TV-Serie: Fachkräfte gesucht: Karriere in der Pflege? Fast 400 freie Jobs

TV-Serie: Fachkräfte gesucht : Karriere in der Pflege? Fast 400 freie Jobs

Der Fachkräftemangel in der Region Trier ist für die Wirtschaft ein großes Problem. In einer Serie greift der Volksfreund die Thematik auf, sucht positive Beispiele, zeigt wo es brennt und sucht nach Ursachen, Gründen – und auch nach Auswegen.

Pflegekräfte werden händeringend gesucht. Daher sollen mehr Berufseinsteiger dafür begeistert werden, erklärte jüngst Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). In Saarburg hat man die Zeichen der Zeit längst erkannt. Einfacher macht das die Sache aber nicht. Im vergangenen Jahr wurden der Arbeitsagentur Trier 1100 freie Stellen in diesem Bereich gemeldet – die Tendenz seit Jahren: steigend. Und aktuell sind in der Region auch noch 370 offene Stellen zu besetzen.

Seit Jahren hat sich das Saarburger Pflegenetzwerk der Nachwuchsproblematik verschrieben. Ihm gehören die Kranken- und Altenpflegeschulen, die Realschule plus in Konz, die Agentur für Arbeit Trier und das Jobcenter Trier-Saarburg an. Am „Tag der Pflege“ (siehe Info) wird die Werbetrommel für die Branche gerührt. Denn das die Pflege ein Imageproblem hat, ist den meisten Verantwortlichen bekannt. Doch zu Unrecht, wie Irene Schuster, Pflegedirektorin des Kreiskrankenhauses St. Franziskus betont. „Wer sich für die Pflege interessiert, kann zu jeder Zeit in den Beruf einsteigen.“ Und die Ausbildung sei weit gestreut, es gebe mehrere Bildungswege die zur persönlichen Karriere führen könne. Deshalb spricht die Veranstaltung auch Menschen aus verschiedenen Gruppen an. „Schulabgänger, Wieder- oder Quereinsteiger könnten sich in Saarburg informieren und inspirieren lassen“, erläutert Helga Becker-Merl, von der Berufsbildenden Schule in Saarburg. Rund 140 Auszubildende besuchen derzeit die BBS, die seit kurzem auch eine Außenstelle in Hermeskeil eingerichtet hat. „Wir wollen dort in der Unterstufe Schülern die Möglichkeit bieten, die sonst Anfahrprobleme gehabt hätten“, so Becker-Merl. Die Verantwortlichen wollen keine Kraft verlieren. Die Azubis, die sich für einen Pflegeberuf entschieden haben und derzeit in Ausbildung sind, sind zwischen 16 und 54 Jahren alt.

„Wir haben die meisten über ein Praktikum für den Beruf begeistert“, sagt Pflegedirektorin Schuster. Dafür besuchen ihre Mitarbeiter Schulen, laden Klassen zu Aktionen ein oder präsentieren sich auch im Krankenhaus am „Tag der Hände“ – einem Hygienetag im Foyer des Krankenhauses. Zudem erfahren 150 bis 200 Praktikanten jedes Jahr, was ein Beruf in der Pflege bedeutet. Insgesamt hat das Krankenhaus rund 60 Auszubildende.

Ihre Erfahrungen geben auch drei Auszubildende weiter:

Felicia Leuchter ist seit 2017, nach ihrem Abitur, Auszubildende für Gesundheits- und Krankenpflege am Saarburger Krankenhaus. „Viele meiner Freunde haben mich gefragt, warum ich mit dem Abitur nur eine solche Ausbildung mache“, erzählt die Aachenerin, die zur Lehre an die Saar gezogen ist. „Ich bin aber sehr glücklich in meinem Beruf. Viele sehen einfach nicht das Große und Ganze in der Pflege“, erzählt die junge Frau. Der Beruf sei sehr vielfältig und anspruchsvoll. Hinzu käme der Schichtdienst, der vielen etwas ausmache. „Doch wir sind oft der erste Ansprechpartner für die Patienten und das ist wichtig.“

Schichtdienst, hohe Qualifikationsansprüche – der Beruf ist sicher nicht einfach, erklärt auch Fachlehrerin Helga Becker-Merl. Wer unvorbereitet und uninformiert in den Job geht, gibt denn auch schon mal auf. „In einem Kurs von 30 Azubis hören im Schnitt fünf bis sechs Teilnehmer auf.“ Die Erfahrung hat auch Felicia Leuchter gemacht, eine Kollegin von ihr hat nach einigen Monaten die Ausbildung hingeworfen. „Die Ansprüche in der Schule und der Schichtdienst waren ihr zu viel.“

Auch Susana Dragomir hat überlegt, ob sie die Ausbildung schafft. Die alleinerziehende Mutter ist vor sechs Jahren nach Deutschland gekommen und hat nach ersten Sprachkursen in Teilzeitjobs gearbeitet. In Rumänien habe sie Psychologie studiert und deshalb wollte sie in einen ähnlichen Beruf. Nach einem Praktikum beim Malteser Hilfsdienst hat sie dann 2017 im Haus Burgblick eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. „Das war am Anfang sehr schwer, doch ich habe viel Unterstützung bekommen“, sagt sie. Volker Kirchen, Leiter des Seniorenzentrums Haus Burgblick, kennt solche Startschwierigkeiten. „Von 15 Auszubildenden haben wir sechs über das Programm ,WeGebAU’ bekommen.“

Die Arbeitsagentur hilft und unterstützt damit Bewerber und Betriebe bei der Ausbildung. Julia Benning, Pressesprecherin bei der Arbeitsagentur: „Von 2014 bis 2018 wurden insgesamt 282 Ausbildungen in der Altenpflege durch eine Qualifizierungsoffensive der Agentur für Arbeit Trier im Zuge der ,Weiterbildung geringqualifizierter, beschäftigter Arbeitnehmer im Unternehmen’ (WeGebAU) gefördert.“ Und ihre Kollegin, Arbeitsvermittlerin Ute Pöhlmann, sieht darin eine Win-Win-Situation für alle Seiten: „Allein im vergangenen Jahr wurden 65 abschlussorientierte Weiterbildungen zum Altenpfleger durch dieses Programm gefördert.“ Und unter denen, die die Weiterbildung zur Altenpflege-Fachkraft beendet hätten, seien sechs Monate nach Ende der Qualifizierung rund 90 Prozent der Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Auch Britta Nentwich macht ihre Ausbildung zur Altenpflegerin beim DRK in Konz. Für die Frau erfüllt sich damit mit Mitte vierzig ein Lebenswunsch.  „Ich habe als junge Frau nach der Schule eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin gemacht, weil es sich damals angeboten hat“, erinnert sie sich. Doch für sie war die Pflege immer schon ein Ziel. In den vergangenen Jahren hat sie als Selbstständige Pflegedienste für Familien übernommen und zum Schluss auch Familienangehörige betreut. „Ich wollte aber schon lange eine Ausbildung in diesem Bereich machen.“ Sie ist glücklich, als Quereinsteigerin diese Chance zu haben. Aus ihrer Sicht erfährt der Pflegeberuf nicht die Anerkennung, die er verdient. „Es ist ein anspruchsvoller aber auch sehr schöner Beruf.“

Das Miteinander im Team, die Anerkennung der betreuten Menschen, das Gefühl etwas Positives zu erreichen – all dies gehöre eben auch zum Pflegeberuf dazu. Die Anerkennung durch die Gesellschaft beschäftigt auch die anderen. Pflegedirektorin Irene Schuster: „Alle wollen gut gepflegt werden und alle wollen gut versorgt sein. Aber was ist das uns als Gesellschaft wert?“, fragt sie. Auch Volker Kirchen sieht die Branche all zu oft von Politik und Gesellschaft alleine gelassen: „Dann wird das auf dem Rücken der Pflegekräfte ausgetragen, was die Gesellschaft versäumt hat.“ Zur  Messe in Saarburg bringt das Haus Burgblick einen Alterssimulator-Anzug mit; Gelegenheit für die Besucher, selbst zu testen, wie gut und nötig Hilfe im Alter ist. Britta Nentwich erfährt wie dankbar die Aufgabe sein kann. „Das Zimmer im Altenheim ist für Menschen oft die letzte Heimat. Und die soll auch schön und angenehm sein.“

Mehr von Volksfreund