenberg. Aktuell werden Teilnehmer aus den Kreisen Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm aufgenommen.

Neu ist auch eine Kooperation mit der Berufsschule für Gestaltung und Technik in Trier. Johannes und Kevin absolvieren dort ihr Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) – und statt in der Schule sind sie drei Tage pro Woche auf dem Helenenberg, um dort ihre digitalen Kompetenzen zu verbessern. Mit Erfolg, wie beide stolz sagen. Johannes hat dort seinen offiziellen Drohnenführerschein erworben – und gilt als bester Drohnenpilot- und -filmer der Einrichtung.

„Da wir sehr flexible Zeiten anbieten und die Grundlagen auch im Homeschooling vermittelt werden, können auch Schulen vom Projekt profitieren, wenn die 300 Schulstunden auf ein ganzes Jahr umgelegt werden – und man zum Beispiel den Praxistag zur Teilnahme nutzt“, sagt Marx. Bis zu 16 Jugendliche können gleichzeitig in den Räumen arbeiten – und alle müssen per Video dokumentieren, dass sie ihre Aufgaben erledigt haben. Diese Videos werden dann in eine Cloud hochgeladen, das Konzept sieht ein (fast) komplett papierloses Arbeiten vor. Und das Wichtigste: „Es geht bei uns um Learning by doing. Die Teilnehmer erhalten die Grundlagen und sollen dann durch aktives Ausprobieren die verschiedenen Techniken erlernen“, sagt Rausch.

 Robin programmiert einen Roboterarm. Hinten von links: Carsten Rausch (Projektleiter Move in Arbeit 4.0.), Michael Müller (Leiter BBS Gewerbe und Technik), Katja Ferring (Klassenlehrerin BBS GuT), Wolfgang Marx (Ausbildungsleiter Helenenberg), Markus Zehren (Helenenberg).
Robin programmiert einen Roboterarm. Hinten von links: Carsten Rausch (Projektleiter Move in Arbeit 4.0.), Michael Müller (Leiter BBS Gewerbe und Technik), Katja Ferring (Klassenlehrerin BBS GuT), Wolfgang Marx (Ausbildungsleiter Helenenberg), Markus Zehren (Helenenberg). Foto: TV/Björn Pazen

Wer sich für eine Teilnahme interessiert, einfach nur eine Mail senden an move@helenenberg.de, weitere Infos online unter www.move-vierpunktnull.de/