"Kaufe nichts, was du nicht verstehst"

"Kaufe nichts, was du nicht verstehst"

Nach der Prokon-Pleite besteht aus Sicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) noch Hoffnung, dass Kleinanleger einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Ein Verbot von riskanten Finanzgeschäften gehe aber am Kern des Problems vorbei, so Markus Neumann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der SdK.

Berlin. Über die Probleme, die sich nun für Kapitalanleger zeigen, sprach mit Markus Neumann unser Berliner Korrespondent Hagen Strauß. Herr Neumann, haben die Kleinanleger bei Prokon noch eine Chance, etwas von ihrem Geld zurückzubekommen? Markus Neumann: Das ist eine schwierige Frage. Das Problem ist, dass zurzeit kein transparentes Zahlenwerk vorliegt. Wir wissen daher nicht, in welchem Umfang es andere Gläubigergruppen gibt und was letztendlich für die Genussscheininhaber bleibt. Sind sie die einzigen, dann wird auch ein guter Teil des angelegten Geldes an sie zurückfließen. Es besteht also noch Hoffnung. Muss man bei hohen Renditeversprechen nicht automatisch stutzig werden? Neumann: Wir sagen seit Jahren nichts anderes. Wer sich im grauen Kapitalmarkt auskennt, der weiß, dass zehn bis 15 Prozent der eingeworbenen Summe für Vertriebs- und Marketingprovisionen nötig sind. Bei Prokon konnte man das gut sehen, flächendeckend wurde in Deutschland groß geworben, es gab viele Beratungsbüros. Acht Prozent Verzinsung müssen mit Windparks erst einmal erwirtschaftet werden. Aber viele Menschen haben daran geglaubt. Neumann: Das ist richtig. Und das ist das Fatale. Das Problem ist, dass viele Kleinanleger sich einfach nicht genug mit den Investments beschäftigen, die sie tätigen. Es gibt Menschen, die haben ihr gesamtes Vermögen in Prokon-Genussscheine gesteckt. Diese Anleger dachten wirklich, das seien sichere Produkte. Begrüßen Sie es, dass die Bundesregierung den Kleinanlegerschutz verbessern will? Neumann: Wir befürchten eine neue Regulierungsorgie, die am Kern vorbeigeht. Man muss endlich mehr für die Anlegerbildung tun. Es sind die Fundamente, die Kleinanlegern fehlen, und die vermittelt werden müssen. Es bringt doch nichts, wenn die Bafin noch einmal über einen Unternehmens-Prospekt schaut oder noch eine Regulierungsstufe einzieht. Worauf sollten Kleinanleger grundsätzlich achten? Neumann: Es gibt drei Punkte, die man am Fall Prokon sehr gut festmachen kann. Erstens: Die Geschäftszahlen und die Geschäftslage müssen transparent sein. Das ist bei Prokon momentan aus Sicht der SdK nicht der Fall. Zweitens gilt, dass man nicht in irgend etwas investieren sollte, was langfristige Vermögenswerte wie zum Beispiel Windparks kurzfristig finanziert. Erhebliche Liquiditätsprobleme können dann die Folge sein. Und der letzte Punkt ist: Kaufe nichts, was du nicht verstehst! has