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Kein unbedachter Optimismus

Kein unbedachter Optimismus

TRIER. Unter dem Motto "Europa erfahren - Chancen erarbeiten" standen die drei Europa-Tage in der Agentur für Arbeit Trier. An Messeständen informierten Fachleute über das Leben und Arbeiten in anderen Ländern, außerdem stellten Schulen grenzübergreifende Aktivitäten vor. Zum Abschluss gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wie steht's um Arbeit in Europa?".

Ein letzter kleiner Eiffelturm aus Pappe steht noch auf dem Tresen des Informationszent-rums am Eingang des Trierer Arbeitsamtes. "Die Eiffeltürme haben die Kinder vom Kinder-garten Beuren gemacht und an die Besucher verschenkt", sagt Hans-Josef Puch von der Arbeitsagentur. Die Spiele und Gesänge der Kinder aus Beuren bildeten den Auftakt zu den drei Europa-Tagen. Die Realschule Konz inszenierte einen zweisprachigen Unterricht, und die Hotel-Berufsfachschule Bernkastel stellte ihre international ausgerichtete Ausbildung vor.Chancen in Europa nutzen

Der Donnerstag stand unter dem Motto "Leben und Arbeiten im Ausland". Hier konnte man sich über Jobs und Praktika informieren, über Existenzgründung in Ländern des europäischen Wirtschaftsraums. Außerdem wurden Vorträge gehalten über das Bewerbungsprocedere in Großbritannien und Luxemburg. "An diesem Tag hatten wir die meisten Besucher", sagt Pressesprecher Bernd Sevenich. Leider sei der Zulauf ansonsten "eher verhalten" gewesen. Die Veranstaltung gibt es seit 1997 - zu Beginn war es noch eine ganze Woche, in der es rund ums Arbeiten in Europa ging. Am Freitag schließlich ging es unter dem Arbeitstitel "Raus von zu Haus" um Au-Pair-Vermittlungen, soziale Dienste im Ausland und Jobben und Studium im Ausland. "Es waren sehr viele Leute mit abgeschlossenem Hochschulstudium da, die sich bei mir über Job-Möglichkeiten in Großbritannien informiert haben", sagt Petra Kiefer von der britischen Botschaft in Luxemburg. Über Saisonjobs in Landwirtschaft und Gastronomie könne man durchaus an nützliche Kontakte kommen. "Wenn man bei der Bewerbung ein wenig mehr recherchiert und ausdauernd ist, kann man auch an Jobs bei Banken, großen Firmen oder in der Verwaltung kommen", ergänzt sie. Den Abschluss der "Europa erfahren - Chancen erarbeiten"-Tage bildete die Podiumsdiskussion. "Wie steht's um Arbeit in Europa?", war die Frage, mit der sich die Europaabgeordneten Christa Klaß (CDU) und Ralf Walter (SPD) sowie Martin Fontanari, Geschäftsführer des europäischen Tourismusinstituts (ETI) an der Uni Trier, Monika Varnhagen, Leiterin der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn und Georg Bajohr von der Aktion Arbeit (Bistum Trier) beschäftigten. Moderiert wurde die Diskussion von TV -Redakteurin Sabine Schwadorf. Einig war sich die Runde, dass die Osterweiterung Europas eine Chance für den Arbeitsmarkt darstellt. Generell biete das geeinte Europa viele Perspektiven, sagte Martin Fontanari. "Die jungen Menschen im Osten haben sich gut auf die neue Situation vorbereitet und sprechen oft mehrere Sprachen. Doch die Älteren haben Angst", gab er zu bedenken. Darum müsse man die Ängste und Vorbehalte der Menschen ernst nehmen und die "Harmonisierung nicht auf die Spitze treiben" - gerade im Bereich Besteuerung. Georg Bajohr mahnte in diesem Zusammenhang, die kleinen Länder nicht zu vergessen. Monika Varnhagen bezeichnete das neue Europa als Möglichkeit für junge Menschen, die in Deutschland keine Arbeit fänden. "In der Baubranche gibt es zurzeit viel mehr Chancen in Österreich, der Schweiz, England und Irland." Gefragt nach der Möglichkeit der Integration sagte Ralf Walter, Deutschland müsse mehr in die neuen Beitrittsländer investieren - ein Exportvolumen von 104 Milliarden Euro stünde heute einem Investitionsvolumen von nur zwei Milliarden Euro gegenüber. "Es geht nicht darum, Klein-Klein zu spielen, sondern wir müssen Europa einen." Fontanari entgegnete, die Politik dürfe nicht Rahmenbedingungen vorgeben, die mit den wirtschaftlichen Bedingungen kollidierten und warnte vor unangebrachtem Optimismus. "Von der Zuversicht unserer neuen Mitglieder können und müssen wir viel lernen", entgegnete Christa Klaß. In Europa werde immerhin kurzfristig ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent erwartet.