Kein Nachfolger: Existenz vieler Betriebe steht auf dem Spiel

Kein Nachfolger: Existenz vieler Betriebe steht auf dem Spiel

Jedes Jahr stehen rund 400 Unternehmen in der Region Trier vor einem Besitzerwechsel. Doch immer seltener führen Kinder den Betrieb der Eltern fort. Stattdessen übernehmen Mitarbeiter oder externe Manager das Ruder.

Trier. Fast 95 Prozent der deutschen Unternehmen gelten laut Institut für Mittelstandsökonomie (IfM) in Bonn als Familienunternehmen. Doch zunehmend weniger Kinder möchten das Lebenswerk ihrer Eltern oder Vorfahren weiterführen. Das stellen die Handwerkskammer (HWK) Trier und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier für die Betriebe in der Region fest.

In den Industrie- und Handelsunternehmen geht noch jede dritte Firma auf die nachfolgende Generation über. Im Handwerk hat sich die Lage deutlicher verändert: Im Jahr 2001 hätten die Kinder der Inhaber jeden zweiten Betrieb fortgeführt. Heute trifft dies nur noch auf jedes vierte Unternehmen zu, sagt HWK-Betriebsberaterin Lisa Herbrand: "Die Nachfolge aus der eigenen Familie spielt eine immer geringere Rolle."

Gerade in Familienunternehmen gebe es einen Trend der Kinder weg von den Berufen der Eltern, sagt auch IHK-Nachfolgeexperte Raimund Fisch.

Insgesamt stehen jedes Jahr in der Region Trier rund 400 Betriebe vor der Betriebsübergabe. Das ist bei 7000 Handwerksbetrieben und 30 000 Industrie- und Handelsunternehmen mit insgesamt 130 000 Beschäftigten etwa ein Prozent der Firmen.

Führen Sohn oder Tochter den Betrieb nicht weiter, übernehmen meist Mitarbeiter oder neue Eigentümer von außen. Hier hat die IHK Trier einen weiteren Trend ausgemacht. "Es gibt über Betriebsbörsen zunehmend Interessenten aus dem ganzen Bundesgebiet, die in der Region ein Unternehmen kaufen möchten", sagt Fisch. Die IHK sei "froh über das Interesse der Investoren". Sie sicherten Unternehmen laut Studien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oft neues Wachstum und höheren Umsatz als unter dem alten Chef.

Nach Schätzungen werden immerhin acht Prozent aller zur Übernahme anstehenden Betriebe stillgelegt. Dies wäre laut den Kammern vermeidbar. "Je organisierter die Übernahme, desto eher wird der Betrieb erfolgreich weitergeführt", sagt IHK-Nachfolgeexperte Raimund Fisch. Lisa Herbrand von der HWK ergänzt: "Wenn der Chef loslässt, gibt es auch einen klaren Schnitt."

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