Kaufen lohnt sich immer noch

Kaufen lohnt sich immer noch

Kaufen statt mieten: Diese Werbung vieler Immobilienmakler stellt Interessenten vor die Frage, was an dem Spruch überhaupt dran ist. Für die Region Trier gilt: Gerade in den Zentren wächst der Bedarf an Wohnraum - vor allem für Senioren.

Trier. Trier, Bitburg, Schweich, Wittlich: Diese Orte sind bei Immobilienbesitzern derzeit stark gefragt. Immerhin 70 Prozent der verkauften Immobilien in Rheinland-Pfalz liegen in Ballungsräumen, stellt die LBS Immobilien fest. Der nach eigenen Angaben größte Immobilienmakler Deutschlands hat gerade in den vergangenen drei Jahren einen Trend hin zum Wohnen in Städten und Mittelzentren ausgemacht. "Besonders angespannt ist der Immobilienmarkt weiterhin in der Stadt Trier", stellt LBS-Geschäftsführer Thorsten Griebel für die Region fest. 20 Anfragen auf ein Objekt - das sei die Regel. Bei manch einer Immobilie sei noch nicht einmal ein Exposé erstellt, wenn es bereits in den Markt gehe, so hoch sei die Nachfrage. Wer ist es, der in Trier kaufen will?"Es sind immer noch die Kapitalanleger." Aber die seien inzwischen nicht mehr bereit, zu jedem Preis zu kaufen, hält Griebel fest. Derzeit ist die psychologische Grenze von 3000 Euro pro Quadratmeter Wohneigentum schon fast erreicht. Der Immobilienexperte weiß: "Da schauen sich die Anleger schon genauer an, ob sich eine Investition angesichts der zu erzielenden Miete lohnt."Lohnt sich der Kauf einer Immobilie in Trier noch?Für Immobilien-Experten wird im Rahmen der Bewertung der Preiswürdigkeit von Immobilien dann immer der sogenannte Kaufpreisfaktor oder Vervielfältiger im Verhältnis zur Jahresnettomiete ermittelt. In sehr guten Lagen und für sehr attraktive Immobilien werden sehr hohe Vervielfältiger über das 20-fache ermittelt, während in schlechten Lagen oder bei unattraktiven Immobilien der Faktor unter das Zehnfache der Jahresnettomieteinnahmen fallen kann. Für Trier haben die LBS-Experten einen Vervielfältiger bei Eigentumswohnungen von etwa 20 errechnet, bei Mehrfamilienhäusern von etwa 16. Ähnliches hat die Stiftung Warentest jüngst auch festgestellt. "Eine Sättigung des Marktes ist derzeit nicht in Sicht", heißt es auch von Seiten der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. "Beide Vervielfältiger-Werte halten wir für gesunde Werte, die einen Immobilienkauf in Trier immer noch lohnenswert machen", bestätigt LBS-Geschäftsführer Griebel. Einer Immobilienblase erteilt er daher auch eine Absage: "Denn auch die Mieten steigen noch." (Siehe Extra) Während jedoch bei den meisten Zentren und Großstädten die Speckgürtel von 25 Kilometern rund um die Zentren zusätzlich attraktiv sind, gestaltet sich dies in der Region Trier anders. Hier gibt es gar Unterschiede zwischen einzelnen Dörfern - in Abhängigkeit von ihrer Busanbindung und ihrer Infrastruktur. Neben den Investoren sind die meisten Immobilienkäufer in der Region Eigennutzer, die nicht in erster Linie eine Rendite im Sinn haben. Daher treten nun auch ältere Käufer auf den regionalen Immobilienmarkt - um sich eine Altersvorsorge aufzubauen. Tendenz steigend. Allein für Senioren fehlen demnach laut einer Studie des Pestel-Instituts Hannover in den kommenden 20 Jahren mehr als 2500 Wohnungen allein im Oberzentrum Trier. "Es wird höchste Zeit, barrierefreie Wohnungen für Senioren zu schaffen", sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. Allein für die Stadt Trier wären dies - hochgerechnet - Investitionskosten von gut 39 Millionen Euro für altersgerechtes Bauen. Die Studie wurde vom Verbändebündnis Wohnen 65 plus im Auftrag unter anderem des Sozialverbands VdK, der Gewerkschaft IG Bau und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure erstellt. Gibt es denn genügend Wohnraum?In der gesamten Region gibt es durchschnittlich mit 40 Wohneinheiten pro 10 000 Einwohner den höchsten Wert in Rheinland-Pfalz (landesweit 26). Und: In vielen Teilen der Region Trier wurden mehr Bauvorhaben genehmigt als noch ein Jahr zuvor - in Trier plus 50 Prozent, in den Landkreisen Trier-Saarburg und Bernkastel-Kues plus 47 und 27 Prozent. Im Vulkaneifelkreis (minus 17 Prozent) und im Eifelkreis Bitburg-Prüm (minus 21 Prozent) sind die Genehmigungen allerdings stark rückläufig. Dennoch: "Das bisherige Pensum an Neubau reicht nicht aus", hält LBS-Immobilien-Experte Griebel fest. Und auch das Hamburger Gewos-Institut sieht gerade für Trier und Trier-Saarburg "Angebotsengpässe", während sich die Eifel eher mit einem "strukturellen Wohnungsleerstand" in Zukunft auseinandersetzen muss. Dabei sieht etwa der Flächennutzungsplan von Trier eine jährliche Ausweitung der Baugenehmigungen um 550 bis ins Jahr 2025 vor. Im vergangenen Jahr jedoch wurden gerade einmal 426 Neubaueinheiten bewilligt. Wie viel muss man für Wohnraum bezahlen? Der Trend zeigt in allen größeren Orten der Region nach oben - wenn auch in unterschiedlichem Maß und auf unterschiedlichem Niveau (siehe Grafik). Bei den Baugrundstücken etwa gab es den höchsten Wert mit 310 Euro je Quadratmeter zwar in Trier, die höchste Preissteigerungsrate dagegen gab es mit plus 20 Prozent in Saarburg (maximal 150 Euro/Quadratmeter). Die Teuerungsraten bei freistehenden Eigenheimen liegen in Trier und Wittlich bei plus zehn Prozent, allerdings sind Häuser an der Lieser mit maximal 250 000 Euro fast doppelt so günstig wie in Trier mit maximal 420 000 Euro. Ähnlich auch die Lage bei den Eigentumswohnungen: Auch wenn in Trier Altbauwohnungen bis zu 3800 Euro je Quadratmeter kosten, so erreichen Schweich und Wittlich mit Höchstpreisen von 2800 bis 2900 Euro je Quadratmeter schon nahezu Trierer Durchschnittswerte. Extra

Dass Trier als Wohnort gefragt ist, zeigt auch die Mietpreisentwicklung. Laut dem Immobilienportal Immonet sind nämlich in der ersten Jahreshälfte 2013 die Mieten um 8,5 Prozent gestiegen. Eine unmöblierte Wohnung zwischen 60 und 120 Quadratmetern kostet demnach pro Quadratmeter im Schnitt 8,20 Euro kalt. Damit liegt Trier landesweit leicht unter dem Durchschnitt des Mietpreisanstiegs von neun Prozent, aber weit über dem Bundesdurchschnitt von sechs Prozent. sas

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