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"Ich möchte mittendrin sein"

"Ich möchte mittendrin sein"

Tee oder Kaffee? Fotos von der Familie oder Kunstdrucke? Schnitt- oder Topfblumen? In dieser Serie besucht der Trierische Volksfreund Chefs von Organisationen und Unternehmen der Region Trier in ihrem Büro. Heute ist der TV zu Gast bei Edwin Steffen, Chef der Leyendecker Holzland GmbH & Co KG in Trier.

D en Baum, aus dem mein Schreibtisch und die Vitrine gefertigt wurden, habe ich mir in unserem Sägewerk in Frankreich selbst ausgesucht. Ich habe mich für eine Olivkernesche entschieden, weil sie eine sehr schöne Struktur hat. In den Erdstamm ist die Vitrine eingearbeitet, ein weiteres Stück des Stamms schließt an meine Schreibtischplatte an und bietet Platz für den Bürocontainer. An diesem Querschnitt sind die Jahresringe gut zu sehen: Der Baum hat genau 138 - er wurde also im Jahr 1860 gepflanzt, als Carl Theodor Leyendecker das Familienunternehmen gründete. Die Ränder der Schreibtischplatte sind unregelmäßig geschwungen und abgerundet - also organisch geformt in Anlehnung an die Natur. Die Farbe des Holzes ist mit den Jahren dunkler geworden. Das ist das Schöne an diesem einzigartigen Material: Holz ist faszinierend, bleibt immer lebendig und aktiv.
In der Vitrine verwahre ich Preise auf, mit denen unser Unternehmen ausgezeichnet wurde. Zum Beispiel den "Parkett Star", den wir 2012 für die beste Mitarbeiterqualifizierung im Handel bekommen haben. Aus- und Weiterbildung spielen bei uns eine große Rolle. Viele Mitarbeiter sind schon sehr lange bei uns beschäftigt. Für jeden, der zehn Jahre hier am Standort in der Luxemburger Straße gearbeitet hat, wird draußen im Eingangsbereich ein von uns sogenannter "Stein für die Ewigkeit" in den Boden eingelassen, der wie unser Logo eine Ypsilon-Form hat. Mein Stein liegt natürlich auch dort: Ich habe 1976 meine Ausbildung bei Leyendecker begonnen. Auf dem Sideboard in meinem Büro steht noch die Handrechenmaschine, mit der ich damals gearbeitet habe. Dort befindet sich auch der Bayern München-Fußball, den die Unterschriften von allen Spielern des Triple-Siegers schmückt. Ich bin von klein auf Bayern-Fan. Neben den sportlichen Erfolgen begeistert mich das grundsolide wirtschaftliche Fundament dieses Vereins.
Gegenüber meines Schreibtischs hängt ein Mountainbike-Kalender, den ich jedes Jahr von einem Freund geschenkt bekomme. Mountainbiken ist mein Hobby. Wenn es terminlich passt, fahre ich auch mit dem Rad von Osburg zur Arbeit. An einer anderen Wand hängt ein Holzkreuz und daran ein getrockneter Palmzweig: Jedes Jahr nach Palmsonntag bringt mir der Seniorchef Peter Leyendecker einen frischen vorbei, über den ich mich immer sehr freue.
Die Wände hat es im vergangenen Jahr noch nicht gegeben. Als wir 1998 hier hingezogen sind, haben wir den gesamten Bürobereich offen gestaltet. Doch die Mitarbeiter haben immer wieder die Geräuschkulisse und den Durchzug beanstandet. Durch die großen Fenster kann ich aber immer noch über die Arbeitsplätze hinweg bis in den Verkaufsraum schauen. Ich möchte mittendrin sein und mich nicht abschotten. Das ist mir sehr wichtig. Mein Büro liegt in einer Raumecke des Erdgeschosses zwischen EDV- und Einkaufsteam. Im Grunde ist es ein Durchgangszimmer. Und da meine beiden Glastüren fast immer aufstehen, gehen viele Mitarbeiter einfach hier durch.
Ebenfalls neu ist das Kühlungssystem. Jetzt ist es zwar im Sommer angenehmer in den Räumen - dafür fällt aber auch die Runde Eis aus, die es immer gab, wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke erreicht hatte.
Wenn ich abends das Büro verlasse, liegt nichts mehr auf dem Schreibtisch. Auch meinen Mitarbeitern rate ich immer dringend davon ab, noch zu bearbeitende Unterlagen auf ihrem Tisch zu stapeln. Das ist eine psychische Belastung und man geht immer mit einem schlechten Gewissen nach Hause.
Viel Papier habe ich aber sowieso nicht mehr in meinem Büro. Fast alles spielt sich in der digitalen Welt ab. In meinen Schränken bewahre ich noch ein paar Aktenordner auf - aber eher aus Nostalgie."
Aufgezeichnet von Ariane Arndt-Jakobs
Extra

Edwin Steffen, geboren 1960, gehört seit Beginn seines Berufslebens dem 153 Jahre alten Familienunternehmen an. 1976 begann er seine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei der Trie rer Firma C. Th. Leyendecker-Heil. Nach der Bundeswehr und seinem Studium zum Holz-Betriebswirt am Holztechnikum in Rosenheim wurde er 1986 Vertriebsleiter und zwei Jahre später Prokurist. Seit 1999 ist der Vater von zwei Kindern Geschäftsführender Gesellschafter der Leyendecker Holzland GmbH & Co KG mit 120 Mitarbeitern und 17 Auszubildenden. Unter anderem wurde das Unternehmen dreimal mit dem Innovationspreis des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel und dem Marketing Award Trier-Luxemburg ausgezeichnet. arn www.leyendecker.de