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Zulieferindustrie in Not
Ist Morbacher Werk betroffen? - Schaeffler-Gruppe will 700 Jobs in Deutschland streichen

 Der Betriebsrat hofft, dass es in Morbach keine Entlassungen geben wird.
Der Betriebsrat hofft, dass es in Morbach keine Entlassungen geben wird. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Herzogenaurach/Morbach. In Morbach setzt der Betriebsrat darauf, dass das Werk im Hunsrück von der Sparrunde verschont bleibt. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

(hw/hpl/dpa) Nicht nur in der deutschen Automobilbranche kriselt es zurzeit, auch für die Zulieferer ist die Luft dünn. Nun hat die weltweit agierende Schaeffler-Gruppe mit mehr als 90 000 Beschäftigten den Abbau von rund 900 Mitarbeitern angekündigt. In Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) schaut man ganz aufmerksam auf die Meldungen vom Stammsitz in Herzogenaurach. „Es gibt aber keinen Grund zu Angst oder gar zur Panik“, sagt Rudi Marx, der langjährige Betriebsratsvorsitzende des Morbacher Werks (Schaeffler Friction Products), unserer Zeitung auf Anfrage. Über angedachte Umstrukturierungsmaßnahmen werde erst zwischen Geschäftsführung und Betriebsräten verhandelt. Dies bestätigte auch Unternehmenssprecher Axel Lüdeke: „Wir sind derzeit mit Arbeitnehmern und Betriebsräten im Gespräch. Deshalb kann ich noch keine Informationen geben, welche Standorte betroffen sind.“

In Morbach sieht man sich jedenfalls für die Zukunft gut gerüstet. „Wir sind das Leitwerk für Kupplungsbelege“, erklärt Marx. Zudem gebe es in Morbach eine Entwicklungsabteilung, die auch für andere Werke arbeite. Im Hunsrück werden von den rund 360 Mitarbeitern Beläge für Kupplungen für Fahrzeuge hergestellt, aber auch für Industrieanlagen. Vor gut zehn Jahren hat Schaeffler das Werk in Morbach übernommen und von damals 220 Beschäftigten auf heute 360 ausgebaut. Wenn auch Betriebsratschef Rudi Marx sich zurückhaltend äußert („Man weiß ja nie ganz genau, was kommt“), ist er dennoch für die jetzige Entwicklung verhalten optimistisch. Gerüchte über eine Betriebsversammlung dementierte er. „Es gab keine Betriebsversammlung und es gibt derzeit auch keinen Grund für eine Betriebsversammlung.“

Dass auf die Schaeffler-Gruppe schwere Zeiten zukommen, ist allerdings klar. In einem ersten Schritt eines bis 2024 angelegten Programms will Schaeffler Einsparungen von 90 Millionen Euro erzielen. Rund 900 Stellen sollen insgesamt wegfallen, 700 davon in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen sollen demnach jedoch vermieden werden.

Die Maßnahmen träfen insbesondere die Autozuliefersparte. „Standorte zu konsolidieren heißt nicht, sie einfach kalt zu schließen“, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Auch Verkäufe von Randaktivitäten aus den Bereichen Motoren- und Getriebssysteme seien denkbar, hieß es. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen sollen vermieden werden.

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