Kampf um die Kunden: Verkaufsfläche für Luxemburger Einzelhandel wächst enorm

Kampf um die Kunden: Verkaufsfläche für Luxemburger Einzelhandel wächst enorm

Luxemburgs Einzelhandel mausert sich: Nicht nur, dass es den Kunden laut Umfragen wieder mehr Spaß macht, im Großherzogtum einzukaufen. Auf der grünen Wiese und im Zentrum der Hauptstadt werden einige neue Konsumtempel entstehen.

Luxemburg. Als ein Argument für die geplante Aufrüstung des Trie-rer Einzelhandels um ein neues Einkaufszentrum in der City (der TV berichtete) wird die wachsende Konkurrenz aus Luxemburg ins Feld geführt. Doch was tut sich hinter der Grenze in Sachen Shopping? Mehrere Großprojekte sind geplant, einige stecken jedoch in der Sackgasse. Der TV hat den Handel im Großherzogtum unter die Lupe genommen.

Die Fakten: Der Luxemburger Einzelhandelsverband CLC (Confédération Luxembourgeoise du Commerce) spricht bei etwa 7000 Händlern von einer Einzelhandelsfläche von rund einer Million Quadratmetern im Land - inklusive handelsnahen Gewerken wie Bäckereien und Frisörläden. Infolge geplanter Erweiterungen kämen in fünf bis zehn Jahren 130 000 Quadratmeter hinzu. Die Stadt Trier hat laut Stadtverwaltung derzeit eine Einzelhandelsfläche von rund 264 000 Quadratmetern (City: 120 000).
Wie wichtig die Luxemburger Kunden für den Trierer Handel sind, zeigt, dass ein Siebtel des Umsatzes auf die Nachbarn aus dem Großherzogtum zurückgeht. Immerhin gibt ein Luxemburger Haushalt im Jahr laut Statistik-amt Statec rund 17 500 Euro im Einzelhandel aus. Im Luxemburger Handel wurden laut CLC 2012 knapp 17 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet - inklusive der Erträge aus dem Tanktourismus und dem Onlinehandel.

Die Projekte: Den größten Wirbel verursachten bislang die Vorhaben in Liwingen und Wickringen. In Liwingen nahe Bettemburg war ein neues Nationalstadion für Luxemburgs Fußballer vorgesehen (30 000 Quadratmeter), garniert mit einem großen Outlet Center (rund 70 000 Quadratmeter) und Autobahnkreuz, unterstützt durch den Investor Flavio Becca (Sportmäzen in der Formel 1 und im Radsport sowie Ex-Planer des Golfplatzes Tawern). Doch nach hitzigen Diskussionen über persönliche Beziehungen zwischen Regierung und Privatinvestoren, Abhöraktionen und Erpressung ist ein Stadionneubau vom Tisch. Auch rund ums Shopping-Projekt herrscht derzeit Ruhe.
Zeitgleich zum Liwinger Projekt rutschte auch das Einkaufszentrum Wickringen "Messdall" mit in den Skandal. Investor Guy Rollinger soll von Becca gegen Geld zur Aufgabe des Projektes gedrängt worden sein. Ursprünglich sollten in Wickringen 24 000 Quadratmeter Handelsfläche entstehen. Rollinger hat seine Anteile inzwischen verkauft, die verbliebenen Investoren planen nun eine viel kleinere Einkaufsgalerie. Die Baugenehmingungen dazu stehen allerdings aus.
Mitten in Luxemburgs Innenstadt soll mit dem "Royal Hamilius" ein Wohn- und Geschäftszentrum mit 30 000 Quadratmetern Fläche für Büros, Geschäfte und Gastronomie entstehen. Aktueller Stand: Aufgrund von Anwohnerbeschwerden hat das Luxemburger Verwaltungsgericht das Prestigeprojekt von Stararchitekt Norman Foster gebremst. Die Gestaltung der Grünflächen ist nicht präzise genug. Das Bauende wird sich mindestens um ein Jahr auf 2018 verzögern.
Im Süden der Hauptstadt sind im Neubauviertel Ban de Gasperich die ersten Bagger angerückt. 2014 sollen die zentralen Verkehrsachsen durchs Viertel entstehen, bis Ende 2016 soll ein Auchan-Einkauszentrum fertig sein. Für Hypermarkt, Bekleidung und Elektronik sind etwa 66 000 Quadratmeter Fläche vorgesehen.
Fakten geschaffen hat bislang als einzige die Cactus-Gruppe in Bertrange mit dem Einkaufszentrum "Belle Etoile". Es wurde zum vierten Mal erweitert und nun für 50 Millionen Euro um 35 neue Geschäfte auf 105 vergrößert. Der Pionier der Luxemburger Shopping-Malls (Eröffnung 1974) ist so auf 39 000 Quadratmeter Verkaufsfläche gewachsen und nach eigenen Angaben größtes überdachtes Einkaufszentrum der Region.

Die Luxemburger Sicht: Beim Luxemburger Einzelhandelsverband stoßen Pläne für neue Einkaufszentren "nicht unbedingt auf große Begeisterung", wie CLC-Direktor Thierry Nothum sagt. Er hat dabei nicht nur Trier, sondern auch Metz oder Thionville im Blick. "Es gibt überall eine Aufrüstung als Antwort auf eine immer größere Konkurrenz im Umland", sagt er und ist dabei überzeugt: "Es wird irgendwann mal krachen, nur weiß niemand, auf welcher Seite der Grenze." Dabei sieht er sich durchaus in einer komfortablen Position. Denn nachdem der Verband mehrere Kampagnen gestartet hat, hat die Attraktivität des Großherzogtums als Einkaufsparadies zugenommen, wie zwei Drittel der Luxemburger bestätigen. "Wir können nun die Früchte unserer Arbeit ernten", sagt Nothum und verweist auf einen Rückgang des Kaufkraftabflusses seit sechs Jahren. Dennoch besagt die Studie von TNS Ilres auch, dass nach wie vor jeder zweite Luxemburger lieber im Ausland einkauft. Die Gründe: niedrigere Preise, eine größere Produktauswahl und die deutsche Sprache als Shopping-Argument.

Die Trierer Sicht: Die City-Initiative als Vertretung der Trierer Kaufleute sieht die wachsende Konkurrenz in Luxemburg weniger mit Sorge als vielmehr mit Neugier. "Es ist schwer abzuschätzen, was der Kunde mehr schätzt: Passage oder Fußgängerzone", sagt Vorstand Jürgen Poss. Trier habe ein einzigartiges Flair. Und dazu gehörten auch die Luxemburger, denen die City-Initiative seit acht Jahren eigens einen Einkaufstag widmet. Dennoch sagt Poss: "Jede Flächenexpansion hat in der Vergangenheit zu verstärkter Konkurrenz geführt." Und das sei nicht immer für alle Händler gut.

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