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Hightech im Handtuchspender

Hightech im Handtuchspender

BIRKENFELD. Weltweit versuchen Forscher, Brennstoffzellen für den Einsatz in Autos, Haus-Energiesystemen und Laptops fit zu machen.

Auf demUmwelt-Campus in Birkenfeld ist Professor Gregor Hoogers derKonkurrenz in Sachen Marktreife einen Schritt voraus. Allerdingssollen seine Brennstoffzellen Handtuchhalter antreiben. Für vieleWissenschaftler ist die Brennstoffzelle der Energieträger derZukunft. Doch bis Autos mit der umweltfreundlichen Zelle vomFließband rollen, bis die Brennstoffzelle im Keller Strom undWärme erzeugt, oder auch Laptops monatelang diese Stromquelleanzapfen können, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. In gutsieben Monaten könnte indes die Brennstoffzelle in einemHandtuchspender ihren Siegeszug antreten. Eine Kooperationzwischen den Firmen Ille Papier Service GmbH aus Altenstadt, derFirma Wellgo (Werkzeuge und Spritzgussteile) aus Nohfelden unddem Umwelt-Campus könnte die Brennstoffzelle zum Serienproduktmachen. "Wir sind davon überzeugt, dass die Brennstoffzelle inunseren Handtuchspendern wirtschaftlich ist", sagt Wilhelm Blatz,Geschäftsführender Gesellschafter von Ille. Der Familienbetriebhat sich inzwischen zu einem Unternehmen mit über 100Mitarbeitern entwickelt, der Handtuchpapier-, Seifenspender,Papierrecyclingsysteme, Aschenbecher, Toilettenpapierspender undvieles mehr um das Thema "Sauberkeit und Hygiene" anbietet. Illeverkauft aber nicht nur Papierhandtücher und die entsprechendenHalter, sondern bietet seinen Kunden auch gleichzeitig einenWartungsservice an. Und hier haben sich Wissenschaft undWirtschaft gefunden. Die Brennstoffzelle ist nämlich der idealeEnergieträger, um elektrischen Handtuchspender dort zu betreiben,wo diese bisher mit Batterien betrieben wurden. Als Blatz von derEntwicklung der Brennstoffzelle bei Professor Hoogers inBirkenfeld hörte, nahm der Unternehmer Kontakt auf. Auf dem zurFachhochschule Trier gehörenden Umwelt-Campus in Birkenfeldforscht Hoogers seit Jahren mit seinen Studenten und einem festenMitarbeiter an der Brennstoffzelle. Sein Anliegen ist es dabei,den vielseitigen Stromerzeuger schnell an den Markt zu bringen.Deshalb suchen er und seine Studenten nach Anwendungs-Nischen,die bereits jetzt profitabel sein könnten. "Der Vorteil derDirekt-Methanol-Brennstoffzelle ist, dass sie sehr lange Energievorhalten und abgeben kann", erklärt Hoogers. Für große Leistungen sind diese Brennstoffzellen heute noch nicht geeignet. Hoogers glaubt auch, dass es einige ehrgeizige Anwendungen gibt, die sich nie für die Brennstoffzelle rechnen lassen. Doch Blatz und Hoogers sehen bei Papierhandtuchspendern ein interessantes Feld. "Wir haben rund 160 000 Handtuchspender installiert. Rund 142 000 müssen mit Batterien betrieben werden", erklärt Blatz. In einem Rhythmus von zwei bis vier Wochen müssten die teueren und hochwertigen Alkali-Batterien ausgetauscht werden. Eine Brennstoffzelle könnte einen solchen Spender aber etwa ein halbes Jahr antreiben, glauben die Projektpartner.

"Für uns wären dies enorme Einsparungen, denn wenn ein Servicemann 200 Kilometer anreisen muss, um Batterien zu wechseln, ist das eine kostspielige Sache", so Blatz. Rund 100 000 Batterien verbraucht Ille jeden Monat. Für Hoogers ist deshalb auch die Umweltbelastung ein entscheidendes Moment. Eine solche Brennstoffzelle wird mit einem umweltfreundlichen Wasser-Methanol-Gemisch betrieben und ersetzt Dutzende von Alkali-Batterien. Für die Wissenschaftler in Birkenfeld gibt es nur noch einige Details zu klären. Noch funktioniert das Brennstoffzellen-Energiesystem nicht so ganz, wie man es sich wünscht. "Für die Studenten ist das Projekt eine tolle Sache. Es geht nicht darum, nur eine Brennstoffzelle zu entwickeln, sondern auch darum, wie sie nachher kostengünstig herzustellen ist", sagt der Professor. Als Partner dient dem Projekt dabei die Firma Wellgo. Seit Jahren stellt das Unternehmen aus Nohfelden mit seinen 65 Mitarbeitern die elektronischen Handtuchspender für Ille her.

Energieträger der Zukunft

Nun sollen die Batterie-betriebenen Spender auf Brennstoffzellen umgerüstet werden. Bis zu 5000 Geräte werden in Nohfelden monatlich gefertigt. Ist die Brennstoffzelle serienreif, sollen nach und nach die Geräte mit dem neuen Energieträger ausgestattet werden.

Doch bis dahin müssen noch die letzten entwicklungstechnischen Hürden genommen werden. Und auch in welcher Form - ob in Lizenzverfahren oder in einer eigenen Firma - das zukünftige Massenprodukt Brennstoffzelle hergestellt wird, ist zwischen den Kooperationspartnern noch nicht geklärt.

Die Firma Ille hat bisher die Forschung in Birkenfeld gesponsert. Geht das Produkt in Serie, könnten aber auch andere Unternehmen den enormen Vorteil der marktfähigen Brennstoffzelle für sich nutzen, sagen die Partner. "Wenn diese Geschichte klappt, steht die Wirtschaft bei Professor Hoogers Schlange", glaubt der Unternehmer Blatz. Im Umwelt-Campus würde man sich darüber freuen. Denn auch für die anderen Projekte mit der Brennstoffzelle sucht Professor Hoogers Geldgeber.