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IG Metall in der Region wählt Gremien

Gewerkschaft : Kampf an vielen Fronten

Die Ereignisse in der Metall- und Elektroindustrie in der Region Trier haben sich in den letzten Tagen überschlagen. Krisen bei MAN in Wittlich und bei Schaeffler in Morbach. Mittendrin IG-Metall-Chef Christian Schmitz. Der stellt sich in dieser Woche zur Wiederwahl.

In Mandern (Kreis Trier-Saarburg) laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. In der Siebenbornhalle steigt am 18. September die Wahl zum Ortsvorstand der IG Metall Trier. Eine Delegiertenversammlung unter den Hygienevoraussetzung in der Corona-Zeit ist auch für die Krisen erfahrene Gewerkschaft Neuland. Seit August 2016 hat Christian Schmitz den Posten des Ersten Bevollmächtigten  inne und stellt sich dann zur Wiederwahl. Vier Jahre führt er die IG-Metall-Geschäftsstelle Trier und hat in dieser kurzen Zeit Höhen und Tiefen erlebt.

Gerade kämpft die Gewerkschaft an vielen Fronten. Die Automobilzulieferer in der ganzen Welt stehen durch die Corona-Krise und den Strukturwandel hin zum E-Auto mächtig unter Druck. Tausende Beschäftige bangen um ihre Jobs.  Und auch in der Region Trier geht die Angst um.

Dem MAN-Werk in Wittlich droht die Schließung (der TV berichtete). 90 Jobs stehen hier auf der Kippe, die Gewerkschaft will das nicht so einfach hinnehmen. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz in der Region“, gibt sich IG-Metall-Chef Christian Schmitz kämpferisch. Die Gewerkschaft betreut in der Region Trier rund 6100 Mitglieder  in der Metall- und Elektroindustrie sowie dem Handwerk und in der Holz- und Kunststoffindustrie.

In der Geschäftsstelle sind zwei weitere politische Gewerkschaftssekretäre, zwei Verwaltungsangestellte und ein Azubi angestellt. Seit 2011 hat sich die Zahl der Mitglieder um 800 erhöht. Doch angesichts der sinkenden Zahl an Industriearbeitsplätzen in den Bereichen rechnet Schmitz in Zukunft mit stabilen Mitgliederzahlen. „Wenn wir das schaffen, steigt sogar unser Organisationgrad über alle Branchen und Betriebe hinweg von 20 auf 25 Prozent.“

Die IG Metall in der Region betreut Mitglieder, die in 72 Unternehmen beschäftigt sind, hinzu kommen Hunderte Einzelmitglieder. „Das ist weitaus mehr, als in größeren, mitgliederstärkeren Regionen“, erklärt der Trierer IG-Metall-Chef. Grund dafür ist die Struktur der regionalen Wirtschaft mit vielen kleinen und mittleren Betrieben.

Für die Geschäftsstelle bedeute dies indes viel Arbeit. „Wir konnten in den letzten vier Jahren in einigen Unternehmen Tarifverträge erkämpfen und haben viele Betriebsratsgründungen initiiert. In der Flächentarifrunde der Metallindustrie 2018 haben sich Hunderte Beschäftigte bei thyssenkrupp Bilstein an einem 24-Stunden-Warnstreik beteiligt. „Das war für uns ein Schritt nach vorne, weil wir hier vor Ort gezeigt haben, dass wir in den Betrieben arbeitskampffähig sind.“ Zudem gelang es der Gewerkschaft einige Betriebe, wie Bharat Forge Daun, Scania in Föhren oder Elastomer Solution in Wiesbaum, wieder in die Tarifbindung zu bringen. Bei Siegenia Aubi haben Belegschaft und IG Metall zumindest die statische Anerkennung der damaligen Tarifbindungen und eine regelmäßige Lohnerhöhung erreicht. Schmitz nennt aus seiner Sicht weiter erfolgreiche Regelungen, wie etwa bei der Insolvenz von Ergocast in Jünkerath, Lohnerhöhungen beim Fensterbauer Unilux in Salmtal, dem Fertighausbauer Streif in Weinsheim oder Zukunfts- und Beschäftigungssicherungstarifverträge bei tk Bilstein.

„Gewerkschaft ist die Kraft der Vielen und wenn man sich wehrt, kann man Einiges erreichen“, setzt Schmitz auf die Solidarität der Arbeitnehmer. Die haben die mehr als Hundert Mitarbeiter bei RIVA auch beim längsten Streik in der Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz bewiesen. „Wir müssen gar nicht groß drum rumreden, dort sind wir für ein Ziel angetreten, das wir nicht erreicht haben. Dennoch haben die Kollegen viel erlebt und mitgenommen, man darf auch sagen was gewonnen. Von der Achtung her, sind diese Kollegen für viele zu einem Vorbild geworden“, zieht Schmitz eine gemischte Bilanz. „Außerdem wissen die Arbeitgeber in der Region nun, dass wir die Organisationskraft für einen Streik besitzen. Mir wäre aber ein Ergebnis für die Kollegen lieber gewesen.“ Fünf Monate haben die Beschäftigten den Betrieb bestreikt und mit ihren zahlreichen Aktionen für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Am Ende blieb der italienische Stahlkonzern zum Nachteil aller Seiten hart und kompromisslos.

Mit Blick auf die Zukunft ist die Einschätzung des Gewerkschafters zwiegespalten. Die IG-Metall ist im Handwerk Tarifpartner verschiedener Innungen.  Hier sei die Situation für Gewerkschaftsmitglieder eigentlich einfach. Es gebe bestehende Tarifverträge, auf deren Einhaltung IG-Metall-Mitglieder Anspruch haben.

Doch in der Realität sehe das anders aus. „Viele Beschäftigte sichern sich ihre Rechte nicht, fordern sie nicht ein. Dabei sucht das Handwerk händeringend Mitarbeiter, da wäre es für Beschäftigte einfach“, erklärt Christian Schmitz. „In der Industrie kämpfen Belegschaften um einen Tarifvertrag. Die Beschäftigten in einem Innungsbetrieb haben ihn und müssten nur die Hand heben“. Zudem gehe es vielen Handwerkern gut, „die Corona-Krise ist an vielen Gewerken vorbeigezogen“, sagt Schmitz. Das gelte zum Teil auch für Holz- und Kunststoffindustrie. „Viele Menschen haben sich in den letzten Monaten Zeit genommen, Umbau- und Ausbauarbeiten anzugehen. Das hat der Branche geholfen.“

In der Metall- und Elektrobranche gebe es indes wenig Licht und viel Schatten. „Ein Unternehmen wie Stihl in Weinsheim ist sicher ganz gut durch die Krise gekommen. In der Automobilbranche sieht es aber anders aus“, fasst Schmitz zusammen. Die Krisen sind in der Region angekommen.

Und hier fordert der IG-Metall-Chef weitere Unterstützungen vom Staat. Das Kurzarbeitergeld sei ein sinnvolles Instrument, doch mittelfristig fordere die IG Metall auch eine „Beschäftigungsbrücke“ für die älteren Jahrgänge. „Wir haben über die Sozialkassen schon einmal den Strukturwandel gestaltet. Hier werden wir von der Politik Instrumente einfordern, denn wir haben ein ganz andere Situation als noch vor drei, vier Jahren als es hieß ,wir brauchen Arbeitskräfte’.“ Den älteren Beschäftigten einen sanften Ausstieg zu ermöglichen, bedeute Wertschätzung für Geleistetes und gleichzeitig den jungen Menschen eine Perspektive zu geben.

In Sachen Tarifpolitik müsse dies durch die Diskussion um die Arbeitszeit flankiert werden. „Durch Arbeitszeitverteilung kann man Beschäftigung retten und die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern – Stichwort Vier-Tage-Woche.“

Für Schmitz bleibt deshalb in der Zukunft das Hauptthema: „Um jeden Standort kämpfen und die Rettung jedes einzelnen Arbeitsplatzes in der Region.“