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"Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen"

"Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen"

Tee oder Kaffee? Fotos von der Familie oder Kunstdrucke? Schnitt- oder Topfblumen? In dieser Serie besucht der Trierische Volksfreund Chefs von Unternehmen und Organisationen der Region Trier in ihrem Büro - und lässt sie erzählen, warum sie ihren Arbeitsplatz so und nicht anders eingerichtet haben. Heute ist der TV zu Gast bei Heike Steinbrink, die gemeinsam mit ihrem Mann Leonardo Arias die inlingua Sprachschule am Trierer Kornmarkt leitet.


Mein relativ kleines Büro ist ein reiner Arbeitsraum - also kein repräsentatives Zimmer. Mit Besuchern und Kunden gehe ich in einen der acht Lehrräume der Schule. Diese Aufteilung haben mein Mann und ich ganz bewusst gewählt: Wir wollten, dass die Schüler und Lehrer für das Sprachtraining die größeren Räume mit dem schöneren Blick bekommen. Wenn sie aus dem Fenster schauen, sehen sie auf den Kornmarkt mit Posthof, Casino und Brunnen. Wir blicken vom Schreibtisch aus auf Parkflächen.
In der ersten Zeit nach der Eröffnung der Schule vor 20 Jahren haben mein Mann und ich oft von 9 bis 21 Uhr hier gearbeitet. Heute teilen wir uns die Zeit in der Schule und damit auch das Büro: Ich bin vormittags ab etwa 8 Uhr hier und nachmittags bei uns zu Hause in unserem zweiten Büro, so dass ich für unsere beiden Töchter dann auch Zeit habe. Dank Computer und E-Mail kann ich vieles auch von dort erledigen - manchmal sogar im Garten sitzend, je nachdem, was zu tun ist. Als unsere Töchter noch kleiner waren, kamen sie manchmal mit in die Schule. Überhaupt haben wir hier öfter inlingua-Kinder, wie ich sie nenne, zu Besuch, zum Beispiel die Kinder von Dozenten oder anderen Mitarbeitern.
Früher habe ich selbst als Dozentin unterrichtet. Das war an der inlingua Schule in Aachen, meinem Studienort. Mein damaliger Chef hat meinen Mann und mich bei der Eröffnung der Schule hier unterstützt. Er hat uns auch das Schlüsselkästchen geschenkt, das an der Wand neben der Tür hängt. Darauf ist das berühmte Aachener Rathaus zu sehen.
Heute unterrichte ich nicht mehr selbst - aber es fehlt mir auch nicht. Meine jetzige Arbeit ist sehr abwechslungsreich: Ich kümmere mich zum Beispiel um die Werbung, die Akquise, didaktische Fragen, die Buchhaltung, die Stundenpläne, die Raumverteilung, eben um alles, was organisatorisch anfällt.
Das Büro ist das Herz der Schule, hier wird alles verwaltet. In den Regalen, im Schrank und in der hohen drehbaren Ordnersäule stehen zahlreiche Akten. Dazu kommen die Sprachbücher für Französisch, Spanisch, Englisch, Italienisch und Deutsch als Fremdsprache für die unterschiedlichsten Lernlevel. Auch wenn man mittlerweile viel digital erledigen kann: Bei uns ist das Papier Grundlage für alles.
Oft bin ich auch auf Außenterminen, zum Beispiel, wenn ich unsere Dozenten einweise und ihnen erkläre, mit welchen didaktischen und pädagogischen Methoden wir arbeiten, oder wenn ich Firmen besuche, die sich für unser Angebot interessieren.
Mein Büro ist für mich auch ein Rückzugsraum. Hier habe ich meine Ruhe. Zum konzentrierten Arbeiten brauche ich absolute Stille, das war schon immer so, auch während meines Studiums. Wenn jemand am Empfang ist, schließe ich meist die Tür. Dann wissen die Mitarbeiter auch, dass ich nicht gestört werden möchte.
Das Schöne daran, sein eigener Chef zu sein, ist die Möglichkeit, sich die Zeit selbst einteilen zu können. So kann ich mal ein Wochenende durcharbeiten oder eben mittags sagen: "Heute tue ich nichts mehr." Ich muss es nur selbst verantworten. An zwei Orten, also in der Schule und daheim arbeiten zu können, bereichert mich. Zu Hause nehme ich allerdings keine Kundengespräche an. Und nach 19 Uhr schaue ich nicht mehr in meine E-Mails - dann ist Feierabend. Sonst hätten wir schließlich kein Privatleben mehr.

Aufgezeichnet von
Ariane Arndt-Jakobs
Extra

Vor 20 Jahren hat Heike Steinbrink zusammen mit ihrem Mann Leonardo Arias die inlingua Sprachschule in Trier eröffnet, die zuerst in der Brotstraße war und sich jetzt direkt am Kornmarkt befindet. Die Idee, eine eigene Unterrichtsstätte zu leiten, kam ihr in Aachen, wo sie selbst als Dozentin an der dortigen inlingua Schule unterrichtete. In Aachen hat Heike Steinbrink an der RWTH Romanische Philologie mit den Schwerpunkten Französisch und Spanisch sowie Bau- und Kunstgeschichte studiert. Seit der Eröffnung der Trierer Schule im Januar 1994 besuchten mehr als 10 000 Schüler die Kurse, und es wurden mehr als 100 verschiedene Firmen intern betreut. Die Schule arbeitet mit etwa 25 Freiberuflern zusammen. Inlingua ist eine Franchise-Kette mit Sitz in Bern. Zu diesem Netzwerk für fremdsprachliche Aus- und Weiterbildung gehören mehr als 300 Schulen weltweit. arn www.inlingua-trier.de