Hier gewinnt nur einer

BERNKASTEL-KUES. Mal wieder werden viel versprechende Gewinn-Mitteilungen versand. 1618 Euro können angeblich gewonnen werden, wenn man eine 01908-er-Nummer anruft. Offenbar nehmen es die Versender der Briefe mit den Adressen nicht so genau: Auch ein seit über 20 Jahren Toter erhielt Post.

Der Brief verheißt Gutes: "Letzte Anweisung für Ihren Gewinn-Abruf!", steht in dicken Buchstaben auf dem Schreiben. Darunter dann die persönliche Anrede des "rechtskräftigen Empfängers", dem mitgeteilt wird, dass er seinen "Gewinn-Anteil bis heute noch nicht abgerufen" hat. "Ich verstehe Sie nicht", schreibt ein gewisser Albert Friedrich von der "Abteilung Gewinner-Betreuung". "Sie sind bei der großen 1618,00 Euro-Vergabe als einer der Gewinner bestätigt", schreibt der ominöse Herr Friedrich. Auf dem nächsten Blatt steht dann das "Ziehungs-Protokoll" und die "offizielle Gewinn-Bestätigung" darunter, dann aufgedruckt: "beglaubigt", unterschrieben von Karl P. Baumann, "offizieller Rechtsberater".Empfänger offenbar wahllos ausgesucht

Mal wieder flattern in diesen Tagen Gewinnmitteilungen ins Haus. Die "Kleeblatt Versand HandelsgmbH" im österreichischen Graz ist dieses Mal der Absender. Und offenbar werden die Empfänger wahllos aus dem Telefonbuch herausgesucht. So auch Wilhelm Schüler aus Bernkastel-Kues. Auch sein Name steht "als einer der wenigen auf meiner Gewinnerliste", wie es in dem Brief heißt. "Sehr geehrter Herr Schüler, es ist traurig, aber wahr", schreibt Gewinnbetreuer Herr Friedrich. Traurig, aber wahr ist jedoch, dass Wilhelm Schüler seit 23 Jahren tot ist. Peinlich! Sein Name und seine Adresse stehen noch immer im Telefonbuch. Seine Tochter Christel Schüler nimmt es mit Humor: "Eigentlich ist es ja doch zum Lachen. Mein toter Vater soll noch was gewinnen", sagt sie, obwohl sie schon beim Öffnen des Briefes ahnte, dass er nur Nepp enthält. Und so ist es. Denn unter der angegebenen Postfach-Adresse in Graz findet sich kein Kleeblatt Versand, wie TV -Recherchen ergaben. In Graz firmierte bislang eine Firma "Prior Produkt VertriebsgmbH", die auch als "EVD Direktverkauf AG" oder "IVH Versandhandel GmbH" tätig war und ebenfalls solche Gewinnmitteilungen versendet hat. Es spricht wohl einiges dafür, dass auch der Kleeblatt-Versand hinter diesen Scheinfirmen, die auch mal als "Friedrich Müller" wegen angeblicher Gewinnbetrügereien Schlagzeilen machte, steckt. Vermutlich versucht man nun unter anderem Namen, noch Mal Geld zu verdienen. Die Masche ist jedenfalls die gleiche. Auf dem Ziehungsprotokoll steht die "Direktdurchwahl-Nummer" mit der Vorwahl 01908, Kosten: 1,86 Euro pro Minute. Ruft man dort an, meldet sich der angebliche Albert Friedrich per Bandansage und verkündet fröhlich: "Ich kenne Sie." Man habe gewonnen, "sonst hätte ich Ihnen nicht den teuren Brief geschrieben". Und dann teilt er irgendwann mit, dass es sich um Gewinne im Gesamtwert von 1618 Euro handelt, und davon stehe dem Anrufer ein Anteil zu. So geht das Gespräch ohne Unterbrechung weiter, während der Gebührenzähler munter weiter rattert. Irgendwann wird man dann aufgefordert, seine Gewinnnummer zu nennen, die auf dem Brief steht (alle Empfänger haben die gleiche Nummer), dann soll man noch seinen Namen und die Adresse nennen (obwohl die ja die "Abteilung Gewinner-Betreuung" eigentlich haben müsste, weil sie ja die Gewinnmitteilung verschickt hat). Mittlerweile sind zehn Minuten verstrichen, dann kommen Fragen, ob man öfter an Gewinnspielen teilnehme und Interesse an der Zusendung von "Marketing-Artikeln" habe. Kurzum: 23 Euro vertelefoniert man, wenn man sich das Band bis zum Ende anhört. Gewonnen hat am Ende nur der ominöse Kleeblatt-Versand, der mit dieser Masche außerdem noch an neue Adressen kommt und diese dann womöglich noch verkaufen kann. Den Verbraucherschützern ist die Firma bekannt. "Die übliche Abzocke", sagt Carmen Gahmig, Rechtsreferentin der Verbraucherberatung Rheinland-Pfalz. Ihr Rat: "Nicht anrufen, am besten den Brief gleich wegwerfen."

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