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Holz soll künftig als ein Produkt der Großregion gemeinsam vermarktet werden.

Handwerk in der Großregion : Warum das Handwerk die Krise besser meistern will

Die Großregion soll mehr zum eigenen Wohl arbeiten – mit einem Holz-Cluster, von dem alle profitieren.

Warum Holz im Hochwald oder in Lothringen fällen, es nach China bringen, um es dort verarbeiten zu lassen und später in einem schwedischen Möbelhaus an der belgisch-luxemburgischen Grenze zu verkaufen? Für Luxemburgs Energieminister Claude Turmes ist das nicht nur klimapolitischer Wahnsinn, sondern auch eine Verschwendung von Ressourcen unter Missachtung regionaler Kapazitäten. Und so will er sich beim nächsten Gipfel der Großregion fürs Handwerk der Großregion starkmachen und das sogenannte „Holz-Cluster“ aufwerten.

„Das wäre ein zentrales Interregprogramm für die gesamte Großregion, damit auch wirklich mal etwas passiert“, sagt der Luxemburger Minister vor den Vertretern des Interregionalen Rats der Handwerkskammern in der Großregion in Trier.

Denn das Handwerk spielt im Grenzbereich zwischen Belgien, Luxemburg, Deutschland und Frankreich eine nicht zu unterschätzende Rolle als „Wirtschaftsmacht von nebenan“, wie Triers Handwerkspräsident Rudi Müller deutlich macht. Immerhin 170.000 vor allem kleine und mittelständische Betriebe mit 750.000 Beschäftigten und 50.000 Azubis repräsentieren die Gewerke, die sich auch während der Corona-Pandemie als „Stabilitätsanker der großregionalen Wirtschaft erwiesen haben“, sagt Müller.

Folglich streben die Handwerker als Erkenntnis aus der Pandemie ein dichteres Netz für (Nah-)Versorgung, Produktion und Dienstleistung auf großregionaler Ebene an – unter eigener Leitung und mit weniger Abhängigkeit von internationalen Lieferketten, wie etwa beim Holz. Auch Minister Turmes kann dem etwas abgewinnen: „Aus dem Wunsch heraus, gegen neue Krisen widerstandsfähiger zu werden, kann das eine neue Chance für die Regionen sein und damit auch für die Großregion und im Speziellen für das Handwerk.“

Ob ein Holz-Cluster, Genossenschaften oder Fachkräftesicherung: „Die regionale Wertschöpfung steht im Zentrum. Wir brauchen eine Klimaschutz-Offensive vor Ort“, betont Präsident Müller. Und wer sonst als die Beschäftigten im Handwerk könnten in diesen Zukunftsbereichen besser agieren. Wie auch bei der Verstärkung der Kreislaufwirtschaft: Was in der Region verbaut wird, soll so weit wie möglich von hier kommen und nach Gebrauch recycelt und wiederverwendet werden, quasi vom Abfall zum Rohstoff.

„Das Handwerk hat volle Auftragsbücher für die nächsten 25 Jahre“, ist auch Claude Turmes überzeugt. Im Großherzogtum will er mit verschiedenen Ideen die Branche fördern – etwa mit einem Quereinsteigerprogramm „Just Transition“ für mehr Fachkräfte, mit Investitionshilfen zur Montage von Photovoltaik-Anlagen oder mit Förderprogrammen für den Umtausch in elektrische Lieferwagen und LKW.

Aber auch die Großregion insgesamt soll profitieren: So stellt das europäische Interreg-Programm ab Sommer 220 Millionen Euro für die Großregion bereit, allein 50 Millionen Euro sollen in ein Projekt zur großräumigen Raumplanung fließen – von der Schaffung neuen Wohnraums  über den Bau neuer Brücken bis zur Ausweisung interkommunaler Gewerbegebiete. Turmes: „Die Politik kann nur den Rahmen setzen, aber keine Photovoltaik-Anlage aufbauen. Wir brauchen im Besonderen das Handwerk zur Klimawende.“