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Kleine Betriebe in Gefahr

Kleine Betriebe in Gefahr

96 Unternehmen aus der Region mussten in den ersten sechs Monaten des Jahres den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Dies geht aus der Untersuchung der Trierer Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Im gleichen Zeitraum 2009 wurden 82 Unternehmensinsolvenzen notiert.

Trier. "Im ersten Halbjahr 2010 gab es 96 Firmeninsolvenzen. Zuvor waren es 82 Pleiten. Trotz des Anstiegs um 17 Prozent bleibt dennoch alles im Rahmen", erklärt Guido Joswig, Pressesprecher der Creditreform Trier. Die Untersuchung zeigt, dass im Vergleich zum Vorjahr viele kleinere Firmen Insolvenzantrag stellen mussten. Im ersten Halbjahr 2009 waren von den gut 80 Pleiten knapp 1600 Beschäftigte betroffen, nun sind es "nur" 816.

Bei Girone geht nichts mehr



"Die spektakulärsten Insolvenzen waren die der Firma Ergocast in Jünkerath mit 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 45 Millionen Euro, die des Trierer Pizzaherstellers Girone mit 110 Mitarbeitern und knapp 15 Millionen Euro Umsatz sowie die von Antenne West", sagt Guido Joswig. Während für Girone endgültig die Lichter ausgegangen sind, zeichnet sich bei Ergocast eine Übernahme ab (siehe Extra), durch die rund 200 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Von den Branchen hat es am schlimmsten den Bau erwischt. Nach 13 Pleiten von Januar bis Juli 2009 gab es diesmal 22 Pleiten am Bau. Im Dienstleistungsbereich gab es (wie gewohnt) mit 49 die meisten Insolvenzen - aber auf stabilem Niveau (2009/50), der Handel vermeldet zwölf (elf) und das verarbeitende Gewerbe 13 Insolvenzen (acht).

"Bei diesem niedrigen Niveau ist es immer schwierig, eine Tendenz abzulesen", sagt Guido Joswig. Doch der Experte rechnet auch in der zweiten Jahreshälfte mit einem leichten Anstieg. "Vor allem kleinere Betriebe haben sich noch nicht richtig erholt", erklärt Joswig.

Schlechte Zahlungsmoral belastet Handwerk



Mit Blick auf die Baubranche sieht Matthias Schwalbach, Geschäftsführer bei der Handwerkskammer Trier, deutliche Probleme. "Die Zahlungsmoral ist ein wesentlicher Faktor. Wenn ein Kunde bei einem Schuster seine Reparatur nicht zahlt, ist das ärgerlich. Aber bei einer Baufirma kann ein Zahlungsausfall die Firma in den Ruin treiben. Es geht meist um hohe Summen." Zudem gebe es am Bau auch strukturelle Probleme. "Die Zahl der Neubauten stagniert, und mit Blick auf die demografische Entwicklung wird sich daran wenig ändern", prophezeit HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach.

Dennoch ist die mittelständisch geprägte Wirtschaft in der Region nach Meinung der Fachleute wesentlich krisenunanfälliger als die in Ballungsräumen. Während im Bundesdurchschnitt rund 106 Insolvenzen im Jahr auf 10 000 Unternehmen kommen, sind es an der Mosel, in Eifel, Hochwald und auf dem Hunsrück rund 52 Unternehmen. Dies ist auch im ersten Halbjahr 2010 so. EXTra Die Insolvenz der Jünkerather Firma Ergocast soll in wenigen Tagen mit einer Übernahme enden. Im März hatte das traditionsreiche Unternehmen - die Wurzeln der Gießerei reichen bis ins Jahr 1687 zurück - einen Insolvenzantrag gestellt. Inzwischen hat sich ein Investor gefunden, der den Betrieb zum 1. Oktober weiterführen will. Die "Invest Kapital Holding" mit Sitz in München und Ispringen bei Pforzheim steigt bei der Gießerei im Vulkaneifelkreis ein. Demnach will der neue Besitzer die Geschäfte mit einer reduzierten Mannschaft weiterführen. Von den 250 Jobs bleiben gut 200 erhalten. 40 Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft überführt und möglichst schnell in neue Unternehmen vermittelt werden. Der Umsatz wird im laufenden Jahr voraussichtlich 35 Millionen Euro betragen, die Auftragslage sei gut. (fpl)