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Hochwald profitiert von der Auslandsnachfrage

Hochwald profitiert von der Auslandsnachfrage

Der Hochwald-Foods-Konzern hat das Jahr 2013 besser abgeschlossen als zunächst erwartet. Dank einer weiter gestiegenen Auslandsnachfrage konnten Milchverarbeitung, Umsatz und Überschuss verbessert werden. Und der Blick für das aktuelle Geschäftsjahr verheißt eine weitere Entwicklung nach oben.

Thalfang. Deutsche Milch und deutscher Käse sind gefragt. Nicht nur im Inland, wo die Milchindustrie mit einem Umsatz von 22 Millionen Euro der wichtigste Sektor der Landwirtschaft ist. Sondern vor allem im Ausland. Denn jeder zweite Liter Milch, den die Bauern hierzulande melken, geht als Sahne, Milchpulver oder Butter ins Ausland.
Die Thalfanger (Kreis Bernkastel-Wittlich) Hochwald Molkerei hat im vergangenen Jahr davon besonders profitiert. Um sechs Punkte auf inzwischen 44,5 Prozent hat sie ihren Ausfuhranteil innerhalb eines Jahres bis heute gesteigert, gleichzeitig hat sie alle Kenndaten im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2013 verbessern können: Der Umsatz ist um gut 19 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro gewachsen, der Überschuss hat sich mit 2,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Asien liebt Hochwald-Milch


"Das Wachstum - vor allem im asiatischen Markt - ist besonders groß. So groß, dass wir der Nachfrage nach H-Milch und Mischgetränken kaum hinterherkommen", freut sich Hochwald-Geschäftsführer Karl-Heinz Engel. Das liege vor allem an dem fehlenden Vertrauen der Asiaten in ihre eigenen Produkte. "Milch, gerade aus Deutschland, hat ein hohes Ansehen."
Um die gestiegene Nachfrage decken zu können und so viel Ertrag wie möglich aus dem Export zu erzielen, hat Hochwald Foods reagiert - mit Kooperationen in Belgien (seit 2012 mit der Molkerei Solarec) und mit Gemeinschaftsunternehmen, etwa mit DOC Kaas seit Januar 2014 aus den Niederlanden. So hat sich bei Hochwald Foods nicht nur die verarbeitete Milchmenge auf nun 2,16 Milliarden Kilogramm im Jahr erhöht, die Zahl der liefernden Bauern ist auch auf nun gut 5600 gewachsen, die der Mitarbeiter auf 1717. Zusätzlich gibt es mit einem eigenen Vertrieb in Dubai neue Vertriebsschienen in Arabien und Nordafrika. Insgesamt exportiert das Unternehmen immerhin in 122 Länder der Welt.
Und Hochwald rüstet weiter auf: Mehr als 100 Millionen Euro investiert das Genossenschafts-Unternehmen derzeit in sein Zukunftskonzept (der TV berichtete). Dazu gehören eine erweiterte Dosenabfüllung und -produktion in Thalfang und eine neue Anlage zur Entmineralisierung und Trocknung von Molke am hessischen Hochwald-Standort in Hünfeld. Denn Molke ist Grundstoff für Kindernahrung, mit dem das Unternehmen von 2015 an die Milupa GmbH beliefern wird. Die Investitionen haben die Eigenkapitalquote bei der Molkerei zwar unter die 30-Prozent-Grenze gedrückt. Doch mit einem Genuss-Schein-Modell für Lieferanten und Mitarbeiter und einer Verzinsung der Geschäftsguthaben der Anteilseigner will das Unternehmen seine eigenen Mittel vergrößern.
Höhere Milchpreise


Zumindest stehen die Genossenschaftsvertreter hinter dem Vorhaben, wurde es doch bei der jüngsten Versammlung einstimmig beschlossen.
"Das sichert uns für den Anlagezeitraum von mindestens fünf Jahren zusätzliches Eigenkapital", sagt Hochwaldchef Engel. Mit dem zusätzlichen Kapital könne man weiter arbeiten und investieren, für die Eigentümer biete dies größere Erträge.
Die guten Geschäfte mit der Milch haben deutschlandweit aber auch zu höheren Milchauszahlungspreisen für die Bauern geführt (siehe Extra). Denn trotz des Rückgangs an Milchbauern ist das Milchaufkommen nicht gesunken. Es wächst lediglich die Zahl der Tiere pro Stall. Während sich der durchschnittliche Milchpreis deutschlandweit um 5,7 Cent pro Kilogramm verbessert hat, konnte Hochwald gar 6,6 Cent pro Kilogramm mehr an seine Lieferanten zahlen. Der Auszahlungspreis lag im vergangenen Jahr im Schnitt bei 42,13 Cent pro Kilogramm.
Und auch für das aktuelle Jahr geht Karl-Heinz Engel von weiterem Wachstum für Hochwald aus. Bereits in den ersten fünf Monaten dieses Jahres liegt der Milchpreis über dem Vorjahresdurchschnitt, der Umsatz ist um knapp 14 Prozent gestiegen. "Und das geht noch weiter nach oben", ist er sicher - angetrieben von der weltweiten Nachfrage. Folglich werden auch weitere Kooperationen folgen, auch wenn derzeit noch keine Vereinbarungen spruchreif sind. Denn der Kampf um Milch und Kapazitäten zwingt die Molkereien zur Schaffung größerer Einheiten.

Extra

Schaut man sich im Fünf-Jahres-Vergleich von 2009 bis 2013 den Milchpreis bei Deutschlands Molkereien an, zeigt sich für die heimischen Unternehmen Arla Foods (bis 2012 Muh, Pronsfeld, Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Hochwald Foods (Thalfang, Kreis Bernkastel-Wittlich) dieses Bild: Ob 100 000, 500 000 oder eine Million Kilogramm: Unabhängig von der Liefermenge Milch eines Bauern pro Jahr zahlen die heimischen Molkereien nur knapp am oder gar unter dem Durchschnitt aller deutschen Molkereien. Von 14 Unternehmen bundesweit liegt Hochwald mit Rang fünf im obersten Drittel. Arla liegt in drei von fünf Mengenklassen allerdings auf dem vorletzten Platz. Als ursächlich für das schlechte Abschneiden des europäischen Milchkonzerns mit Ableger in der Eifel sehen Milchexperten den sehr niedrigen Auszahlungspreis noch vor der Fusion der Muh mit Arla im Jahr 2012, das Landwirtschaftliche Wochenblatt Westfalen-Lippe spricht gar von "miserablen Preisen". Damals lag der Auszahlungspreis um bis zu einen Cent unter dem Durchschnitt aller Molkereien im Bund. Spitzenreiter ist die Molkerei FrieslandCampina, die drei Cent über dem Durchschnitt für das Kilogramm Milch zahlt. sas