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Hier finden Jugendliche auch jetzt noch ihren Traumjob

Ausbildungsmarkt : Positive Ausbildungs-Stimmung wichtig

Die Ausbildungsbilanz der Arbeitsagentur Trier ist in der Regel etwas zahlenlastig. Doch in diesem Jahr geht es den Akteuren vor Ort vor allem um eine positive Ausbildungs-Stimmung.

Zahlen, Grafiken, Verlaufskurven, der Blick der Arbeitsagentur Trier auf die Entwicklung am regionalen Ausbildungsmarkt ist oft seht analytisch. Doch im Corona-Jahr hilft das bei der Bewältigung der Herausforderungen nur beschränkt. Für den Chef der Trierer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi, ist die Botschaft bei der diesjährigen Vorstellung deshalb auch eine andere: Die Partner in der Region tun alles, damit Schüler und Betriebe auch unter der jetzigen Situation zueinanderfinden.

Die gute Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) ist dabei hilfreich. Und so zogen gemeinsam mit der Arbeitsagentur auch HWK und IHK Bilanz und formieren sich schon für die bevorstehenden Aufgaben.

„Die Corona-Pandemie hat den regionalen Ausbildungsmarkt im Frühjahr ziemlich ins Straucheln gebracht. Durch den Lockdown konnten viele Berufsorientierungsveranstaltungen an Schulen, Ausbildungsmessen und Einstellungsverfahren nicht wie geplant stattfinden. Junge Menschen, aber auch Ausbildungsbetriebe sind mit Blick auf die kommenden Monate und Jahre verunsichert,“ so Heribert Wilhelmi.

Von den knapp 4300 gemeldeten Ausbildungsplätzen sind derzeit etwa 600 nicht besetzt (September 2020). Handwerk (1026 neue Verträge/-7,4 Prozent) und Industrie, Handel und Dienstleistungsbetriebe aus dem IHK-Bereich melden 1736 neue Verträge und ein Minus von 9,2 Prozent.

Auf der anderen Seite haben rund 200 junge Menschen von 2557 gemeldeten Suchenden noch keine Lehrstelle gefunden. Die drei Akteure schauen aber unter den Corona-Bedingungen auf die weitere Berufsorientierung und -vermittlung. Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Trier: „Wir haben während des Lockdowns im April und Mai schnell festgestellt, dass wir den Mädchen und Jungen alternative Angebote unterbreiten müssen, wenn unsere regelmäßige Präsenz an den Schulen vor Ort nicht möglich ist.“ Deshalb habe man kurzfristig neue Formate entwickelt, von der Video-Beratung über die Verlegung von Beratungsterminen ins Freie, das sogenannte Walk and Talk im Nells Park, oder Live-Beratungssessions und Videos auf YouTube bis hin zu der Durchführung von Online-Workshops und der Neuentwicklung der virtuellen Ausbildungsmesse Future 2.0.

Viele der innovativen Informationsmöglichkeiten und Online-Angebote sind in Kooperation mit den regionalen Netzwerkpartnern entstanden. So wurde gerade erst die Kampagne „Ausbildung kennt keine Auszeit“ unter der Federführung der IHK bis Jahresende verlängert. Und mit gezielten Nachvermittlungsaktionen versuchen IHK, HWK und Arbeitsagentur auch noch in den kommenden Wochen freie Ausbildungsstellen und suchende Bewerber zusammenzuführen.

Axel Bettendorf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, sieht für das Handwerk eine differenzierte Entwicklung: „Der Lockdown im Frühjahr hat das Interesse an einer Ausbildung im Handwerk in der Region schwer getroffen. Insbesondere im Friseurhandwerk sind durch die Kontaktverbote die Rahmenbedingungen für Praktika und Lehrlingsausbildung nach wie vor äußerst ungünstig.“ In anderen Bereichen aber sehe die Lage besser aus: „Vor allem die Berufe im Bauhauptgewerbe konnten das Vorjahresniveau an neu abgeschlossenen Lehrverträgen erreichen. Besonders profitieren derzeit die Zimmereien.“ Dass das große Engagement in der Berufsberatung Erfolge zeigt, findet Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung der IHK Trier: „Das Minus bei den Neuverträgen (von 18 Prozent auf nun neun Prozent) ist seit dem Frühjahr deutlich kleiner geworden. Denn beim Großteil der Betriebe ist das Ausbildungsengagement ungebrochen hoch.“ Unterstützung gab es hier durch eine ganze Reihe von Aktionen, unter anderem durch die erste virtuelle Azubi-Suche in der Region bei der Aktion „Perfect Match“. Auf einer Plattform konnten sich Bewerber und Betriebe einschreiben und ein virtuelles Bewerbungsgespräch vereinbaren. Die drei Akteure seien sich in einer Sache sehr einig, so Wilhelmi: „Corona hat den Ausbildungsbeginn in diesem Jahr verzögert. Ein Berufseinstieg ist auch jetzt noch möglich. Junge Menschen sollten sich nicht zu sehr verunsichern lassen und mutig ihre Berufsplanung mit der Unterstützung der Berufsberatung vorantreiben. Denn junge, gut ausgebildete Fachkräfte werden auch in Zukunft benötigt.“

Wollen Jugendlichen beim Sprung ins Berufsleben helfen: Ulrich Schneider (IHK), Axel Bettendorf (HWK), Heribert Wilhelmi und Stefanie Adam (Arbeitsagentur Trier/von links). Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Und Ulrich Schneider verspricht: „Wir werden nicht müde, unsere Ausbildungsbetriebe bei der Besetzung ihrer freien Ausbildungsstellen zu unterstützen.“