Innenleben des Erfolgs

Wenn Weltmeister referieren, geht es meist um Sport, selbst vor Wirtschaftsvertretern. Handball-Bundestrainer Heiner Brand ließ die 600 Gäste seines Vortrags in der Arena teilhaben am "Projekt Gold" - dem Weg zum WM-Titel, gab aber auch Tipps für Chefs.

Trier. (BP) Was können sich Unternehmer von einem Weltmeister-Trainer abschauen? Diese Frage beantwortete Handball-Bundestrainer Heiner Brand (TV-Foto: Björn Pazen) am Dienstagabend in der Arena nicht direkt, aber die 600 Gäste aus Wirtschaft und Sport gingen dennoch nicht ohne neue Erkenntnisse nach Hause. Auf Einladung des Kreises Junger Unternehmer, des Marketings-Clubs Trier-Luxemburg und der Vereinigung Trierer Unternehmer vermittelte Brand Einblicke in die WM-Erfolgsgeschichte der deutschen Handballer. Zudem erläuterte er, was für ihn Führung, Motivation und Teamfähigkeit bedeuten - garniert mit vielen Schmonzetten aus dem Innenleben der Weltmeister. Hier die Kernthesen, die man vom Sport auch auf Firmen-(Chefs) übertragen kann:Teamfähigkeit: "Das Team steht im Mittelpunkt, aber jedem Einzelnen muss man seine Freiräume lassen. Die Niederlage eines Teams ist eine Niederlage für jeden Einzelnen. Bei mir spielen nicht unbedingt die besten Spieler, sondern die beste Mannschaft. Dabei müssen alle eine gewisse Hierarchie akzeptieren. Vorsicht bei Grüppchenbildung!" Führung: "Es gibt nicht DIE Führung. Erst einmal ist der Chef autoritär, weil er gewisse Regeln vorgibt. Aber dann wird er demokratisch und gibt Verantwortung an die Spieler ab. Mehr Verantwortung des Einzelnen heißt mehr Identifikation mit dem Team. Laute Trainer nutzen sich mit der Zeit ab."Entwicklung: "Die Aufgabe des Trainers ist es, Spieler zum Mitdenken zu bewegen. Sie müssen auch unter Stress den Mut zur richtigen Entscheidung haben. Dies muss der Trainer langfristig anlernen lassen."Motivation: "Jeder Spieler muss sich erst einmal selbst motivieren. Er muss Leidenschaft mitbringen, aber auch konsequent und diszipliniert sein. Siegprämien motivieren Spieler wenig, sondern in erster Linie der Erfolg, wobei eine leistungsgerechte Bezahlung aber ein gutes Fundament ist. Als Trainer muss man die Selbstmotivation vorleben und immer wieder die Ziele vor Augen führen."Konflikte: "Das Wichtigste bei Konflikten ist, Gesprächsbereitschaft zu zeigen. Konfliktbewältigung ist eine der zentralen Aufgaben eines Trainers." Externe Unterstützung: "Um Erfolg zu haben, sollte man auch auf Unterstützung von Experten bauen. Wir arbeiten mit einem Personalberater, einem Motivations-Coach, einem Psychologen und einem Musiktherapeuten zusammen. Jeder für sich ist ein Baustein unseres WM-Titels."Brand erntete viel Applaus für seinen Vortrag, der mit Filmsequenzen aus der DVD "Projekt Gold" untermalt wurde. Während Sport-Insider voll auf ihre Kosten kamen, wurden einige Handball-Laien, die auf mehr wirtschaftliche Relevanz gehofft hatten, manchmal überfordert. Aber auch die wurden mit Details von nächtlichen McDonald's-Besuchen bestens unterhalten. Lesen Sie das Exklusiv-Interview mit Brand auf Seite 19.