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Karrierestart als Tellerwäscher

Karriere im Hotelfach? In ganz Deutschland suchen Betriebe guten Nachwuchs. Symbolbild: dpa
Karriere im Hotelfach? In ganz Deutschland suchen Betriebe guten Nachwuchs. Symbolbild: dpa FOTO: ARRAY(0x1621c33f0)
Bernkastel-Kues. Die Hotelfachschule Bernkastel-Kues bildet seit 1988 Absolventen aus der Gastronomie für ihren weiteren Karriereweg aus. Bereits 500 Schüler haben diesen Weg gewählt und arbeiten heute in aller Welt. Lena Mart

Bernkastel-Kues. Nach der Ausbildung im Restaurant oder Hotel muss noch lange nicht das Ende der Karriereleiter erreicht sein. Auf der Fachschule für Hotelbetriebswirtschaft und Hotelmanagement (kurz Hotelfachschule) in der Berufsbildenden Schule (kurz BBS) in Bernkastel-Kues werden Talente nach ihrer Lehre zwei Jahre lang auf höher qualifizierte Aufgaben vorbereitet.
"Unser Ziel ist es, junge Leute als Führungskräfte fit zu machen", sagt Stefan Lehnertz, Abteilungsleiter und Studiendirektor. "Es ist aber eine klassische Weiterbildung, keine Erstausbildung. Der ordentliche Weg, um in der Gastronomie Karriere zu machen, sind Hotelfachschulen", erklärt Lehnertz.
Auf dem Stundenplan steht neben hotel- und wirtschaftsspezifischen Pflichtfächern zum Beispiel auch das Wahlpflichtfach Berufs- und Arbeitspädagogik, das die Schüler dafür qualifiziert, auszubilden. Die 25-jährige Anna Buss, die dieses Jahr ihren Abschluss gemacht hat, sieht sich in der Zukunft als Human Resource Managerin mit Blick auf die Nachwuchsausbildung. "Ich war auf der Hotelfachschule, um meine persönlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Das ist neben BWL insbesondere die Personalführung", erklärt Anna Buss, die ihre Erstausbildung im Weinromantikhotel Richtershof in Mülheim absolviert hat.
Außerdem können die Schüler auch ein regionalspezifisches Lernmodul wählen. "Bei uns ist das Thema Wein sehr wichtig", sagt Stefan Lehnertz. "Die Weinberatung hat natürlich ein regionalspezifisches Alleinstellungsmerkmal."
Damit die schulische Ausbildung aber nicht bloß theoretisch verläuft, wird das Abschlussprojekt nicht nur am Beispiel eines realen Restaurants theoretisch besprochen, sondern teilweise auch durchgeführt. "Als Abschluss müssen die Schüler Probleme eines Gastronomiebetriebes analysieren, eine Lösung finden und diese umsetzen", erklärt Willi Günther, Oberstudiendirektor der BBS Bernkastel-Kues. So habe ein größeres Hotel in der Region ein zusätzliches Restaurant geplant. "Unsere Schüler haben dann unter anderem eine Gästeanalyse durchgeführt oder ein Getränke- und Speisekonzept aufgestellt", erklärt Günther.
Hotelfachschulen gibt es in Rheinland-Pfalz übrigens nur drei: Eine Schule in Edenkoben, in Koblenz und eben in Bernkastel-Kues. Die Zukunftsperspektiven für Absolventen stehen gut. "Unsere ehemaligen Schüler sind hochqualifiziert und weltweit in Führungspositionen zu finden", sagt Willi Günther.
Dabei motiviert er junge Talente, nach der Ausbildung ihre Chance zu ergreifen. "Man kann sozusagen vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen."Extra

Die Voraussetzungen für die Teilnahme an der zweijährigen Weiterbildung an der Hotelfachschule sind: Der Sekundarabschluss eins, eine Ausbildung als Koch oder im Hotel- oder Restaurantfach und danach einjährige Praxiserfahrung. Nach deutschem Qualifikationsrahmen ist der Abschluss auf gleicher Stufe wie der Bachelor. Mit dem Abschluss erlangen die Schüler aber auch die Fachhochschulreife, womit sie sich für ein Studium an einer Hochschule qualifizieren. lem