1. Region
  2. Wirtschaft

JAM Software: Wie das Unternehmen aus Trier die Welt eroberte

Serie Hidden Champions : Alles begann mit knappem Speicherplatz: Wie JAM Software von Trier aus das Internet eroberte

31 Unternehmen aus der Region Trier sind so innovativ, dass sie führend auf dem Weltmarkt oder in ihrer Branche sind. Zu diesen so genannten Hidden Champions gehört auch das Unternehmen Jam Software aus Trier.

Als internationaler IT-Standort ist Trier zwar nicht gerade bekannt. Das heißt aber keineswegs, dass es in diesem Bereich keine klugen Köpfe in der Region gibt. Einige davon haben mit ihren Beiträgen zur Computer-Welt rund um den Globus Verbreitung gefunden. Dazu zählt das Unternehmen JAM Software, das seit rund 25 Jahren Lösungen für die Arbeit mit dem Rechner entwickelt. Angefangen hat es mit einer treffsicheren Antwort auf die Frage: „Wie lässt sich der Platz auf Festplatten besser verwalten?“

Bestes aus zwei Welten bei JAM Software

Beim Thema IT-Unternehmen springen, zumindest bei Branchenfremden, als erstes Bilder von Tech-Giganten aus dem Silicon Valley in den Kopf. Bekannt sind auch jene Start-Ups aus Berlin, die neben Ideen für die digitale Welt vor allem ihre hippe Unternehmenskultur feiern. Doch auch die Tugenden des vermeintlich konservativen deutschen Mittelstands lassen sich IT-Innovation in Einklang bringen. Der Gründer und Geschäftsführer von JAM Software, Joachim Marder, sieht in seinem Unternehmen eine Mischung aus Start-Up-Kultur und Mittelstandstugenden. Die enge Verbindung zur Hochschule ist ein Merkmal, das typischerweise bei Neugründungen stark ausgeprägt ist. JAM-Software nutzt diese geistige Ressource von Anfang an: Studentische Mitarbeiter werden immer wieder ins Team eingebunden. „Man bekommt auch etwas zugetraut und kann eigene Ideen auf Augenhöhe einbringen“, lobt Hendrik, wie dabei mit den Studenten umgegangen wird. Er selbst kam vor wenigen Jahren über diesem Weg zum Unternehmen und arbeitet inzwischen als Angestellter für Content & Social Media Marketing.

Doch kreative Ideen und ein freier Geist allein können irgendwann auch zu einem unproduktiven Chaos führen. Hier entscheidet sich dann oft der Sprung vom neugegründeten Unternehmen zum strukturiert arbeitenden Mittelständler. JAM Software ist diesen Weg schon erfolgreich gegangen, erzählt Marder. „Wir haben unsere Führungskräfte so geschult, dass sie eigenverantwortliches Arbeiten nicht hemmt, aber doch die Projekte auf ein Ziel hinlenkt“, erklärt er das Organisationsprinzip.

Spaßfaktor im Büro in Trier

Für das kreative Arbeiten ist es förderlich, zwischendurch mal abzuschalten. Nicht nur digitale Start-Ups haben erkannt, dass sich dies gut mit Team-Bildung verknüpfen lässt: Wer gemeinsam Spaß hat, arbeitet meist besser zusammen. Auch bei JAM Software wird diese Philosophie großgeschrieben. So finden sich im Bürogebäude auf dem Petrisberg allerlei Möglichkeiten für die Pausengestaltung. Neben Kaffee- und Kochecken sowie einer Gartenterrasse findet man beispielsweise ein Spielzimmer. Wenn nach Corona wieder mehr Mitarbeiter neben Homeoffice auch das Büro nutzen, wird die N64-Konsole mit dem passenden Retro-Röhrenfernseher sicher wieder regelmäßig Zocker anlocken.

Mit TreeSize fing für JAM Software alles an

Die passende Lösung zur rechten Zeit legte vor 25 Jahren den Grundstein für Jam Software. Mit dem von ihm entwickelten Programm „TreeSize“ traf Joachim Marder damals einen Nerv. Bis heute ist diese Software ein Hit-Klassiker für das Unternehmen geblieben. Denn mit ihr lässt sich einfach und übersichtlich der Verbrauch an Speicherplatz auf einem Computersystem erkunden. Schnell lässt sich so beispielsweise erkennen, dass ein Ordner mit nicht mehr benötigten, temporären Dateien mal wieder auf etliche Gigabyte angewachsen ist und die Festplatte vermüllt.

Private Nutzer und Firmen gleichermaßen haben mit dem Problem Speicherplatzverwaltung zu kämpfen und so verwundert es kaum, dass „TreeSize“ seine Anfänge als Studentenprojekt an der Trierer Universität schnell hinter sich ließ und sich über die halbe Welt ausbreitete. „Zugutekam uns, dass damals die Internetnutzung rasant zunahm und wir unsere Basisprogramme dort als Freeware bekannt machen konnten“, erinnert sich Marder. Der Erfolg von „TreeSize“ führte zur Gründung des Unternehmens in Trier und ermöglichte die Entwicklung anderer Software-Tools für Bereiche wie E-Mail-Verwaltung oder Sepa-Überweisungen.

Pläne für die Zukunft

Mit der Entwicklung neuer Software allein, stellt sich nicht zwingend unternehmerischer Erfolg ein. Das Produkt muss sich auch am Markt durchsetzen. Deshalb möchte JAM Software den Vertrieb ausbauen. Bislang lief größtenteils klassisches Marketing wie Werbeanzeigen im Internet. Aber jetzt sei ein Punkt erreicht, an dem eine eigene Vertriebsstruktur als direkter Draht zu Geschäftskunden sinnvoll erscheine. „Wir suchen gerade eine passende Fachkraft als Verstärkung für unser Team“, sagt Marder.