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JTI steigt bei der E-Zigarette ein

JTI steigt bei der E-Zigarette ein

Der Tabakkonzern Japan Tobacco International (JTI) setzt auf die E-Zigarette. Als erstes internationales Tabakunternehmen führt JTI nach eigenen Angaben eine elek-trische Zigarette ein. Der Markt boomt und verspricht glänzende Steigerungsraten. Unumstritten ist der rauchfreie Zigarettenersatz aber nicht.

Trier. JTI mit seinem Produktionswerk in Trier ist einer der größten Zigarettenkonzerne der Welt. Im Werk auf der Eurener Flur in Trier wurden im vergangenen Jahr rund 50 Milliarden Zigaretten produziert. Mehr als 90 Prozent der in Trier hergestellten Zigaretten gehen in den Export. Camel, Winston, Benson & Hedges oder Mild Seven sind die bekanntesten Marken von JTI. Und nun setzt der Konzern zum Sprung auf den E-Zigaretten-Markt an. Ein boomender Markt, denn das Geschäft mit den rauchfreien E-Zigaretten steigt sprunghaft.
Steigende Absatzzahlen


2014 hat sich nach Angaben des Verbandes des E-Zigarettenhandels (VdeH) der Umsatz mit 200 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Für dieses Jahr werde mit einem Umsatz bis zu 300 Millionen Euro gerechnet, sagte der Sprecher des Verbandes in Seevetal (Niedersachsen).
JTI hat den Zukunftsmarkt auch in eigenen Studien durchforstet: "Der deutsche E-Zigarettenmarkt ist der fünftgrößte weltweit und der drittgrößte Europas. Nahezu 100 Prozent der Konsumenten sind klassische Tabakraucher. Immer mehr Konsumenten versorgen sich über den Einzelhandel", sagt JTI-Sprecherin Heike Maria Lau. Dagegen ist der klassische Zigarettenverkauf in der Bundesrepublik zuletzt weiter rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 80 Milliarden Zigaretten versteuert, im Jahr 2000 waren es noch knapp 140 Milliarden. Die Tabaksteuer spült dem Bund jährlich 14 Milliarden Euro in die Kassen. E-Zigaretten sind allerdings bisher in Deutschland noch steuerfrei.
Diese Form des Nikotinkonsums steht aber auch in der Kritik. Mit jedem Zug werde ein Chemikaliengemisch inhaliert, vor allem bei Dauerkonsum könne eine Krebsgefährdung nicht ausgeschlossen werden, warnte jüngst die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ), Martina Pötschke-Langer. Die E-Zigaretten, die in vielen verschiedenen Variationen auf dem Markt sind, verbrennen keinen Tabak, sondern verdampfen eine Flüssigkeit (Liquid), die Nikotin enthalten kann, aber auch nikotinfrei angeboten wird. Nach Schätzung des VdeH nutzen etwa drei Millionen Konsumenten regelmäßig E-Zigaretten.
Die E-Zigarette sei "weniger schädlich" als die herkömmliche Zigarette, "aber immer noch kein Produkt, das gesund ist", erklärte dagegen der Tabakverband.
Besteuerung ein großes Thema


JTI hat den Sprung auf den Markt gut vorbereitet. 2014 hat der Konzern die britische Firma Zandera übernommen. Das Unternehmen hatte 2009 die wiederaufladbare E-Zigarette in Großbritannien eingeführt, die dort zum Marktführer wurde.
Wer auf die elektronische Variante des Rauchens umsteigen möchte, bekommt verschiedene JTI-Angebote. Die eigentliche E-Zigarette besteht aus dem sogenannten E-Lite Curv, also einer Art Munstück, mit wiederaufladbarem Akku. Befüllt wird das Gerät mit einer Liquid-Patrone. Laut JTI werden die E-Liquids in der Schweiz produziert. Es gibt sie in den Geschmacksrichtungen Regular und Menthol. Durch einen Zug an dem Mundstück erwärmt sich die Flüssigkeit und verdampft. Dieser Dampf kann dann inhaliert werden.
Kritiker der E-Zigarette sind über die Entwicklung recht unglücklich und bemängeln "einen ungeregelten Markt". Während beispielsweise in Portugal und Italien E-Zigaretten bereits versteuert werden und danach erhebliche Absatzeinbußen verzeichneten, ist das Dampfen in Deutschland noch ohne staatliche Abgabe möglich. In Finnland dürfen elektronische Zigaretten mit nikotinhaltiger Flüssigkeit nur in Apotheken abgegeben werden. Das hat das Bundesverwaltungsgericht hierzulande abgelehnt. E-Zigaretten seien kein Arzneimittel und sollten daher frei verkäuflich bleiben.
Mit einer Besteuerung der E-Zigarette könnten sich auch die Tabakkonzerne anfreunden, aber mit der Einschränkung: Steuer ja, aber nicht zu viel. "Die Kernfrage ist, was der Konsument noch als angemessene Besteuerung empfindet und bereit ist zu zahlen - ein Ausweichen auf illegale Märkte ist unbedingt zu verhindern", sagt Unternehmenssprecherin Heike Maria Lau.