IHK sieht Energiewende als Herausforderung

Trier · Wettbewerbsfähige Strompreise und Versorgungssicherheit fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier für die Unternehmen ein. In ihrem Positionspapier Energie hat die Kammer ausgerechnet, dass 2011 allein die Erhöhung der EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) die regionalen Betriebe mit 35 Millionen Euro mehr für Strom belastet.

Trier. Sichere Energie zu bezahlbaren Preisen für die Wirtschaftsregion Trier - mit dieser Forderung hat die IHK Trier ihr Positionspapier Energie unterschreiben. Der Präsident der Kammer, Peter Adrian, unterstreicht dieses Ansinnen bei der Vorstellung ganz deutlich: "Bei der Energiewende darf die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Auge verloren werden." In der Stromregion Trier sind Industrie und Gewerbe die großen Abnehmer. Von den insgesamt 3000 Gigawattstunden (GWh) gehen 58 Prozent auf die gewerblichen Betriebe, dagegen verbrauchen Kleinverbraucher, Landwirtschaft und private Haushalte gemeinsam etwa 42 Prozent (siehe Grafik).
Investitionen in die Netze


In den Erläuterungen der IHK ist zu erkennen, dass die Wirtschaft fürchtet, aufgrund steigender Energiekosten Wettbewerbsnachteile zu erleiden. "Unsere Unternehmen signalisieren uns, dass sie sich große Sorgen um steigende Energiekosten machen", erklärt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier und Koblenz. Zudem sei die Wirtschaft besorgt, dass die Netzsicherheit gewährleistet ist. "Wir standen im Winter und vor wenigen Wochen kurz davor, dass die Stromnetze kollabieren", sagte Adrian. Ein mehrstündiger Stromausfall würde bei vielen Unternehmen zu hohen Ausfällen führen. Gerade in der Region Trier seien zahlreiche energieintensive Industrie- und Gewerbebetriebe ansässig, für die Energiekosten wichtige Produktionsfaktoren darstellen.
"Die Energiewende wird es nicht gratis geben", sagte Adrian. "Wir brauchen verstärkte Investitionen in neue hocheffiziente und fossile Kraftwerke, in den Ausbau dezentraler Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, in Versorgungsnetze, aber auch in Energiespeicher." Mehr und mehr verstärke sich in der Wirtschaft die Sorge, dass sich bei einem Alleingang Deutschlands diese hohen Investitionskosten in einem weiteren Anstieg der Strompreise niederschlagen werden und dadurch der Druck zur Verlagerung von Produktionsteilen steigen werde. Ganz oben auf der bundespolitischen Agenda müsse eine Reform des EEG, Erneuerbare-Energie-Gesetzes, stehen. Es gehe darum, in Zukunft die Abgabelast auf Energie für die gewerblichen und industriellen Stromverbraucher zu mindern und auf einen fairen, marktwirtschaftlich gebildeten Preis zu setzen. "Daher muss die Förderung regenerativer Energien degressiv gestaffelt und zeitlich begrenzt werden, wie es bei allen Subventionen sinnvoll ist", forderte Adrian. Wie sehr der letzte Anstieg der EEG-Umlage von 2009 auf 2011 die heimische Wirtschaft belastet hat, zeigt der Energieexperte der Kammer Heinz Schwind.
Umlage belastet Firmen


Die Umlage wurde von 1,31 Cent je Kiliowattstunde auf 3,53 Cent erhöht. "Bei einem mittelständischen Unternehmen aus unserer Region mit einem konstanten Stromverbrauch von 43 GWh im Jahr hat dies allein bei der Umlage zu einer Erhöhung von 563 300 Euro auf 1,5 Millionen Euro geführt." Hochgerechnet auf den Stromverbrauch der verarbeitenden Betriebe macht dies eine Mehrbelastung von 35 Millionen Euro aus.
Die verschiedenen energiepolitischen Ziele Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit könne man nach Auffassung der IHK Trier nur durch einen ausgewogenen Mix verschiedener Energieträger erreichen. Vor diesem Hintergrund werde die Politik aufgefordert, verlässliche Rahmenbedingungen festzulegen, um auf diese Weise Investitionssicherheit zu schaffen, damit die Energiewirtschaft Entscheidungen bezüglich des Energieträgers und der damit verbundenen Veränderungen im Energiemix rechtzeitig treffen könne.
Das innovative Zusammenspiel traditioneller und erneuerbarer Energieträger sei dabei so zu organisieren, dass sie sich gegenseitig unterstützen und ergänzen. Neben allen Herausforderungen sei auch klar, dass mit einer Energiewende Chancen für die Region verbunden seien. "Mit dem anstehenden Umbauprozess werden eine gesteigerte regionale Wertschöpfung und nachhaltige Beschäftigungseffekte einhergehen", sagte IHK-Präsident Peter Adrian.
Die IHK Trier werde ihre Mitgliedsunternehmen bei der Verbesserung der Energieeffizienz unterstützen, sie bei der Inanspruchnahme öffentlicher Finanzierungshilfen beraten und so mit dazu beitragen, die Kompetenz der Unternehmen im Bereich der energieeffizientesten Leistungserstellung zu erhöhen.Extra

Aus Sicht der IHK Trier wäre eine abgestimmte europäische Energiepolitik nötig. "Es kann nicht sein, dass wir den Atom-ausstieg planen, Nachbarländer wie Frankreich oder Polen weitere Anlagen aufbauen und den billigen Strom nach Deutschland liefern", findet Peter Adrian. Die IHK hat insgesamt sieben Forderungen formuliert: Die Kostenbelastung der Unternehmen durch das EEG muss sich im Rahmen halten. Eine für Unternehmen wettbewerbsfähige Strompreisentwicklung muss sichergestellt sein. Der Ausbau der Stromnetze muss vorangetrieben werden. Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein. Ein effizienter Energiemix muss angestrebt werden. Die Energieeffizienz muss gesteigert werden. Plaungssicherheit für Einrichtungen der Infrastruktur sei wichtig.

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