Hilfe zur Selbsthilfe: Marokkaner als Azubi

Brauneberg/Douar · Seit sechs Jahren hat Bäckermeister Karsten Fleury keinen Lehrling mehr gefunden. Nun gibt es einen jungen Mann, der gerne die Ausbildung in Brauneberg aufnehmen würde, doch noch gibt es einige Hürden: Youssef Rejdali muss aus Marokko einwandern.

Brauneberg/Douar Amalou Serg. Karsten Fleury zögerte keine Sekunde, als die Anfrage an ihn gestellt wurde. Vor wenigen Monaten fragte ihn Bruder Nikolaj vom Gemeinde-Seelsorg-Dienst des Freien christlichen Sozialwerkes Wittlich bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung, ob er nicht einen jungen Marokkaner zum Bäcker ausbilden könne.
Bürokratischer Vorlauf


Fleury war gleich Feuer und Flamme. Seit vielen Jahren versucht er einen Lehrling aus der Region zu finden, doch bei vielen jungen Leuten steht das Bäckerhandwerk bei den Ausbildungsberufen nicht oben auf der Liste. "Ich fand die Idee einfach toll", sagt Karsten Fleury. Bruder Nikolaj betreut und unterstützt seit gut zehn Jahren Menschen und kleine Dörfer mit seinen Aktionen in Marokko.
Doch ganz so einfach ist die Besetzung der Lehrstelle in Brauneberg nicht, wie Karsten Fleury erzählt. Anfang Februar hat der Bäckermeister Youssef Rejdali einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag zugeschickt. Der 29-jährige Marokkaner büffelt schon seit der ersten Idee kräftig Deutsch. Das kleine Berberdorf Douar Amalou Serg, in dem der junge Mann lebt, liegt etwa 170 Kilometer von der Küstenstadt Agadir entfernt in der Nähe von Tafraoute. Das ganz Dorf hat Geld gesammelt, damit Youssef Rejdali beim Deutschen Konsulat in Rabbat einen Visumsantrag stellen konnte. 60 Euro kostet das Papier, das dem Marokkaner den Aufenthalt in Deutschland für die Zeit der Ausbildung erlaubt.
Gästezimmer ist schon fertig


"Wir freuen uns alle riesig, wenn das klappt", beschreibt Karsten Fleury die Vorarbeiten in Brauneberg. Derzeit richtet er ein Gästezimmer für den jungen Mann her. Gerade ist er dabei, die 60 Jahre alte Bäckerei auszubauen. Da macht das eine Zimmer für ihn auch keinen großen Aufwand mehr. Karsten Fleury leitet die Bäckerei mit zehn Mitarbeitern bereits in der dritten Generation. "Wenn mein Großvater vor gut 60 Jahren einem Kunden die Telefonnummer unseres Geschäftes gegeben hat, dann kann der die immer noch benutzen", erinnert Fleury an die Unternehmenstradition. Einen Azubi aus dem Ausland gab es aber bisher noch nie. "Der junge Mann wird von uns ganz normal drei Jahre lang ausgebildet und will dann zurück in sein Heimatdorf gehen", erklärt der Bäckermeister. Im Dorf hofft man, dass Rejdali dann einen Bäckerladen eröffnet und so dem kleinen Nest etwas Aufschwung verleiht. "In dem Berberdorf liegt die Arbeitslosigkeit bei 80 Prozent. Eine kleine Firma gibt den Menschen aber Gelegenheit, sich etwas aufzubauen", sagt Bruder Nikolaj, und für Karsten Fleury ist diese "Hilfe zur Selbsthilfe ein Ansporn", wie er sagt.
Die letzten Hürden


Sobald das Visum bei der Ausländerbehörde der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich eingegangen ist, prüft die Behörde die Unterlagen und verschickt an Arbeitgeber und Arbeitnehmer die notwendigen Unterlagen. Geprüft wird ein solcher Antrag abschließend von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Agentur für Arbeit in Bonn. "Ein Verfahren dauert in der Regel vier bis sechs Wochen", erklärt ein Mitarbeiter dem TV. Dabei werde geprüft, ob es nicht auch deutsche Bewerber für die Stelle gebe.
Bei der Arbeitsagentur Trier sieht Thomas Mares keine größeren Hürden. "Im Bäckerhandwerk suchen die Betriebe nach Nachwuchs", erklärt er. In Braunberg und in Douar Amalou Serg hoffen nun alle Beteiligten, dass die letzten Hürden genommen werden.