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Impulse aus der Wirtschaft, ob und wie man den Klimawandel stoppen kann.

Klima : „Klimaschutz ist nicht nur was für Chinesen“

Wie können Unternehmen den Klimawandel stoppen und dabei die Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren? Impulse vom Wirtschaftsforum der Trierer Industrie- und Handelskammer:

Eine Kiste Bitburger Pils kostet im Schnitt zehn Euro – oder 6,6 Kilogramm CO2. Während viele Verbraucher erstere Faustformel sicher für normal halten, ist zweitere wohl eher ein Modell für die Zukunft. Dass Verbraucher zunehmend die Umweltbilanz eines Produktes als kaufentscheidend werten, davon ist Torsten Henzelmann, Managing Director für Zentraleuropa der Agentur Roland Berger, überzeugt. Beim Wirtschaftsforum der In­dustrie- und Handelskammer (IHK) Trier wird deutlich, dass Chefs und Analysten zwar hinter dem Ziel, den Klimawandel zu stoppen, stehen, doch was politische Entscheidungen bewirken oder was sie selbst dazu beitragen können, unterschiedlich aussehen können.

Das Glas ist halb leer: Dass die Wirtschaft bereit ist, ihren Teil zum Klimawandel zu leisten, da ist Triers IHK-Präsident und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian, sicher: „Allerdings müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Schön, dass Deutschland und Europa einen Green Deal wollen, aber wir sollten uns internationaler in einem Klima-Club abstimmen.“ Außerdem fordert er einen „radikalen Bürokratieabbau“ angesichts des Umstiegs auf regenerative Energien – und ist doch eher pessimistisch.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef im DIHK, ist angesichts der aktuellen Weltwirtschaft skeptisch, ob die Klimaziele erreicht werden: „Die wechselseitigen Abhängigkeiten haben durch den Ukraine-Krieg einen Rückschlag erlebt. Auch die Wirtschaft erlebt eine Zeitenwende“, ist er überzeugt. „Wer von anderen Ländern allerdings unabhängig werden will, unterliegt einer Illusion.“ Und deshalb stünden die bestehenden Lieferketten noch stärker unter Druck als jetzt schon. Der Klimawandel setze die Unternehmen zudem „enorm unter Stress. Es ist keine Zeit für kategorisches moralisches Handeln angesichts des Energiemixes“, sagt der Experte und wertet etwa Gaslieferungen aus Katar als „gutes Zeichen“.

Das Glas ist halb voll: Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretär Andy Becht setzt auf „Mehr – mehr Wettbewerb, mehr Vertrauen und mehr Innovationen“. Immerhin hätten die Vereinten Nationen neben dem Klimaschutz 17 Nachhaltigkeitsziele ausgegeben, aus denen sich automatisch ein Schutz der Nachwelt ergebe. 

Für DIHK-Außenwirtschaftschef Treier ist die Überprüfung der Abhängigkeiten von Russland eine neue Chance der Weltwirtschaft und auch Deutschlands, die Handelsbeziehungen aufzusplitten: „Schon heute machen bilaterale Beziehungen jeweils weniger als zehn Prozent aus.“

Für Wirtschaftsberatungsexperte Torsten Henzelmann bietet deshalb auch der Ukraine-Krieg eine Chance, den Klimawandel aufzuhalten: „Der Krieg wird ein Beschleuniger sein, regenerativer zu wirtschaften.“ Immerhin gebe es genug Geld auf dem Markt für nachhaltige Investitionen. Deshalb sollte auch Deutschland sich auf die Hinterbeine stellen, immerhin sei es in der EU für ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich: „Anstrengungen, etwas gegen den Klimawandel zu tun, ist nicht nur was für Chinesen.“

Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer Technik und Umwelt der Bitburger Braugruppe, ist überzeugt: „Nachhaltigkeit funktioniert nur durch Netzwerke.“ Und: „Es gibt ein enormes Potenzial in nachhaltigen Projekten.“ Beispiele der Braugruppe: Die König-Pilsner-Brauerei in Duisburg wird Ende 2022 durch die Koppelung der Abwärme mit dem Nachbar-Unternehmen Thyssen Krupp CO2-neutral produzieren, ein Standard, der in Bitburg bereits 2020 umgesetzt wurde. Also doch eine Form der Vorbereitung für die Bierpreisermittlung in CO2-Kosten?

Zudem investiert die eigene Kapitalgesellschaft in Start-ups der Lebensmittelbranche. Niewodniczanski: „Eine Lebensmittelkrise wird auch in Europa ankommen, und wir stehen in der Konkurrenz zu Futter- und Nahrungsmitteln. Wir wollen Kapazitäten vorbereiten, um die Brauerei anpassen zu können.“