Hoeneß-Effekt: Ehepaar zahlt in Trier vier Millionen Euro Steuern nach

Hoeneß-Effekt: Ehepaar zahlt in Trier vier Millionen Euro Steuern nach

Seit 2010 haben sich in Deutschland 47.000 Steuerhinterzieher selbst angezeigt, davon mehr als 300 in der Region. Meistens bleiben die Beteiligten anonym. Eine Ausnahme: FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Der prominente Steuersünder löst eine neue Welle von Selbstanzeigen aus – auch in Trier.

Bei fünf verschiedenen Banken in Luxemburg hat ein Ehepaar aus der Region Trier seit den späten 70er Jahren sein Vermögen angelegt. Nach und nach kamen so 16 Millionen Euro auf die Konten. Die angefallenen Zinserträge sind aber nie in einer Steuererklärung aufgetaucht. Jetzt haben sich die Eheleute selbst angezeigt. Eine Nachzahlung von vier Millionen Euro ist fällig. "Es ist einer der höchsten Fälle, die wir bisher beim Finanzamt Trier hatten", sagt Jürgen Kentenich, Vorsteher des Amts.

Seit 2010 - dem Jahr, indem deutsche Behörden erstmals eine CD mit Bankdaten von Steuersündern aus der Schweiz aufkaufte - sind 305 Selbstanzeigen beim Finanzamt Trier eingegangen. Das hat dem Fiskus 18,22 Millionen Euro mehr gebracht. Bundesweit gab es 47.000 Selbstanzeigen, das entspricht zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen.

Und jetzt ziehen noch mehr Steuerbetrüger die Notbremse, zeigen sich selbst an. Hintergrund: die Enthüllungen über geheime Geschäfte in Steueroasen, der jüngste Ankauf einer Steuer-CD durch Rheinland-Pfalz und der Wirbel um die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß, dem Präsidenten des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München.

"Eine Person hat mir klar gesagt: ,Mit der Diskussion um Hoeneß reicht mir das jetzt endgültig'", sagt Finanzamtschef Kentenich. Da eine Selbstanzeige im Normalfall aber einiges an Vorarbeit benötigt, rechnet er erst in einigen Wochen mit einem größeren Schub an Anzeigen.

"Sich scheibchenweise erklären und straffrei bleiben, das geht nicht", sagt Kentenich. Wer mehrere Schwarzgeldkonten hat, etwa in der Schweiz und in Luxemburg, kann nicht nur sein Schwarzgeld in der Schweiz anzeigen. "Unsere erste Frage ist immer, woher kommt das Geld", sagt Kentenich. Der Selbstanzeige folgt ein Strafverfahren. Und nur wenn die Angaben vollständig und alle ausstehenden Zahlungen geleistet sind, bleibt die Straftat in der Regel straffrei.