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Kein Licht am Ende des Tunnels

Kein Licht am Ende des Tunnels

Die Lokführergewerkschaft GDL hat eine siebentägige Streikpause angekündigt. Wie stehen die Chancen, um den Tarifkonflikt in dieser Zeit zu befrieden? Darüber sprach unser Berliner Korrespondent Stefan Vetter mit Klaus-Dieter Hommel, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, die im Tarifkonflikt bei der Bahn die Zugbegleiter und Bordgastronomen vertritt.

Herr Hommel, sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?Klaus-Dieter Hommel: Die Chancen für eine Einigung sind mit dieser Streikpause nicht besser geworden. Die GDL hatte schon mehrfach die Möglichkeit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie will aber nicht verhandeln. Deshalb fürchte ich, dass der Konflikt noch weiter eskaliert. GDL-Chef Weselsky nennt die EVG eine "handzahme Hausgewerkschaft der Bahn". Holt die Konkurrenz mehr für ihre Mitglieder raus?Hommel: Wir haben in den vergangenen Jahren nachweislich bessere Tarifabschlüsse getätigt als die GDL. Weselskys Behauptung ist also reine Polemik. Nicht derjenige ist gut, der am meisten Radau macht, sondern derjenige, der verantwortlich für die Beschäftigten handelt. Laufen der EVG die Mitglieder in Richtung GDL davon?Hommel: Das hätte Weselsky gern. Aber das ist schiefgegangen. Es gibt eher einen umgekehrten Trend. Mir hat ein Kollege, der von der EVG in die GDL gegangen ist, geschrieben, dass er seine Kündigung bei uns zurücknimmt, weil er das Streikdrama nicht mehr länger mittragen kann. Weselsky will neben den Lokführern auch für die Zugbegleiter verhandeln, die bei der GDL organisiert sind. Was ist daran eigentlich so schlimm?Hommel: Die Bahn muss entscheiden, ob sie einen einheitlichen Tarifvertrag will, wie es bislang der Fall war. Die EVG bekennt sich weiter zu dieser Tarifeinheit. Deshalb wollen wir mit der GDL auch weiter kooperieren. Und warum klappt das nicht?Hommel: Wir haben der GDL angeboten, die jeweiligen Mitgliederzahlen notariell prüfen zu lassen. Wer dann die Mehrheit in einer bestimmten Berufsgruppe hat, der kann auch die Federführung bei den Verhandlungen mit der Bahn haben. Nach den bislang bekannten Daten hieße das, wir würden mit am Tisch sitzen, wenn die GDL für die Lokführer verhandelt, während die EVG weiter federführend für die Zugbegleiter zuständig ist. Denn hier sind wir die größte Organisation. So könnten beide Gewerkschaften gemeinsam Tarifabschlüsse aushandeln. Und wie hat die GDL reagiert?Hommel: Sie hält stoisch daran fest, auch für die Zugbegleiter mitzuverhandeln. Deshalb ist auch kein Land in Sicht. Worin unterscheiden sich eigentlich die Forderungen beider Gewerkschaften für die Zugbegleiter?Hommmel: Ich kenne keine entsprechenden Forderungen der GDL. Wir wollen sechs Prozent mehr Lohn und einen Einmalbetrag von mindestens 150 Euro für alle. Die Bahn hat ein Angebot für die Lokführer unterbreitet. Schrittweise fünf Prozent mehr Lohn innerhalb von zweieinhalb Jahren. Die GDL sagt dazu Nein. Und die EVG?Hommel: Das ist ja kein Angebot an uns. Deshalb kommentieren wir das auch nicht. Aus unserer Sicht wäre dadurch aber die Möglichkeit vorhanden gewesen, auf den Streik vom Wochenende zu verzichten und zu verhandeln. Das heißt, die GDL könnte einen Tarifabschluss für die Lokführer womöglich schon längst haben, würde sie die Ausweitung ihrer Zuständigkeit auf die Zugbegleiter nicht zur Vorbedingung für die Verhandlungen machen?Hommel: Ja. Die Lokführer werden missbraucht für das Machtstreben ihres Gewerkschaftschefs Weselsky. Dabei werden die Lokführer dadurch motiviert, dass man ihnen einredet, die Existenz der GDL sei bedroht. Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Tarifeinheit. Steht die Existenz der GDL da nicht tatsächlich auf dem Spiel?Hommel: Die GDL ist tarifmächtig für die Lokführer. Deshalb ist sie auch nicht in ihrer Existenz bedroht. Im Übrigen lehnen auch wir ein Gesetz ab, das der Tarifautonomie und dem Streikrecht entgegensteht. Die Tarifeinheit ist gleichwohl der einzig richtige Weg, um allen Beschäftigten bei der Bahn gerecht zu werden. Aber diese Tarifeinheit muss durch die Gewerkschaften selbst hergestellt werden. Das Interview mit dem EVG-Vizevorsitzenden Klaus-Dieter Hommel führte unser Korrespondent Stefan Vetter.Extra

Klaus-Dieter Hommel ist stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Der 1957 geborene Hommel lernte ab 1978 bei der Deutschen Reichsbahn auf dem Bahnhof Cottbus und arbeitete als Fahrdienstleiter. Neben der Arbeit studierte er Verkehrskybernetik im Fernstudium. 1990 gehörte Klaus-Dieter Hommel zu den Begründern der Verkehrsgewerkschaft GDBA-Ost und wurde zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Seit 2003 war er Vorsitzender der Verkehrsgewerkschaft GDBA. Quelle: EVG