Keramik-Industrie in der Klemme

Keramik-Industrie in der Klemme

Mettlach/Selb. Die keramische Industrie in Deutschland schlägt Alarm. Billige China-Importe und die Konsum-Zurückhaltung der Deutschen machen der Branche schwer zu schaffen.

Der keramischen Industrie in Deutschland geht es nicht gut. "Wir werden von zwei Entwicklungen in die Zange genommen", sagt Peter Frischholz, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Keramischen Industrie (VKI) mit Sitz in Selb. Zum Einen "macht uns die Zurückhaltung der Verbraucher und der Trend zu Billigprodukten schwer zu schaffen", sagt er. Auf der anderen Seite habe der Import aus China beängstigende Ausmaße angenommen, seitdem das Abkommen über eine Kontingentierung dieser Produkte Ende 2004 ausgelaufen sei. Aus diesem Grund will der VKI zusammen mit der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) erreichen, dass die keramische Industrie ähnlich behandelt wird wie Kollegen der Textilwirtschaft, wo auf EU-Ebene inzwischen wieder Einfuhr-Kontingente mit China vereinbart wurden. "Wollen wir eine keramische Industrie, die immerhin noch 35 000 Menschen beschäftigt, in Deutschland halten, muss dringend etwas geschehen", sagt der VKI-Hauptgeschäftsführer. Große Hoffnungen setzt er auf ein Gespräch im Bundeswirtschaftsministerium, das unter der Leitung des Wirtschafts-Staatssekretärs Joachim Würmeling (CSU) am 12. Januar stattfindet. Mit dabei sind unter anderem die IGBCE-Bezirksvorsitzenden von Bayern, Seppel Kraus, und von Rheinland-Pfalz-Saarland, Ulrich Küppers, aber auch die Vorstandschefs der wichtigsten Unternehmen wie Wendelin von Boch (Villeroy& Boch) und Ottmar C. Küsel (Rosenthal). Darüber hinaus beginnt am 17. Januar ein bundesweiter Branchendialog, um auf die Nöte der keramischen Industrie aufmerksam zu machen. Bei Villeroy & Boch (V & B) ist man mit den seit längerem bekannten Restrukturierungs- und Personalabbau-Programmen im Plan. Weitere Anpassungs-Maßnahmen seien derzeit nicht vorgesehen. Das bestätigen Vorstandschef Wendelin von Boch, der Vorsitzende des V & B-Gesamtbetriebsrats, Dietmar Langenfeld, sowie IGBCE-Bezirksleiter Ulrich Küppers auf Anfrage übereinstimmend. Im Bereich Sanitär-Keramik müssen bis Ende 2007 rund 330 Arbeitsplätze abgebaut werden. 70 Mitarbeiter hätten bereits im vergangenen Jahr das Unternehmen verlassen, "wobei es nur zu einer einzigen betriebsbedingten Kündigung gekommen ist", so Langenfeld. In diesem Jahr würden 100 Mitarbeiter per Abfindung aus dem Unternehmen scheiden. Der Abbau von 140 Jobs im Fliesenbereich sei bereits über die Bühne.