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Horst Lenz: Neue Ingenieure braucht das Land

Ausbildung : Aussichten für junge Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt weiterhin gut

(red) Der über viele Jahre sehr positive Trend auf dem Ingenieurarbeitsmarkt konnte sich im Corona-Jahr 2020 nicht mehr ganz so stark fortsetzen. Auch der Ingenieurnachwuchs ist davon betroffen.

Dennoch sieht Dr.-Ing. Horst Lenz (Winterspelt, Eifelkreis Bitburg-Prüm), Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, hier nur eine mittelfristige leichte Abflachung der Kurve, denn in vielen Branchen seien Ingenieure nach wie vor sehr gefragt. Unternehmen suchten gezielt Fachkräfte mit einem ingenieurwissenschaftlichen Studium, vor allem in den Bereichen Bauingenieurwesen, Automatisierungstechnik, Energietechnik und Elektrotechnik. „In diesen, aber auch in allen anderen Ingenieurdisziplinen, fehlt es im Moment an Ingenieuren“, so Lenz. „Auf einen arbeitslosen Ingenieur kommen je nach Berufsfeld und Branche mehrere offene Stellen.“  

Bedenklich sei allerdings die Tendenz, dass an einigen Hochschulen und Universitäten die Studiengänge für Ingenieurwesen im Bereich Infrastruktur mit Verkehrsplanung und Siedlungswasserwirtschaft immer weiter zurückgefahren würden. „Hier wäre ein Austausch mit Universitäten und Hochschulen sinnvoll, um dem entgegenzuwirken“, schlägt der Präsident vor. Immerhin verantworten die Ingenieurberufe auch den drittgrößten Ausbildungsbereich. Auf dem Lehrstellenmarkt zeichnet sich zum kommenden Herbst coronabedingt ein ernstzunehmender Einbruch ab.

„Unsere Forderung lautet daher: Die Corona-Krise darf nicht zu einer tiefgreifenden Ausbildungskrise werden“, bekräftigt Lenz. Als Schritt in die richtige Richtung begrüßt er den Ansatz der Regierung, künftig für Unternehmen die Ausbildungsplatz-Prämie von 2000 auf 4000 Euro zu erhöhen.

Darüber hinaus entwickelt die Ingenieurkammer eigene Initiativen. So wurde im März dieses Jahres, zusammen mit dem Bundesverband freier Berufe und Industrie, Handel und Handwerk, eine Allianz für Aus- und Weiterbildung gegründet, mit dem Ziel, eine bessere digitale Ausstattung an Berufsschulen zu erreichen. Außerdem nimmt die Kammer an der Mint-Offensive des Landes Rheinland-Pfalz teil. „Wer Ingenieur werden will, muss sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz Mint, begeistern“, erklärt Lenz. „Wir gehen deshalb in Schulen und Hochschulen, um für die Mint-Fächer zu werben und die Mint-Berufe attraktiv zu präsentieren.“ Auch der branchenspezifische Schülerwettbewerb stößt auf Interesse; in den letzten Jahren haben regelmäßig 300 bis 400 Schüler teilgenommen. „In Corona-Zeiten ist leider die Ausrichtung dieses Wettbewerbs nicht ganz einfach“, bekennt Lenz.

Trotz der aktuellen Herausforderungen ist die Ingenieurkammer optimistisch: „Der Ingenieurberuf hat Zukunft“, verspricht Lenz. „Schließlich sind es vorwiegend gut ausgebildete junge Ingenieure, die Zukunfts-Themen wie die Digitalisierung, die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien und Energien sowie die Automatisierung und die Künstliche Intelligenz in vielen Bereichen sicherstellen können.“