Hochwald feiert seinen Bären

Thalfang · Mit dem Zukauf der Bärenmarke vor genau neun Jahren hat die Molkerei-Gruppe Hochwald Foods ihren Bekanntheitsgrad auch bundesweit gesteigert. Ein Grund mehr für die regionalen Milchverarbeiter aus Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich), den 100. Geburtstag des plüschigen Bären zu würdigen.

Thalfang. "Nichts geht über Bärenmarke …" - mit diesem Werbeslogan sowie zahlreichen Filmauftritten in Kino und Fernsehen hat der Bärenmarke-Bär über Jahrzehnte hinweg die Herzen der Kinder - und mancher Erwachsener - in Deutschland erobert. Mit der Milchkanne in der Hand tapst er seit langem über die Wiesen des Allgäus, um seine Alpenmilch bekanntzumachen.

So bekannt wie Coca-Cola


Bärenmarke hat mittlerweile den Bekanntheitsatuts von Maggi und Coca-Cola - immerhin sind die Dosen- und Frischmilchprodukte mit dem Bären-Etikett mehr als 90 Prozent der Deutschen ein Begriff. 2006 wurde der Bär zur beliebtesten deutschen Werbefigur gewählt.
Diesen Kultstatus will sich Bärenmarke bewahren - und arbeitet daran, die Herzen der jungen Verbraucher zu gewinnen und die ihrer Eltern zu halten. Bei Frischmilch, Kondensmilch und Milchschaum in der Dose ist Bärenmarke Marktführer - allen Kaffee-Trends zu Vollautomaten mit fertigen Kaffee-Milch-Pads und Kapseln zum Trotz. Im vergangenen Jahr wurde die Marke oder deren Produkte vier Mal ausgezeichnet, etwa mit dem Verbraucherpreis der Lebensmittelzeitung oder der Auszeichnung "Produkt des Jahres" für die Haltbare Alpenmilch.
Ein Ansporn für den Markeneigner Hochwald Foods aus Thalfang, die Markenposition zu halten und, wenn möglich, noch weiter auszubauen. Denn mit dem Zukauf von Bärenmarke und der Marke Glücksklee vom Nahrungsmittelriesen Nestlé im Jahr 2003 ist der regionalen Molkerei ein Marketing-Coup gelungen. Nicht nur, dass mit der Übernahme der Nestlé-Marken damals die Milchverarbeitungsmenge um etwa ein Viertel zunahm und der Umsatz um rund ein Drittel zulegte. Seitdem gibt es immer wieder spezielle Bärenmarke-Aktionen wie die Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) zum Schutz der Braunbären in den Alpen, die auch den Markenrecht-Besitzer aus der Region Trier ins öffentliche Licht rückt.
"Zum Zeitpunkt des Kaufes war es völlig neu, dass eine genossenschaftlich organisierte Molkerei ein Markengeschäft führt - und auch heute ist es für Genossenschaften in Deutschland eine Ausnahme", erklärt Karl-Heinz Engel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hochwald Foods GmbH, die Besonderheit des Bärenmarke-Deals im September 2003. Die Marken wie Bärenmarke, Glücksklee, Lünebest und auch die regionale Marke Hochwald seien gerade für die Entwicklung des Unternehmens und seine Strategie für die Zukunft wichtig gewesen. Heute sei das Markengeschäft eines von fünf Standbeinen des Unternehmens, sagt Engel.
Fan-Kollektion mit Teddys


Immerhin tragen die Markenprodukte zum Umsatz von Hochwald Foods 20 Prozent bei. Der Gesamtumsatz liegt inzwischen bei 1,26 Milliarden Euro, mehr als zwei Milliarden Kilogramm Milch wurden 2011 von Hochwald verarbeitet. Zum Vergleich: Im Jahr des Bärenmarke-Kaufs 2003 lag die Milchmenge bei 1,3 Milliarden Kilogramm und der Umsatz bei 800 Millionen Euro.
Auch die Milchmenge soll laut Karl-Heinz Engel 2012 weiter steigen. Vor allem im Ausland sieht Hochwald Foods für die Massenwaren im Vergleich zum Inlandsgeschäft noch große Wachstumschancen (der TV berichtete). Bislang macht der Export in die EU und in Drittländer 40 Prozent des Umsatzes aus.
Bärenmarke spielt im Ausland demgegenüber keine Rolle, der Bär konzentriert sich lieber auf den heimischen Markt. Gerade bei neuen Produkten wie zum Beispiel dem Kakao-Getränk für die jüngere Zielgruppe gibt es im Markengeschäft die größten Umsatzsteigerungen.
Und neben der Arbeit auf den Allgäu-Wiesen hat der Bär noch eine weitere Einnahmequelle gefunden: Er vermarktet eine eigene Fankollektion - mit Baby-Bobys, Teddys und Rucksäcken.Extra

Kaum jemand weiß, dass Bärenmarke auf den Luxus-Hotelier César Ritz zurückgeht. Der hat mit seinem Freund, dem Meisterkoch Auguste Escoffier, 1892 die Bernalper Milchgesellschaft in der Schweiz gegründet. Sie nutzen den tapsenden Bären aus dem Wappen des Schweizer Kantons Bern als Logo und nannten ihr Produkt Bärenmarke. In Deutschland schlug die Geburtsstunde erst 20 Jahre später: 1912 startete die Produktion der ersten ungezuckerten Kondensmilch mit einem Fettgehalt von zehn Prozent. Nach einem schwierigen Start, der Inflation in den 1920er Jahren und einem Produktionsstillstand während des Zweiten Weltkriegs ging es mit dem Wirtschaftsaufschwung auch für Bärenmarke aufwärts. Der neu kreierte Plüschbär tauchte in Hörfunk und Kino-Spots auf und war eine der ersten Marken, die in Farbfernseh-Spots zu sehen war. 1970 kam das Mutter-Unternehmen, die Allgäuer Alpenmilch AG, zu Nestlé. 2003 ging sie mit Bärenmarke zur Hochwald-Molkerei in Thalfang über. Mit 30 Produkten ist die Marke im Handel vertreten, bei Frischmilch, Kondensmilch und Milchschaum ist sie Marktführer. sas

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