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Hochwald Foods trotzt dem Bundestrend

Hochwald Foods trotzt dem Bundestrend

Deutschlands fünftgrößte Molkerei, die in Thalfang ansässige Hochwald Foods, hat im vergangenen Jahr nicht nur die Erlöse und die verarbeitete Milchmenge steigern können. Entgegen dem Bundestrend profitierten die Milchbauern auch von einem höheren Milchauszahlungspreis.

Thalfang. Das Ende der Milchquote zum 1. April ist gerade ein paar Tage her, da zeigt sich die Molkerei Hochwald Foods in Thalfang für den globalen Milchmarkt offenbar gut gerüstet. Auch wenn die weltweite Milchproduktion gestiegen und damit die Erzeugerpreise im zweiten Halbjahr 2014 gesunken sind, so konnte das regionale Unternehmen seine Umsätze im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 1,6 Milliarden Euro steigern. Denn die Nachfrage nach Milch aus Deutschland hält ungebremst an.
Ausfuhr aus der Eurozone


Allein im Export hat Hochwald Foods rund 43 Prozent des Umsatzes oder 680 Millionen Euro erwirtschaftet (siehe Grafik). Erstaunlich daran ist, dass die Ausfuhren der Hochwald-Produkt in 120 Länder immerhin um fast 22 Prozent zugenommen haben. "Wir sehen unsere Zukunft im weltweiten Export", sagt Hochwald Foods-Sprecherin Kathrin Lorenz gegenüber unserer Zeitung. Vor allem in Westafrika, aber auch in Südostasien seien die Produkte des Unternehmens gefragt. In den sogenannten Drittländern hat der Umsatz im vergangenen Jahr sogar um 30 Prozent zugelegt. Hochwald hat mit einem eigenen Vertrieb in Dubai und Vertriebsschienen in Arabien und Nordafrika darauf reagiert.
Davon profitiert auch der Standort Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich), ist doch die Kondensmilchproduktion dort ausschließlich für den Export überwiegend nach Afrika bestimmt (siehe Extra). Rund 20 Millionen Euro hat das Unternehmen zuletzt in den Standort in der Region investiert (der TV berichtete mehrfach).
Auch die 5695 milchliefernden Bauern können im bundesweiten Vergleich mit ihren Berufskollegen zufrieden sein. Denn Hochwald Foods hat seinen Lieferanten im vergangenen Jahr im Schnitt 38,5 Cent je Kilogramm Milch gezahlt, mehr als die übrigen deutschen Molkereien, die im Bundesdurchschnitt 37 Cent je Kilogramm gezahlt haben, wie der Milchindustrie-Verband (MIV) mitteilt. Das könnte sich auch für die neuen Mitglieder bezahlt machen. Die liefern in den kommenden drei Jahren weitere 35 Milliarden Kilogramm Milch - neben den bislang 2,3 Milliarden Kilo, die Hochwald Foods im vergangenen Jahr verarbeitet hat. Hinzukommen Kooperationen in Belgien (seit 2012 mit der Molkerei Solarec) und mit Gemeinschaftsunternehmen, etwa mit DOC Kaas seit Januar 2014 aus den Niederlanden, um weitere Kapazitäten verarbeiten zu können. Denn gerade der Wegfall der Milchquote mit Beginn dieses Monats hat bei den Bauern einen erhöhten Gesprächsbedarf erzeugt. "Wir haben ein Mengenmanagement eingeführt. Da fragen wir ab, wie groß die Milchmengen sein werden, die die Landwirte planen", sagt Lorenz.
Nachfrage leichter anpassen


Daraus leitet die Molkerei ihre Prognosen ab, um die Milch optimal anbieten und vermarkten zu können. Hochwald Foods geht derzeit von einem vorläufigen Anstieg der Milchmenge von rund vier Prozent aus. "Das erleichtert den Bauern die Produktion, und wir können der Nachfrage nach deutschen Milchprodukten im Ausland besser begegnen."

Extra

Um sich auf größere Geschäfte im Ausland und größere Verarbeitungsmengen an Milch einzustellen, hat Hochwald Foods mit Zentrale in Thalfang und 1844 Mitarbeitern in den vergangenen Jahren von 2011 bis 2014 kräftig investiert. Rund 180 Millionen Euro hat das Unternehmen im Rahmen der Zukunftsstrategie an seinen Standorten ausgegeben - rund 20 Millionen Euro für zusätzliche Lager- und Verladeflächen bei der Dosenproduktion und -abfüllung im Exportwerk Thalfang, den Rest in den Neubau eines Molkepulverwerkes für die Baby- und Kindernahrungsindustrie am Standort Hünfeld in Hessen. sas