Herhof ist wieder da

TRIER. Der König ist tot, es lebe der König: Eine Nachfolgegesellschaft der vor eineinhalb Jahren Pleite gegangenen Herhof-Umwelttechnik GmbH wird die Müll-Trocknungsanlage in Mertesdorf (Kreis Trier-Saarburg) fertig stellen. Die Firma Herhof sei bei zwei der fünf ausgeschriebenen Lose günstigster Bieter gewesen, verlautete am Montag aus gut informierten Kreisen.

Die Nachricht dürfte in der Region für Aufsehen sorgen: Die Firma Herhof kehrt an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Vier Jahre nach dem Baustopp der auf der Mertesdorfer Mülldeponie geplanten Trockenstabilat-Anlage und der anschließenden Insolvenz des hessischen Entsorgers taucht der Name Herhof plötzlich wieder auf. Nach Informationen unserer Zeitung wird die Herhof GmbH einen Großteil der Mertesdorfer Anlage fertig bauen. Dies hat die Verbandsversammlung des Zweckverbands Regionale Abfallwirtschaft (Regab) beschlossen. Im Regab sind die vier Kreise der Region und die Stadt Trier zusammengeschlossen.Nach der Pleite stiegen die Gebühren

In Mertesdorf soll bis Frühjahr nächsten Jahres eine biologische Mülltrocknungsanlage gebaut werden (der TV berichtete mehrfach). Dort wird künftig der Hausmüll von rund 513 000 Menschen aus den Kreisen Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich, Daun, Trier-Saarburg und Trier getrocknet und von Eisenmetallen befreit. Der Vorteil: Das Gewicht der jährlich rund 140 000 Tonnen Hausmüll wird um rund ein Drittel reduziert, die anschließende Verbrennung (derzeit rund 224 Euro pro Tonne) dementsprechend günstiger. Das, hoffen die Verantwortlichen, soll sich positiv auf die Müllgebühren auswirken. Die waren in der Region zuletzt teils deutlich gestiegen - im Kreis Bernkastel-Wittlich etwa um bis zu 71 Prozent. Folgen des Deponieverbots, aber auch der Herhof-Pleite. Das von dem hessischen Entsorger geplante Trockenstabilat-Verfahren wäre laut Kalkulation mit rund 120 Euro zu Buche geschlagen; die wegen der Insolvenz notwendig gewordene Verbrennung des Restabfalls kostet jetzt fast das Doppelte. Nach der Herhof-Pleite hatte der Zweckverband Regionale Abfallwirtschaft die Mertesdorfer Anlage in einem Vergleichsverfahren erworben - "zum Schnäppchenpreis", wie es hieß. Hinzu kam eine millionenschwere Ausfallbürgschaft. Das Geld fließt nun in die Mülltrocknungsanlage. Über zwölf Millionen Euro soll die Fertigstellung insgesamt kosten, allein in diesem Jahr werden knapp sechs Millionen Euro investiert.Ausfallbürgschaft von der "Mutter"

Zwei der fünf Ausschreibungslose gingen nach Informationen unserer Zeitung an die Firma Herhof. Die neue Herhof GmbH ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen des griechischen Umweltunternehmens Helector. Helector wiederum gehört mehrheitlich zum Mischkonzern Elliniki Technodomiki TEB, einem der größten Unternehmen in Griechenland. Die Griechen hatten sich letztes Jahr nach der Herhof-Pleite den Namen und nach eigenen Angaben auch die Vermarktungsrechte des Trockenstabilat-Verfahrens gesichert. Auch ehemalige Herhof-Führungskräfte hat die Nachfolgefirma angeblich übernommen. Der Trierer Regab-Geschäftsführer Maximilian-G. Monzel wollte sich gestern "aus Gründen des Bieterschutzes" nicht zu der Auftragsvergabe äußern. Die Einspruchsfrist laufe noch bis kommenden Montag, erst danach werde öffentlich gemacht, welche Firmen den Zuschlag bekommen hätten. Nach TV-Informationen hat sich der regionale Abfallwirtschaftszweckverband angesichts des Ausschreibungsgewinners abgesichert - durch eine Art Ausfallbürgschaft der griechischen Muttergesellschaft.

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