1. Region
  2. Wirtschaft

Kammern wollen "echte" duale Studiengänge

Kammern wollen "echte" duale Studiengänge

Die rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHK) haben eine "Initiative für den Mittelstand" formuliert. Darin stellen sie im Vorfeld der Landtagswahl Forderungen auf, die von der rot-grünen Landesregierung ihrer Einschätzung nach zügig umgesetzt werden könnten.

Mainz. Die Kammern verlangen beispielsweise, dass Flüchtlinge schneller und leichter in den Ausbildungsmarkt integriert werden. Aber auch ansonsten haben die IHK eine Reihe politischer Ansinnen. Hier ein Überblick.
Ausbildungsintegrierte duale Studiengänge stärken: Die Kammern verlangen duale Studiengänge, die diesen Namen auch wirklich verdienen. Die Wirtschaft hat großes Interesse an Studenten, die gleichzeitig Erfahrungen in einem Unternehmen sammeln, also Theorie und Praxis verbinden.
Dieser Weg wird nach Ansicht der Kammern zu selten und zu inkonsequent beschritten. Zu selten, weil es in Rheinland-Pfalz nur 2600 Studierende in 67 dualen Studiengängen gibt. In Baden-Württemberg sind es 34 000 Studenten.
Und zu inkonsequent, weil die dualen Studenten nur in ganz normalen Vorlesungen an den Universitäten unterrichtet werden. Sie laufen quasi im Normalbetrieb mit. In Baden-Württemberg wurden indes eigene, also "echte" duale Studiengänge geschaffen. So etwas wünschen sich die Kammern in Rheinland-Pfalz auch - und zwar in den Disziplinen Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Elektrotechnik.
Das bisherige rheinland-pfälzische Angebot bezeichnet der Koblenzer IHK-Geschäftsführer Arne Rössel als "Schummelpaket".
Verbindliche Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen: Die Kammern verlangen, dass bereits gefasste Beschlüsse verbindlicher umgesetzt werden. Dazu sollen unter anderem Fortbildungen und Lehrgänge für die Berufswahlkoordinatoren an den Gymnasien verpflichtend werden. Die IHKs sehen "häufig unklare Berufsvorstellungen von Schulabgängern als größtes Ausbildungshemmnis".
Leichtere Hochschulzugänge für beruflich Qualifizierte: Wer in Rheinland-Pfalz eine Ausbildung mindestens mit der Durchschnittsnote 2,5 abgeschlossen hat und zwei Jahre im Beruf war, darf an einer Fachhochschule oder - in seiner Fachrichtung - sogar an einer Hochschule studieren. Die Kammern halten die Zulassungshürde "zweijährige Berufspraxis" für verzichtbar. Dieser Passus im rheinland-pfälzischen Hochschulgesetz müsste ihrer Ansicht nach gestrichen werden. Rüdiger Beyer, Hauptgeschäftsführer der IHK-Pfalz, meinte: "Die verlangte Berufspraxis ist keine Zusatzqualifikation, die besonders befähigt."
Erhalt der Innovationsstiftung: Die IHK streiten nach wie vor mit aller Vehemenz für den Erhalt der rheinland-pfälzischen Innovationsstiftung, die die Landesregierung auflösen will. Über die Stiftung wurden jährlich zwischen 4,8 und 5,7 Millionen Euro für Projekte im Bereich anwendungsorientierte Forschung und Grundlagenforschung unterstützt. Günter Jertz, Hauptgeschäftsführer der IHK-Rheinhessen, kritisierte: "Im Land wird viel von Innovation gesprochen. Sie wird aber nicht ausreichend gelebt."
Landesgleichstellungsgesetz abspecken: Hier bemängeln die IHKs Pläne des Landes, die Gleichstellung von Mann und Frau in den Firmen als Vergabekriterium bei öffentlichen Aufträgen festzuschreiben: "Das Vergaberecht ist für die Durchsetzung gesellschaftspolitischer Ziele ungeeignet", heißt es. Günter Jertz bezweifelte, dass sich "ein italienischer Keilriemenlieferant, oder ein Zulieferer aus China" nach den rheinland-pfälzischen Regeln richten werden. Die Kammern warnen vor realitätsfremden Vorschriften.
Mittelstandsförderungsgesetz verschärfen oder abschaffen: Das Gesetz läuft im Frühjahr 2016 aus. Da die Regelungen aber derart schwammig und unverbindlich sind, halten die IHK wenig davon. Der Koblenzer IHK-Hauptgeschäftsführer Rössel: "Entweder formuliert man das Gesetz strenger und verbindlicher oder man lässt es einfach verschwinden."
Bürokratie abbauen:
"Bürokratie, immer neue gesetzliche Vorgaben und die steigende Abgabenlast erschweren den Unternehmen das Wachstum und gefährden an vielen Stellen auch die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes", sagt Rössel. Die mittelständischen Betriebe beschäftigen in Rheinland-Pfalz mehr als Dreiviertel aller Arbeitnehmer.
"Unsere Forderungen zeigen, dass bisweilen schon vergleichsweise einfache Weichenstellungen ausreichen, um die Unternehmen und damit die Gesellschaft insgesamt voranzubringen", betont Rössel.