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Jeder dritte Kupplungsbelag aus Morbach

Jeder dritte Kupplungsbelag aus Morbach

Das Morbacher Unternehmen Schaeffler Friction Products GmbH stellt Kupplungsbeläge her und ist mit einem Marktanteil von 30 Prozent in diesem Segment der weltweite Marktführer. In Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) will Schaeffler Friction sein Werk weiter ausbauen und seinen Mitarbeiterstamm erweitern.

Morbach. Das Morbacher Unternehmen Schaeffler Friction Products fährt auf Erfolgskurs. Das Werk in Morbach hatte 2007 unter dem Namen Raybestos noch 220 Mitarbeiter. Dann übernahm der Konzern Schaeffler das Unternehmen, in dem Kupplungsbeläge für Automobile und Industrie hergestellt werden, und baute die Kapazitäten stetig aus. Sechs Jahre nach der Übernahme beschäftigt Schaeffler 440 Mitarbeiter in Morbach, die jährlich bis zu 30 Millionen Kupplungsbeläge herstellen. Damit hat das Unternehmen in Morbach seine Produktion seit 2008 verdreifacht.
Großes Angebot


Schaeffler produziert in Morbach Kupplungsbeläge für nahezu alle namhaften Automarken und Getriebehersteller auf der ganzen Welt. "Wir liefern überall hin, wo Autos produziert werden", sagt Jochen Klee, der innerhalb des Schaeffler Konzerns die Produktlinie Beläge leitet. Das Spektrum umfasst kleine Kupplungsbeläge mit 160 Millimeter Durchmesser für dreirädrige Kleinfahrzeuge, wie sie beispielsweise in Indien häufig gefahren werden, bis hin zu großen Belägen mit 430 Millimeter Durchmesser für LKW. Hinzu kommen Beläge für die Industrie, beispielsweise für Aufzüge und Windräder, Elektromotoren und landwirtschaftliche Geräte.
Schaeffler Friction produziert an insgesamt fünf Standorten Kupplungsbeläge. Neben Morbach sind dies Werke in Hamm/Westerwald, China, Brasilien und Südafrika.
"Morbach nimmt unter den fünf Produktionsstätten die zen-trale Position als Leitwerk ein," sagt Klee. Es sei nicht nur der größte Standort, sondern hier sei auch die Granulatherstellung angesiedelt. Das Granulat, das ein Hauptbestandteil der Kupplungsbeläge ist, wird von hier aus in die anderen Werke geliefert und dort weiterverarbeitet.
Warum wird das Granulat nur in Morbach hergestellt? Schaeffler Friction schützt sein Know-how, indem es die Rezeptur nicht in andere Länder weitergibt. Des Weiteren ist so eine gleichbleibende Produktqualität gesichert, erklärt Klee.
Weiterhin befindet sich in Morbach die Forschungsabteilung des Unternehmens mit fast 40 Mitarbeitern. "Hier ist unsere Keimzelle für Neuentwicklungen", sagt Klee. Was in Morbach funktioniert, wird anschließend in den anderen Werken übernommen. Beispielsweise ist von dem führenden Kupplungsbauer LUK, der ebenfalls zu Schaeffler gehört, bei dem Konzern die Doppelkupplung entwickelt worden. Dabei handelt es sich um ein automatisches Schaltsystem, das im Gegensatz zum Automatikgetriebe trocken, also ohne Öl, betrieben wird. Zudem werden bei Schaeffler Friction Kupplungsbeläge für Schaltgetriebe sowie Komponenten für Hybridmotoren hergestellt.
Das Unternehmen produziert derzeit noch keine Kupplungssysteme für Automatikgetriebe, aber 2016 soll die Serienproduktion starten. Klee: "Wir wollen für jedes Antriebskonzept eine Lösung anbieten." Damit wäre man weltweit der einzige Anbieter, der Beläge für alle Antriebssysteme liefern kann.
Damit sind auch hohe Investitionen in den Standort Morbach verbunden: 2014 will Schaeffler Friction in Morbach bis zu sechs Millionen Euro in die Erweiterung von Gebäuden und Maschinen investieren, 2015 soll die Investitionssumme noch steigen.
Zahlreiche Patente


Eine weiterer zentraler Bereich in Morbach ist die Fertigung von eigenen Produktionsmaschinen, um auch dadurch das firmeneigene Know-how zu schützen.
Denn die Maschinen, mit denen Schaeffler die Kupplungsbeläge herstellt, gibt es in dieser Form nicht auf dem Markt zu kaufen. Sie werden daher vom Unternehmen selbst produziert und dann aus Morbach in die anderen Werke geliefert. Zudem kommen Facharbeiter und leitende Angestellte aus China, Brasilien und Südafrika nach Morbach, um hier geschult und weiter ausgebildet zu werden.
Die Erzeugnisse der Produktlinie Beläge, die unter dem Markennamen LUK vermarktet werden, sichern dem Morbacher Unternehmen in diesem Produktsegment einen weltweiten Marktanteil von 30 Prozent. Damit ist Schaeffler Friction die weltweite Nummer eins unter den Herstellern von Kupplungsbelägen und gehört so zu den Hidden Champions, den Marktführern von Produkten, die jeder braucht, die beim Endverbraucher jedoch nie bewusst in Erscheinung treten. "Jeder tritt uns, aber keiner kennt uns", lacht Klee.
Um den erfolgreichen Wachstumskurs fortzusetzen, sucht Schaeffler Friction händeringend Fachpersonal. "Wir könnten mehr produzieren, wenn wir mehr Leute hätten", sagt Klee. Darunter zählen Mitarbeiter für alle Sparten des Morbacher Stammhauses, angefangen von Mitarbeitern für die Produktion bis hin zu Ingenieuren, leitenden Angestellten und Meistern Maschinenbau und Industrie.
Klees Hoffnung: Studierdende, die in Trier einen Abschluss als Ingenieur ablegen, ziehen nicht mehr in die großen Auto-Produktionsstandorte wie Wolfsburg, Stuttgart oder Ingolstadt, sondern bleiben in Morbach. Schaeffler Friction arbeitet daher auch mit der Uni Trier und der FH in Bingen zusammen, um so Fachpersonal zu gewinnen. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich für weitere Positionen innerhalb des Schaeffler Mutterkonzerns zu empfehlen und ihre Karriere weiterzuentwickeln.
Extra

Schaeffler, Produktlinie Beläge: Werke: 5 Mitarbeiter: 1050 (in Morbach: 440) Umsatz: 130 Millionen EuroExtra

Die Schaeffler Friction Products GmbH gehört zur Schaeffler-Gruppe, einem Maschinenbaukonzern und Zulieferer der Autoindustrie. Die Schaeffler-Gruppe beschäftigte 2013 weltweit rund 79 000 Mitarbeiter an 168 Standorten in 49 Ländern und erzielte einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro. 2013 belegte die Schaeffler-Gruppe mit 2100 Patentanmeldungen Platz zwei unter den innovativsten Unternehmen Deutschlands. Zum 31.12.2013 verfügte Schaeffler über etwa 20 000 Patente. cst