Im Handwerk n der Region Trier gibt es noch Hunderte Lehrstellen

Ausbildung : Das Handwerk hat jungen Leuten einiges zu bieten

„Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“ am Freitag, 25. Oktober, im IHK-Tagungszentrum Tier.

Nachwuchs gesucht! Die regionalen Unternehmen bieten noch Hunderten jungen Menschen in diesem Jahr Ausbildungsmöglichkeiten. Bei der 15. Auflage von „Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“ können sich Interessierte bei 60 Betrieben aus der Region über ihre Karrierechancen informieren. Die gemeinsame Messe von Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Arbeitsagentur und TV beginnt am Freitag, 25. Oktober, um 14 Uhr im IHK-Tagungszentrum in Trier. Im Vorfeld sprach TV-Redakteur Heribert Waschbüsch mit Carl-Ludwig Centner, Geschäftsführer bei der Handwerkskammer Trier, über die Ausbildungplatzsituation im Handwerk.

Das Handwerk hat goldenen Boden, hieß es früher. Wie sieht es heute damit aus?

CENTNER Handwerk hat heute mehr denn je goldenen Boden. Das gilt insbesondere für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz und einen nachhaltigen Arbeitsplatz in interessanten und kreativen Berufen suchen. Bei der derzeitigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich die Situation selbst für schwache Lehrstellenbewerber erheblich verbessert. Zudem hat sich die Ausbildungsqualität in den Betrieben durch Anpassung an die Generation Y gebessert. Schwächere werden speziell gefördert, etwa durch Nachhilfeunterricht, den die Betriebe teilweise selbst anbieten.

Wieso laufen Ihnen die jungen Leute dann nicht die Bude ein?

CENTNER Alle Türen stehen offen, aber: Ende September 2019 waren noch 584 gemeldete Ausbildungsstellen unbesetzt. Das sind 30 Prozent mehr als vor einem Jahr, damals waren es 410 freie Stellen. Insgesamt ist das Image des Berufes entscheidend. Viele Berufe sind moderner und attraktiver als viele vermuten. Insbesondere digitale und umweltorientierte Techniken bieten in einzelnen Berufen große Chancen. So ist beispielsweise der Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung und Klima ein absolut spannender technik- und umweltorientierter Beruf. Hier haben es junge Menschen mit modernsten Smart-Home-Techniken und neuster Solartechnik zu tun.

Wie sieht die Entwicklung in diesem Jahr aus?

CENTNER Nach einer kurzfristigen Erholung im vergangenen Jahr, sowohl bei den Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wie auch im Bestand über alle Jahrgänge hinweg, müssen wir im Handwerk in diesem Jahr einen herben Rückschlag hinnehmen. Die positiven Zahlen aus dem vergangenen Jahr resultieren sicherlich aus dem deutlichen Plus, das die Azubis mit Flüchtlingshintergrund gebracht haben (7,8 Prozent 2018). Mit einem Minus von 11,57 Prozent liegen die neuen Azubizahlen deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Selbst in den für Jugendliche angesagten Berufen – wie KFZ mit minus 3,3 Prozent, SHK mit minus 5,4 oder Tischler mit minus 10,1 Prozent, gibt es Rückgänge. Arg in Bedrängnis sind diesmal die Metallbauer mit fast 19 Prozent weniger und die Friseure mit einem Minus von 31,8 Prozent. Der Trend im Land ist ähnlich, uns trifft es aber am härtesten. Wir versuchen etwa mit unseren Abbruchvermeidern alles zu tun, um zu unterstützen. Im vergangenen Jahr haben die Kollegen es geschafft, bei insgesamt 99 Ausbildungsabbrechern  in 91 Fällen zu helfen und so konnte eine Ausbildung im Handwerk fortgeführt werden.

Die meisten Eltern wollen, dass ihre Kinder Abi machen. Muss man danach studieren? Welche Perspektiven hat das Handwerk?

CENTNER Die Kinder sollen sogar Abi machen. Dann haben sie einen Abschluss, der sie zu allem befähigt, insbesondere auch der gesamten Bandbreite der Karrieremöglichkeiten im Handwerk. Ein Studium bringt Vor- und Nachteile. Größter Nachteil ist möglicherweise, dass man mittelfristig die Berufsperspektiven eines Studiums nicht abschätzen kann. Insbesondere, wenn man eher eine exotische oder eine überlaufene Fachrichtung mit schlechten Berufsmöglichkeiten wählt. Die Vorteile bei einer Ausbildung im Handwerk, eine breit angelegte Ausbildung mit Anschlussmöglichkeiten wie dem Meistertitel, die Selbstständigkeit als Unternehmer und auch ein angeschlossenes Studium. Zudem sind die finanziellen Unterschiede bei der Entlohnung gegenüber Akademikern merklich geschrumpft.

Wie stehen die Chancen, nicht besetzte Ausbildungsstellen an ausländische Kandidaten zu vergeben?

CENTNER Neun Prozent der Lehrlinge im Kammerbezirk der HWK Trier haben keinen deutschen Pass. Die Hälfte davon stammt aus den aktuellen Fluchtländern, die andere Hälfte teilen sich EU- und Nicht-EU-Länder. Wir gehen sogar davon aus, dass in zweiter und dritter Generation der Anteil von Azubis mit Migrationshintergrund 25 bis 30 Prozent im Handwerk ausmacht. Die Chancen sind also da, und sie sind in der Vergangenheit genutzt worden. In Migrantenfamilien zählt aber die familiäre Unterstützung. Einfach zu denken, jetzt öffnen wir den Ausbildungsmarkt für Jugendliche aus Spanien oder Griechenland, weil dort die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, hat nur bedingt funktioniert.  Es gibt andere Ansätze, etwa mit Pflegekräften aus Indonesien, die dort schon Deutsch lernen, die besser funktionieren. Wir bemühen uns über verschiedene Maßnahmen, die Migrantenfamilien mitzunehmen. Der Anteil der ausländischen Azubis wird sicher weiterwachsen, auch, wenn das Fachkräfteeinwanderungsgesetz dann in Kraft ist.

Am 25. Oktober ist die nächste Messe „Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“. Warum sollten Jugendliche die Messe unbedingt besuchen?

CENTNER Einen Ausbildungsberuf zu finden, ist eine große Herausforderung für Schülerinnen und Schüler. „Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“ bietet auf kleinem Raum sowohl für die Jugendlichen als auch für deren Eltern die Gelegenheit, nicht nur eine breite Palette von Ausbildungsberufen zu finden, sondern auch direkt ins Gespräch zu kommen.

Die perfekte Gelegenheit, sich auch einen Praktikumsplatz zu organisieren, um einfach mal in den ein oder anderen Beruf hineinzuschnuppern. Und auch die perfekte Gelegenheit, im Gespräch mit dem Ausbildungschef oder dem Unternehmer selbst zu sprechen, wenn das letzte Zeugnis vielleicht zunächst keine so guten Chancen verspricht. Der persönliche Kontakt und ein positiver Eindruck bügeln so manche schlechte Note aus. Die Eltern sollten ihre Kinder möglichst begleiten, damit sie sich selbst einen Überblick verschaffen und ihre Kinder unterstützen und beraten können.

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