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Karte weg: Bald schon die 116 116 wählen

Karte weg: Bald schon die 116 116 wählen

TRIER/Luxemburg . Knapp 120 Millionen Kreditkarten sind in Deutschland im Umlauf. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 120 000 Betrugsfälle mit gestohlenen und verlorenen Karten. Die Schadenssumme: fast 65 Millionen Euro, mit stark steigender Tendenz.

Dem ersten Schreck bei Verlust oder Diebstahl einer Kreditkarte folgt die aufgeregte Suche nach der richtigen Sperrnummer. Doch in Deutschland gibt es mehr als 50 Sperrnummern für Kreditkarten. Dazu kommen nochmals über 50 Sperrnummern für Handys, Kundenkarten von Warenhäusern und SB-Märkten sowie Krankenkassenkarten. Eine bundeseinheitliche Sperrnummer (01805 021 021) gibt es bisher nur für Electronic Cash-Karten (EC-Karten). Bei der Vielzahl der zumeist zehnstelligen Rufnummern ist es fast unmöglich, sofort die richtige Sperrnummer zur Hand zu haben, geschweige den im Kopf. Seit 1998 arbeitet der privatrechtliche Verein "Sperr e.V." am Projekt einer einheitlichen nationalen Rufnummer 116 116 zum Sperren von Kredit- und Debitkarten, Handys, Kundenkarten, Krankenkassenkarten und sonstigen sensiblen elektronischen Berechtigungen. Michael Denck ist Vorsitzender des Vorstands von Sperr e.V. Er ist erleichtert über die akzeptierte vorgeschlagene Rufnummer: "Fast zweieinhalb Jahre haben wir für die Sperrnummer 116 116 gekämpft. Diese Nummer wird genauso einprägsam sein wie die derzeitigen Notrufnummern für Polizei (110) und Feuerwehr (112)." Schirmherr des Projekts ist Bundesinnenminister Otto Schily. Das Bundeskabinett hat das Projekt von Sperr e.V. im Dezember 2003 in den Masterplan "Informationsgesellschaft Deutschland 2006" aufgenommen und damit die Notwendigkeit einer einheitlichen Sperrnummer bestätigt. Die Regulierungsbehörde Telekommunikation und Post (RegTP) hat gerade die Anhörung zum Vergabeverfahren der Rufnummer 116 116 abgeschlossen. Nach Auswertung der Ergebnisse wird die Rufnummer in einem gesonderten Vergabeverfahren ausgeschrieben. Nach einer online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid haben 81 Prozent nicht sofort ihre Telefonnummern zum Sperren ihrer Karten zur Hand. Rund 90 Prozent befürworten deshalb eine einheitliche Sperrnummer und würden sich auch an den Vermittlungskosten beteiligen. Positive Ergebnisse erbrachte auch die Umfrage "Card Stop Europe" der Europäischen Kommission (EK) unter 7500 Bürgern in den alten 15 EU-Ländern. 83 Prozent der Befragten wünschen sich eine europäische Sperrnummer, aber nur 51 Prozent würden für einen solchen Service auch bezahlen. In den zuständigen Brüsseler Gremien wird eine einheitliche europäische Sperrnummer für elektronische Berechtigungen befürwortet. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), der Bundesverband deutscher Banken (BDB) und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) unterstützen ebenfalls die Idee einer einheitlichen Sperrnummer. Luxemburg hat bereits eine einheitliche Sperrnummer für die rund 760 000 Kredit- und Debitkarten. Direktor Jean-Paul Bettendorf vom Zentrum für elektronische Abrechnungen (Cetrel) in Munsbach ist aber pessimistisch in Bezug auf eine europaweit gültige Sperrnummer: "Der technische und finanzielle Aufwand für eine einheitliche nationale Sperrnummer ist schon erheblich, und umso mehr gilt dies für eine europäische Sperrnummer. Ein derartiges Projekt kostet viel Geld und die Kosten müssten letztlich die Karteninhabern tragen." Noch liegt das Projekt "116 116" zur Prüfung beim Wirtschafts- und Innenministerium, doch die Verantwortlichen hoffen, dass die Nummer bald am Netz ist.