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Jeder Moment ist einmalig

Jeder Moment ist einmalig

Wenn die Stimmung beim Neujahrsempfang der Vereinigung der Trierer Unternehmer (VTU) ein Indiz für die Lage der heimischen Wirtschaft ist, sind die Aussichten für 2008 äußerst positiv.

Trier. Die Unternehmer der Region Trier hatten beim Neujahrstreffen der VTU gut lachen. Das lag diesmal nicht allein an der positiven konjunkturellen Lage und den guten Aussichten für die kommenden Monate, sondern vor allem an dem Festredner Manfred Lütz. Mit seinem Vortrag "Lebenslust - über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit" hat sich der Arzt und Theologe eine Spitzenposition in der langen Liste der renommierten VTU-Festredner gesichert. Das Leben nicht verpassen

Humorvoll und satirisch sezierte der Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz die "Gesundheits-Religion", die die Gesundheit zum höchsten Gut ernannt hat. Der Rheinländer ("links-rheinisch natürlich") sicherte sich gleich die Gunst der VTU-Mitglieder. "Trier ist ja nicht nur die älteste deutsche Bischofsstadt, es gibt hier wunderbaren Wein. Und neben dem Kölsch trinken wir in Köln ja gerne Bitburger. Vor allem aber hat sich die Mosel ja richtigerweise entschlossen, in den Rhein zu fließen." So satirisch Lütz sein Thema auch anbot, der ernste Hintergrund und die deutliche Meinung des Redners und Autors blieben hinter keinem Spaß zurück. Vor allem stellte der Arzt den Anspruch in Frage, dass die Gesundheit das höchste Gut sei. "Ein hohes Gut, sicher", aber wer im Fitness- und Gesundheits-Wahn vergesse, sich auch einmal Muße zu gönnen, verpasse das Leben. Lütz hält es schon eher mit der Gesundheits-Definition eines Eifeler Pfarrers. "Gesund ist der, der mit seinen Krankheiten einigermaßen glücklich leben kann."Heute aber gelte: "Wer stirbt, ist selber schuld. Und so rennen die Menschen durch die Wälder und ernähren sich nur noch von Körnern."Die Empfehlung des Kölner Arztes: "Nehmen Sie sich mehr Zeit für Frau und Kinder und mehr Zeit für Gespräche." Vor allem solle man jeden Augenblick genießen. "Denn jeder Moment ist einmalig und unwiderruflich." Zu dem Plädoyer für mehr Lebenslust passt auch die Stimmung in der heimischen Wirtschaft. Der VTU-Vorsitzende Hanns Rendenbach sieht optimistisch in die kommenden Monate: "2007 war für viele Unternehmen ein gutes bis sehr gutes Jahr." Dennoch mahnte der VTU-Chef die Politik, nicht die Reform-Dividende leichtfertig zu verspielen. "Offensichtlich ist zu viel Geld in der Kasse", was bei Politikern Begehrlichkeiten wecke. "Die Reformen dürfen nicht verwässert werden", sagte Rendenbach und kritisierte unangemessene Lohnforderungen und die Forderung nach flächendeckenden Mindestlöhnen. Umfrage Frank Natus, Geschäftsführer Natus GmbH Trier mit 550 Beschäftigten: "Die Situation ist gut. International freuen wir uns über eine gute Nachfrage im Anlagenbau, in Deutschland wächst wieder die Nachfrage im Kraftwerksbau." Harry Thiele, Geschäftsführer Werner GmbH Trier, Forst- und Industrietechnik mit 80 Mitarbeitern: "Die Geschäfte in der Metallbranche laufen gut, die Auftragsbücher sind voll." Heike Franzen, Josef Franzen GmbH in Trier mit 50 Mitarbeitern: "Wir hoffen auf die Fußball-EM, die bei uns für eine Belebung sorgen könnte. Die Lage ist derzeit echt gut." Thomas Stieren, rdts-AG und Vorsitzender Kreis Junger Unternehmer: "Die KJU-Mitglieder schauen sehr zuversichtlich ins neue Jahr. Dennoch beobachten wir kritisch, dass Reformen rückgängig gemacht werden."