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Jobs in Trier, Eifel und Mosel: So viele offene Stellen wie noch nie

Zahlen vom Arbeitsmarkt : Neue Kollegen gesucht: So viele freie Stellen gab’s noch nie

Die Wirtschaft brummt, die Betriebe suchen Personal: Der Arbeitsmarkt in der Region Trier geht mit weniger Arbeitslosen in den Sommer. Engpässe am Bau und in der Gastronomie verschärfen sich.

 „Eine deutliche Erholung in der Wirtschaft der Region Trier“, stellt Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur Trier für den Sommermonat Juli fest. Während in früheren Jahren zu dieser Zeit eher eine leichte Flaute auf dem Arbeitsmarkt herrschte, weil Bewerbungsverfahren pausierten und kaum neues Personal eingestellt wurde, ist die Lage derzeit auf stabilem Niveau. So ist die Arbeitslosigkeit um 113 auf 10 874 Menschen zurückgegangen. Im Vergleich zum Juli 2020 sind es sogar 2054 Menschen weniger. Die Arbeitslosenquote ist leicht rückläufig und liegt bei 3,7 Prozent.

Besonders auffällig: Corona hin, Corona her – die Unternehmen wollen trotz der Pandemie mehr Personal einstellen, und der Bedarf an Fachkräften steigt: „Die Entwicklung bei den gemeldeten Stellen erreicht einen neuen Rekord und übertrifft damit sogar das Niveau der Vor-Corona-Zeit“, sagt der Agenturchef. Mit 5653 freien Jobs ist der höchste Stand seit Beginn der Erhebung der Statistik vor 15 Jahren überschritten worden, er lag im Mai 2019 bei 5384 Ausschreibungen.

Suche nach Arbeitnehmern: Kleine Betriebe tun sich schwer

Dabei haben es vor allem kleinere Betriebe schwer, passende neue Kollegen zu finden, haben die beiden Wirtschaftskammern in einer Umfrage festgestellt: „Während bei Firmen bis neun Beschäftigte jede zehnte Stelle nicht besetzt werden kann, ist es bei Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten jede 85. Stelle“, hält Matthias Schmitt, Konjunkturexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier fest. Je kleiner also der Betrieb, desto schwieriger werde die Perosnalsuche. Und Schmitt erwartet, dass sich dieser Mangel bis mindestens 2023 verschärft, gingen doch zunehmend Beschäftigte der Babyboomer-Generation in Rente.

Für viele Unternehmen ist der Fachkräftemangel mittlerweile das größte Geschäftsrisiko: Anfang 2019 war dies bei immerhin mehr als zwei Dritteln der befragten Betriebe so, während im Coronajahr 2020 nur 30 Prozent darüber klagten. Mittlerweile liegt der Anteil jedoch wieder bei 51 Prozent. Tendenz steigend. „Das Thema Personal ist für die Betriebe kein softer Faktor mehr, sondern ein entscheidender und sich begrenzender Produktionsfaktor“, sagt Schmitt. Vor allem in personalintensiven Branchen wie Bau und Gastronomie.

Vor allem Fachkräfte werden gesucht

Das wird auch daran deutlich, dass vor allem Fachkräfte gesucht sind: „Rund 75 Prozent der Stellenangebote richten sich an Menschen, die mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen. Darüber hinaus wird es immer wichtiger am Arbeitsmarkt, über weitere Kompetenzen vor allem in der IT und der Digitalisierung zu verfügen“, betont Agenturchef Wilhelmi. Qualifizierung und Weiterbildung seien „die Schüsselbegriffe unserer Zeit“. Er sieht daher die Betriebe in der Pflicht, „die Beschäftigten dabei zu begleiten und zu fördern“ und auch jungen Leuten eine Chance zu geben, die nach der Schule oder Ausbildung nun verstärkt arbeitslos würden.

Für die betroffenen Kunden, vor allem Verbraucher mit Aufträgen im Handwerk, heißt das, lange auf die Fachleute auf den Baustellen zu warten. „Die Situation ist so schlimm wie nie“, sagt Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller aus Saarburg. Dabei sei der Fachkräftemangel weitaus größer als der Materialmangel, der manche Gewerke zusätzlich belaste.