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In Sachen Pünktlichkeit abgestürzt

In Sachen Pünktlichkeit abgestürzt

Alljährlich befragt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) Passagiere nach ihrer Zufriedenheit und nach ihrem Urteil über die Branche. Jetzt im Herbst war es wieder so weit. Einige Daten machen den Verantwortlichen Sorgen: Die Branche hat neben dem Lärm jetzt auch noch ein Pünktlichkeitsproblem.

Berlin. Laut der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen, die unserer Zeitung vorliegt, haben die Airlines eine wichtige Position verloren. Im Vorjahr rangierten sie mit 45 Prozent noch ganz vorne bei der Frage, welches Verkehrsmittel am pünktlichsten sei, das Auto folgte mit 37 Prozent in deutlichem Abstand. Jetzt haben sich die Werte fast umgekehrt: 44 Prozent halten das Auto trotz aller Staus für am pünktlichsten, nur noch 38 Prozent das Flugzeug. Vielleicht ist das eine Folge der zurückliegenden Pilotenstreiks bei der Lufthansa oder auch von wetterbedingten Ausfällen.
Die Bahn bleibt mit nur zwölf Prozent Schlusslicht. Für die Luftfahrtbranche ist das kein gutes Zeichen, denn bei den anderen Qualitätskriterien, Bequemlichkeit und Günstigkeit des Reisens, liegt sie seit längerem und auch diesmal nur auf Platz Drei hinter dem PKW und dem Zug. Eines kann den Airlines allerdings niemand nehmen: Mit über 53 Prozent führen sie das Kriterium Sicherheit erneut klar an, die Bahn folgt mit 31 Prozent in großem Abstand, das Auto erzielt nur elf Prozent. Flugangst scheint also nur eine geringe Rolle zu spielen.
Vielleicht ist es eine Folge des Ärgers über Verspätungen oder gestiegene Preise, dass viel mehr Leute als im letzten Jahr glauben, dass die Fluggesellschaften gute Gewinne machen (49 statt 42 Prozent), und dass mehr Befragte als früher, nämlich 23 statt 17 Prozent, diese Gewinne für zu hoch halten. Real ist die operative Gewinnmarge der deutschen Airlines jedoch gesunken, auf nur noch ein Prozent.
Unterschiede zwischen Realität und Wahrnehmung deuten meist auf ein Imageproblem. Dieses scheint die Luftfahrtbranche vor allem beim Fluglärm zu haben. Bei der Frage, wie viele Menschen wohl unter Fluglärm leiden, glauben 30 Prozent, dass es bis zu einem Drittel der Bevölkerung sind, und weitere 30 Prozent nehmen sogar an, dass es noch mehr sind. Selbst vom Fluglärm stark betroffen fühlen sich aber nur sechs Prozent der Befragten. Es scheint neben dem realen auch so etwas wie Phantom-Fluglärm zu geben. Wie diese Zahlen entstehen, weiß man sich beim BDL nicht so recht zu erklären. Erst einmal hat der Verband eine Website "fluglärm-portal.de" gestartet, und will versuchen, mit Fakten dagegen zu halten.