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Kampf für Betriebsrat bringt viel Ärger

Kampf für Betriebsrat bringt viel Ärger

Protestplakate, die plötzlich verschwinden, Mitarbeiter, die gehen müssen, eine Unternehmensleitung, die schweigt, und dann schaltet sich auch noch Günter Wallraff ein. Der Industriegewerkschaft (IG) Metall zufolge liegt bei dem Trierer Unternehmen Natus einiges im Argen. Sie kämpft dafür, dass die 600 Mitarbeiter einen Betriebsrat bekommen.

Trier. Gutlaufende Geschäfte, eine neue Produktionshalle, neue Arbeitsplätze und obendrauf noch ein Landespreis für bürgerschaftliches Engagement - als Frank Natus, Geschäftsführer des Trierer Schaltanlagenherstellers Natus, im Wirtschaftsmagazin Macher das Geschäftsjahr 2011 bilanzierte, klang das recht zufrieden.
Firma äußert sich nicht


Wie es dem rund 600 Mitarbeiter starken Unternehmen - einem der größten Arbeitgeber in Trier - derzeit geht, ist nicht zu erfahren. Denn Natus möchte sich der Presse gegenüber nicht über die aktuellen Vorkommnisse und ihre Hintergründe äußern. Einen deutlichen Hinweis darauf, dass es intern Probleme gibt, lieferte eine Plakat-Posse, die sich dieser Tage vor den Toren des Werks in der Loebstraße abspielte: Die IG Metall hatte dort Plakate aufgehängt, die jedoch verschwanden, von der Gewerkschaft daraufhin bei der Polizei als gestohlen gemeldet wurden, kurz darauf wieder auftauchten und seitdem Botschaften verkünden, die für das Unternehmen unangenehm sein dürften: "Prima Klima mit Betriebsrat auch bei Natus!", "Ein Arbeitsumfeld, das nicht krank macht. Besser Betriebsrat. Auch bei Natus" oder "Die Würde des Menschen ist unantastbar".
IG: Bezahlung unter Tarif


Unangenehm sein dürfte Natus auch eine Internetseite, die die Gewerkschaft frisch freigeschaltet hat: Auf igm-natus.de meldet sich nun sogar der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff zu Wort und prangert die Arbeitsbedingungen bei dem international tätigen Unternehmen an. "Natus in Trier ist leider nicht mal vierte Liga - jedenfalls, wenn es darum geht, die Mitarbeiter mit dem eigentlich üblichen Respekt zu behandeln", schreibt Wallraff auf Grundlage dessen, was er von Kollegen über Natus gehört habe. Umso mehr wünsche er allen, die einen "Arbeitsalltag ohne Willkür" fordern, Erfolg bei der Einrichtung eines Betriebsrats.
Und genau darum geht es der IG Metall. Sie bemängelt, dass das Unternehmen trotz seiner Größe kein Gremium hat, das die Belange der Angestellten vertritt. "Da liegt einiges im Argen", sagt Gewerkschaftssekretär Patrick Georg. Die Bezahlung sei deutlich unter Tarif, das Lohngefüge ungerecht, und es mangele beim Umgang mit den Mitarbeitern an Respekt, sagt er. Zudem hat es laut Georg Kündigungen gegeben. Auch für vier IG-Metall-Mitglieder. "Ausgerechnet diejenigen, die sich für die Einführung eines Betriebsrats engagiert haben", sagt der Gewerkschafter und fügt hinzu: "Wir sind entschlossen, alle unsere rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen."
Klage eingereicht


Im Fall der entlassenen Mitarbeiter wurden Kündigungsschutzklagen eingereicht. Für den 28. Juni organisiert die IG Metall zudem eine Belegschaftsversammlung. Bei dieser soll dann ein Wahlvorstand gewählt werden, der wiederum die Betriebsratswahlen organisiert. Was die Unternehmensleitung von alledem hält, ist ungewiss. "Wir geben keine Auskunft zu dem Thema", heißt es auf TV-Anfrage.Extra

Die Trierer Firma Natus stellt Schaltanlagen her. "Systeme von Natus versorgen, steuern und schützen Industrieanlagen in der ganzen Welt", heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Das Leistungsspektrum reiche von modernsten Mittel- und Niederspannungssystemen über Anlagen- und Prozessautomatisierung, Leittechnik und Service bis hin zu elektrotechnischen Gesamtlösungen. kah