In bester Gewerkschaftstradition

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften in der Region Trier rufen zur Mai-Kundgebung in den Brunnenhof nach Trier auf. Mit Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen und dem alternativen Nobelpreisträger Hermann Scheer hat man prominente Gastredner geladen.

 Lange Tradition an der Mosel: Schon 1904 feierten Arbeiter mit ihren Familien den 1. Mai. Foto: privat

Lange Tradition an der Mosel: Schon 1904 feierten Arbeiter mit ihren Familien den 1. Mai. Foto: privat

Trier. Im Haus der Gewerkschaft hat ein altes Foto einen Ehrenplatz. Knapp 100 Personen drängen sich auf dem Foto, und am oberen Bildrand ist zu lesen: Zur Erinnerung an die Maifeier 1904.

"Die Geschichte des Fotos ist wirklich kurios", erklärt der DGB-Geschäftsführer der Region Trier, Christian Z. Schmitz, dem TV. Genau 100 Jahre später, 2004, bekam der DGB Trier die Aufnahme von einem Berliner zugeschickt: "Das Foto stammt aus dem Nachlass meines Großvaters, Ernst Tilp, aus Unter-Sachsenberg (Sachsen), der als 18-jähriger Klempnergeselle auf Wanderschaft an dieser Feier in Trier teilnahm."

Die Tradition der Maifeiern spielt auch heute noch eine große Rolle im Bewusstsein der Gewerkschaften. Die Ursprünge reichen in die amerikanische und australische Arbeiterbewegungen zurück, die zum 1. Mai (1886 USA/1856 Australien) für den Acht-Stunden-Arbeitstag demonstrierten.

Verteidigung des Sozialstaats im Mittelpunkt



Auch heute ist für den DGB der 1. Mai nicht nur der Tag, um die sozialen Errungenschaften zu feiern, sondern auch die Möglichkeit, sich politisch in Szene zu setzen.

"Die Verteidigung des Sozialstaats und die Handlungsfähigkeit des Staates insgesamt stehen bei der Kundgebung im Mittelpunkt", wirbt DGB-Geschäftsführer Christian Schmitz für zahlreiche Unterstützung bei der Maifeier. Es sei irrsinnig, eine Rekordverschuldung aufnehmen zu müssen und diese mit Steuererleichterung zu verschärfen. "Das ist nicht nur eine Entlastung auf Pump, sondern ein gezielter Angriff auf die Handlungsfähigkeit des Staates und seiner sozialen Verantwortung", sagt Schmitz.

Auf der Maikundgebung soll aber nicht nur die Verteidigung von Errungenschaften Thema sein, denn die Krise zwinge zum Umdenken. Erstens müsse die Gesellschaft alles tun, damit eine solche Krise nicht noch einmal passiere, sonst stehe nicht nur Griechenland am Rande des Bankrotts, sondern alle Staaten.

Zweitens müsse sich auch die Industrie verändern, wenn industrielle Kerne erhalten werden sollen. "Der ressourceneffiziente Umbau der Industrie ist nicht mehr ‚nur' ein ökologisches Muss, sondern eine industriepolitische Notwendigkeit. Deswegen sind wir froh, Hermann Scheer als einen wortstarken Verfechter des ökosozialen Umbaus als Hauptredner gewonnen zu haben", ergänzt Schmitz.

Die Maikundgebung wird um 11 Uhr beginnen. Nach der Eröffnung durch DGB-Geschäftsführer Christian Schmitz wird der Oberbürgermeister der Stadt Trier, Klaus Jensen, ein Grußwort sprechen. Nach ihm wird der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer die Hauptrede halten.

Neben politischen Reden steht der Maifeiertag der Gewerkschaften in der Region auch im Ruf, ein "Familienfest" zu sein: "Die ‚Bänd Wolthär' sorgt für die musikalische Umrahmung, Kinderspielgeräte und Informationsstände runden das Angebot im Brunnenhof ab", erläutert Christian Schmitz.